Umgesetzte Grabenabflachung mit Seitenarm und Kiesfurt im Bereich der Streuwiesen © RM Europaschutzgebiete

Im Lauteracher Ried wurde im Winter 2025 ein Pilotprojekt zur Abflachung von Riedgräben durchgeführt. Flache Grabenböschungen bieten Vorteile für die Tierwelt und führen dadurch zu mehr Vielfalt. Das Vorhaben wurde in Kooperation mit dem Land Vorarlberg und der Marktgemeinde Lauterach durchgeführt.

In den Riedgebieten Vorarlbergs gibt es zahlreiche Entwässerungsgräben, welche das Ried entwässern und dadurch landwirtschaftlich nutzbar machen sollen. Auch wenn diese Gräben künstlich geschaffen wurden, können sie bei richtiger Nutzung und Pflege wertvolle Lebensräume in der Kulturlandschaft darstellen. Häufig sind die Entwässerungsgräben allerdings sehr steil und strukturlos angelegt. Dies schränkt die Nutzung als Lebensraum, aber auch die Querbarkeit für unterschiedliche Tierarten ein. Flache Böschungen können von Wildtieren besser gequert werden und bieten bessere Ausstiegsmöglichkeiten. Zudem bieten flache Böschungen durch den Feuchtegradienten unterschiedliche Habitat Bedingungen, was sich auch in der Vegetation widerspiegelt. Gerade die Wiesenbrüter benötigen lockeren, feuchten Boden zur Nahrungssuche. Dadurch führen Grabenabflachungen zu einer Lebensraumaufwertung für unterschiedliche Tierarten.

Abgeflachter Bereich entlang von Fettwiesen. Am linken Ufer ist der Unterschied zwischen steilem Ufer und neuer, abgeflachter Böschung gut zu erkennen © RM ESG

Aus diesem Grund wurde das Pilotprojekt am Beilstielgraben im Lauteracher Ried gestartet. Ziel war es an zwei Abschnitten eine beidseitige Abflachung durchzuführen. Ein Abschnitt liegt in intensiv bewirtschaftetem Grünland und wurde bereits 2024 umgesetzt. 2025 wurde dann der zweite Abschnitt im Bereich von Streuwiesen abgeflacht. Die Arbeiten wurden dankenswerterweise von der landwirtschaftlichen Gebietsbetreuung und vom Bauhof der Marktgemeinde Lauterach durchgeführt. Die Böschungen wurden dabei in einem Gefälle von 1:3 abgeflacht, um möglichst flache und bewirtschaftbare Böschungen zu schaffen. Im Bereich der Streuwiesen wurde zusätzlich ein Nebenarm mit Totholz und Gehölzpflanzungen angelegt. Auf einem Abschnitt von ca. 10 m erfolgte eine beidseitige Kiesschüttung auf den abgeflachten Böschungen, was das Rasche zuwachsen verhindern soll. Gerade Wiesenbrüter bevorzugen solche offenen Bereiche zur Nahrungssuche. Um die stellenweise häufig vorkommende Goldrute zurückzudrängen, wurde der Oberboden teilweise abgezogen. Das anfallende Aushubmaterial konnte in einer nahegelegenen Fettwiese eingebracht werden.

Bekassine, Kiebitz und Co. Nutzen die abgeflachten Grabenböschungen zur Nahrungssuche. ©RM ESG
Grabenabflachung mit angelegten Nebenarm © RM Europaschutzgebiete

Die weitere Entwicklung der Maßnahme wird beobachtet. Die Vegetation konnte sich bereits über die Vegetationsperiode wieder einstellen. Bekassinen und Waldwasserläufer wurden bereits bei der Nahrungsaufnahme an den abgeflachten Bereichen beobachtet. Ziel ist den Beilstielgraben, aber auch weitere Gräben weiter abzuflachen, um den Lebensraum im Lauteracher Ried weiter aufzuwerten und so die Artenvielfalt zu fördern. Wir möchten allen beteiligten, welche die Umsetzung dieses Projekts möglich gemacht haben, recht herzlich danken – den Grundeigentümer:innen, Bewirtschafter:innen, der Marktgemeinde Lauterach, der landwirtschaftlichen Gebietsbetreuung und dem Land Vorarlberg.

Kiesschüttungen in den Böschungsbereichen verhindern das schnelle Zuwachsen, was den Kiebitzen zugutekommt. ©die-nATurknipser

Text: Thomas Nachbaur
Veröffentlichung: März 2026

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union

Bartgeier © dienATurknipser.at

Bartgeiermonitoring © RM Europaschutzgebiete

Alterstbestimmung Bartgeier © NP Hohe Tauern

Zwischen 11 und 18. Oktober finden die internationalen Bartgeier-Zähltage statt, an denen sich zahlreiche Beobachterinnen und Beobachter im gesamten Alpenraum beteiligen. Gemeinsam mit dem Nationalpark Hohe Tauern, der schon seit vielen Jahren für die Wiederansiedlung und das Monitoring von Bartgeiern in Österreich aktiv ist, wird dieser Zähltag auch in Österreich möglichst breit aufgestellt. Wie in den letzten Jahren ist auch für Vorarlberg eine koordinierte Zählung geplant.

Wie steht es um den Bartgeier im Alpenraum?

Mit der ersten Auswilderung eines Bartgeiers im Nationalpark Hohen Tauern im Jahr 1986 wurde der Startpunkt für die Wiedereinbürgerung des Bartgeiers in den Alpen gesetzt. Mittlerweile leben geschätzt rund 300-400 Bartgeier im Alpenraum mit zuletzt rund 50 in freier Wildbahn geschlüpfter Junggeier in der Brutsaison 2022 (Quelle: International Bearded Vulture Monitoring).
In Vorarlberg konnte bislang keine erfolgreiche Brut des Bartgeiers nachgewiesen werden. Dennoch sind Sichtungen durchziehender Bartgeier keine Seltenheit und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Vorarlberg die ersten Brutversuche erfolgen. Bis dahin gibt es aber viel zu tun. Im Vordergrund steht dabei das Monitoring des Bartgeiers im gesamten Alpenraum.

Wie kann ich mich an der Bartgeierzählung beteiligen?

  •  Gelegenheitsmelder*innen

Zwischen 11. und 18. Oktober sind alle Interessierten aufgerufen, eine Bergtour zu unternehmen und dabei aktiv nach Bartgeiern Ausschau zu halten. Besonders gute Chancen für Sichtungen bestehen etwa im hinteren Bregenzerwald, Lechquellengebirge, Montafon/Silvretta und Rätikon. Hierzu sind folgende Angaben wichtig:

Ort der Sichtung (Seehöhe, Ortsbezeichnung oder Koordinaten)
Zeitpunkt der Sichtung (Datum und Uhrzeit)
Anzahl beobachteter Individuen und Angaben zur  Gefierderfärbung (siehe Bestimmungshilfe)
Fotonachweis (wenn möglich)

Sämtliche Sichtungen der Zählung sowie ganzjährige Zufallssichtungen können ab sofort an die neue Koordinationsstelle für Westösterreich (angesiedelt beim Naturpark Ötztal) per mail (bartgeier@tirol.gv.at) oder über das Online-Formular gemeldet werden.

  • Bartgeierbeobachter*innen

Am Schwerpunkt-Zähltag am 11. Oktober wird von einem festgelegten Zählpunkt mit guter Fernsicht (Berggipfel, Bergstation einer Bergbahn u.a.) zwischen 09:00 und 15:00 Uhr, mindestens jedoch von 10:00 – 14:00 Uhr gezählt. Wer sich zutraut, Bartgeier sicher im Flug zu bestimmen, kann sich als Bartgeierbeobachter*in anmelden. Für einen koordinierten Ablauf des Schwerpunkt-Zähltags in Vorarlberg bitten wir um Kontaktaufnahme mit dem Regionsmanagement Europaschutzgebiete bis spätestens 10.10.

Kontakt: Christian Kuehs, E-Mail: christian.kuehs@naturvielfalt.at, Telefon: 0664 19 82 543

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union

Der neue Naturraum.Verwall in Partenen © Marie Schilcher

Das Verwall, abgeleitet vom romanischen val bel („schönes Tal“), ist einer der prägenden Gebirgsgruppen im Montafon. Zugleich steht „Verwall“ für das flächenmäßig größte Europaschutzgebiet Vorarlbergs. Die im Juni 2025 eröffnete Ausstellung Naturraum.Verwall in Partenen widmet sich der Vielfalt dieses einzigartigen Lebensraums.

Bereits von Weitem kündigt das prominent platzierte Aussichtsfenster mit Blick auf das Europaschutzgebiet Schuttfluren Tafamunt die Neuerung im Ortszentrum von Partenen im Montafon an. Die große Überraschung erwartet die Besuchenden jedoch hinter der Eingangstür zum Naturraum.Verwall. Wie ein eingestülpter Berg ragen die geneigten Holzwände zur Decke, zahlreiche Exponate und die beeindruckenden Lebensraumbilder der Tiroler Künstlerin Ina Hsu begleiten durch die Ausstellung. Das zentrale Element bildet ein detailreiches Landschaftsmodell, das vom Blockgletscher bis zur Alpwirtschaft tiefe Einblicke in die Lebensräume des Verwall gewährt.

Die außerordentliche Vielfalt des Verwall auf 75 m² - zu sehen im Naturraum.Verwall © Robert Gander

Schutzgebiete als Anziehungspunkte

Eine Ausstellung über Schutzgebiete im Montafon –  was bei der Ausweisung der Europaschutzgebiete vor über 20 Jahren kaum denkbar gewesen wäre, ist nach fünf Jahren Vorarbeit Realität geworden. Nicht zuletzt deshalb, da Schutzgebiete im Alpenraum auch touristisch an Bedeutung gewonnen haben. Denn sie bieten genau jene authentischen Naturerlebnisse, die Gäste wie auch Einheimische zunehmend schätzen. Warum sich die wenige hundert Einwohner zählende Ortschaft Partenen als Standort für eine naturkundliche Ausstellung eignet, liegt auf der Hand. Partenen ist ein idealer Ausgangsort für Wanderungen in das Europaschutzgebiet Wiegensee und weiter ins Verwall. Als Start- oder Zielpunkt vermittelt die Ausstellung einen sensiblen Umgang in und mit der Natur, ohne dabei belehrend zu sein.

Trägerin der Ausstellung ist die Gemeinde Gaschurn, die in Kooperation mit dem Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder eine sinnvolle und zukunftsorientierte Nachnutzung für das aufgelassene Tourismusbüro in Partenen gefunden hat. Dank eines LEADER-Projekts konnte der Umbau des in die Jahre gekommenen Gebäudes samt angrenzendem Seniorenraum umgesetzt werden.

Die Lebewelt des Verwall ist Kerninhalt der Ausstellung © NSV Verwall-KBW

Auch die Moore am Wiegensee werden ausführlich behandelt © NSV Verwall-KBW

Klein aber oho

Kuratiert wurde die Ausstellung vom Büro Rath & Winkler zusammen mit dem Atelier Roland Stecher, die mit viel Liebe zum Detail ein repräsentatives Abbild des Verwall auf knapp 75 m² geschaffen haben. Das interaktive Landschaftsmodell verortet die Europaschutzgebiete und Lebensräume in der Montafoner Bergwelt. Begleitet von anschaulichen Wandprojektionen bieten die unterschiedlichen Themenbereiche „Schutzgebiete“, „Naturraum“ und „Kulturlandschaft“ tiefergehende Inhalte, die von den Besuchenden über einen Touchscreen je nach Interesse angesteuert werden können. Einen anderen, weniger technischen Zugang zum Thema wählte die Tiroler Künstlerin Ina Hsu, die mit ihren bunten Lebensraumbildern dazu anregt, die Natur mit offenen Augen zu erkunden. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein gemütlich eingerichteter Nebenraum mit direkter Aufsicht auf die Schutzgebiete. Während man den Geschichten des Autors Jürgen Thomas Ernst über die vielfältige Mensch-Natur-Beziehung lauscht, lässt sich mit etwas Glück die eine oder andere Gams in den steilen Grashängen über Partenen erblicken.

Zahlreiche Exponate machen die Ausstellung zu einem besonderen Erlebnis © Robert Gander

Wer versteckt sich auf den Lebensraumbildern der Künstlerin Ina Hsu? © Robert Gander

Naturvermittlung im Fokus

Der Naturraum.Verwall setzt die Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt in Szene und zeigt auf, wieso ein sensibler Umgang in und mit der Natur von Bedeutung ist. Diese Inhalte möchte man verstärkt auch an Kinder und Jugendliche vermitteln. Ein eigener Ausstellungsführer für Kinder mit den Schutzgebiets-Maskottchen Frieda und Kauzi macht die Ausstellung für das junge Publikum erlebbar. Führungen für Schulklassen und Gruppen werden von Naturführerinnen aus der Region über den Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder organisiert.

Naturvermittlung für Kinder durch Naturführerinnen © Marie Schilcher

Natura 2000 im Montafon

Natura 2000 ist ein europäisches Netzwerk an Schutzgebieten mit dem Ziel, die biologischen Vielfalt zu erhalten. Acht der 39 Europaschutzgebiete Vorarlbergs liegen im Montafon, darunter der Moorkomplex am Wiegensee und das 120 km² große Vogelschutzgebiet Verwall. Was diese Gebiete so besonders macht – darüber weiß der Naturraum.Verwall so manche Geschichte zu erzählen.

Weitere Infos

Naturraum.Verwall
Silvrettastraße 8
6794 Partenen

 

Öffnungszeiten: täglich, 07:00-22:00 bei freiem Eintritt

 

Auskünfte sowie Anfragen zu Gruppenführungen an:
Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder, Schruns
verwall.office@natura2000.or.at

 

Impressum:

Projektträger: Gemeinde Gaschurn
Inhaltliche Leitung: Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Kuratorische Leitung: Rath&Winkler, Projekte für Museum und Bildung
Szenografie: Atelier Roland Stecher
Architektonisches Rohkonzept: Bernhard Breuer
Ausführung und Bauleitung: bauWerk Architektur ZT GmBH

Ein besonderer Dank gilt der Gemeinde Gaschurn, dem Land Vorarlberg, der Illwerke vkw AG, der inatura Erlebnis Naturschau und den Montafoner Museen

Text: Christian Kuehs, Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Jänner 2026

Der Naturschutzverein Verwall – Klostertaler Bergwälder mit Sitz in Schruns ist für das Management der Europaschutzgebiete im Montafon und Klostertal verantwortlich. Neben dem Schutz der Lebensraumvielfalt innerhalb des Natura 2000-Netzwerkes zählen Information, Kommunikation und Bildung zu den Hauptaufgaben des Vereins.

© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

Schutzgebietsbetreuung im Montafon und Klostertal

Seit September 2013 werden die Europaschutzgebiete im Montafon und im Klostertal talschaftsübergreifend betreut. Zu diesem Zweck haben die beteiligten Gemeinden gemeinsam mit der Umweltabteilung des Landes, dem Stand Montafon und der Regio Klostertal-Arlberg den „Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder“ gegründet. Seit Mai 2017 ist der Naturschutzverein Teil des Natura 2000-Regionsmanagements in Vorarlberg. Der Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder versteht sich als Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen in der Region und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen über und das Bewusstsein für die Natura 2000-Gebiete in der Bevölkerung zu steigern. Eine gezielte Besucherlenkung und -information stehen dabei ebenso im Vordergrund wie Maßnahmen zum Erhalt der Schutzgüter in den Natura 2000-Gebieten.

Die Aktivitäten des Naturschutzvereins Verwall-Klostertaler Bergwälder werden unterstützt mit Mitteln des Landes Vorarlberg und der Europäischen Union.

Ziele des Naturschutzvereins

© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

Wissen und Akzeptanz steigern

  • Fortführung und Optimierung eines professionellen, talschaftübergreifenden Schutzgebietsmanagements
  • Verankerung des Vereins und seiner Tätigkeiten in der Region sowie Etablierung als zuverlässige Kontaktstelle für Gemeinden und andere relevante Interessensgruppen.
  • Sensibilisierung der Bevölkerung in Hinblick auf die Ziele des europäischen Natura 2000-Netzwerks und die Europaschutzgebiete im Montafon und Klostertal
  • Schaffung von Multiplikatoren in und außerhalb der Region für die Ziele des Naturschutzes.
  • Vernetzung mit anderen Akteuren des Naturschutzes im In- und Ausland

© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

   Lebensräume und Arten schützen

  • Erhalt, Pflege und Wiederherstellung der Lebensräume und Habitate der Arten der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie sowie anderer, schützenswerter Lebensräume und Arten
  • Lenkung der unterschiedlichen Nutzungen in den Europaschutzgebieten als wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Naturschutz, Naturerlebnis und nachhaltiger wirtschaftlicher Nutzung
  • Gewinn neuer Erkenntnisse über den Erhaltungszustand der Schutzgüter, deren Bestandsentwicklung, Biologie, Gefährdung und Lebensraumansprüche

Die Europaschutzgebiete in der Region Montafon-Klostertal

Mitglieder des Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

Montafon

  • Gemeinde Gaschurn
  • Gemeinde St. Gallenkirch
  • Gemeinde Silbertal
  • Gemeinde Bartholomäberg
  • Gemeinde St. Anton im Montafon
  • Stand Montafon
  • Montafon Tourismus
  • Bewirtschafter und Grundbesitzer

Klostertal

  • Gemeinde Klösterle
  • Gemeinde Bludenz
  • Gemeinde Innerbraz
  • Gemeinde Dalaas
  • REGIO Klostertal-Arlberg
  • Alpenregion Bludenz Tourismus
  • Bewirtschafter und Grundbesitzer

Naturschutz

  • Land Vorarlberg (Abteilung Umwelt- und Klimaschutz)
  • Naturschutzanwaltschaft
  • BirdLife Vorarlberg

AKTUELL: Ausstellung Naturraum.Verwall

© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

Auf Initiative der Gemeinde Gaschurn und in Kooperation mit dem Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder wurde das ehemalige Tourismusbüro in Partenen im Montafon in eine spannende naturkundliche Ausstellung verwandelt. Der Naturraum.Verwall gewährt spannende Einblicke in die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt der gleichnamigen Gebirgsgruppe und die Europaschutzgebiete im Montafon.

Der Naturraum.Verwall kann täglich von 07:00-22:00 kostenlos besucht werden. Weitere Infos findest du hier

AKTUELL: Schutzgebiete für Kinder erlebbar machen

© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

Mit Frieda und Kauzi die Schutzgebiete im Montafon und Klostertal entdecken – unter diesem Motto wurden in Zusammenarbeit mit Caro Pfister (Studio Pfister) und Richard Steiner (Werkstatt West) drei neue Schutzgebiets-Broschüren für Kinder und Junggebliebene entworfen. Darunter ein Ausstellungsführer für den Naturraum.Verwall, eine Rätselrallye auf der Heilbronner Hütte sowie eine spannende Faltbroschüre zu den Europaschutzgebieten im Montafon und Klostertal inkl. Wander-Bingo und Rätselspaß.

Weitere Infos zu Frieda und Kauzi findest du hier

Kontakt

Mag. Christian Kuehs
Geschäftsführer Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Regionsmanagement Europaschutzgebiete Montafon-Klostertal
Montafonerstr. 21, 6780 Schruns
+ 43 664 / 1982 543
verwall@natura2000.or.at

 

Stefanie Peiker
Projektmitarbeit mit Schwerpunkt Besucherlenkung, Öffentlichkeitsarbeit und Freiwilligenprojekte
+ 43 664 / 1995 495
verwall.office@natura2000.or.at

Von 12. bis 20. Oktober 2024 fanden die internationalen Bartgeier-Beobachtungstage in sieben teilnehmenden europäischen Ländern statt. Auch Vorarlberg war an der Schwerpunktzählung am 12. Oktober mit 11 Personen an 8 unterschiedlichen Beobachtungsstandorten vertreten. Dabei konnten zwei Bartgeier nachgewiesen werden.

Geier in Sicht!

Nach 2022 beteiligte sich das Bundesland Vorarlberg auch 2024 wieder am internationalen Bartgeier-Zähltag. Koordiniert wurde die Zählung vom Regionsmanagement Europaschutzgebiete in Kooperation mit BirdLife Vorarlberg und der Vorarlberger Jägerschaft. Zwischen Warth am Arlberg und Gargellen im Montafon hielten 11 Personen an 8 unterschiedlichen Standorten Ausschau nach dem beeindruckenden Greifvogel. Tatsächlich konnten in der vorgegebenen Zählzeit zwei Sichtungen gemeldet werden: ein adulter Geier im Brandnertal und ein (sub-)adulter Geier am Schlappiner Joch an der Landesgrenze zur Schweiz. Hierbei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um durchziehende bzw. in der nahen Schweiz ansässige Individuen.

Ein adulter Bartgeier wurde im Brandnertal gesichtet © Stefanie Peiker

Ein Geier räumt auf

Der Bartgeier steht ganz am Ende der Nahrungskette, denn er ernährt sich ausschließlich von Aas, genauer gesagt von Knochen, die rund 85-90 % seines Speiseplans ausmachen. Kleinere Knochen werden im Ganzen verschluckt, größere aus großer Höhe auf Felsen, so genannte „Knochenschmieden“, fallengelassen und dadurch zerkleinert. Dieses Verhalten brachte dem Bartgeier den Beinamen „Knochenbrecher“ ein. Tatsächlich trägt er maßgeblich dazu bei, dass Kadaver in der Natur möglichst vollständig und rasch „verwertet“ werden.

Anders als bei anderen Geiern ist der Bartgeier am Hals nicht „nackt“ sondern besitzt ein rotbraunes Gefieder. Die auffallende Färbung kommt durch das Baden in eisenoxidhaltigen Suhlen zustande © die-nATurknipser.at

Wie steht es um den Bartgeier im Alpenraum?

Vor 200 Jahren war der Bartgeier im Alpenraum noch weit verbreitet. Fälschlicherweise wurde ihm nachgesagt, Lämmer und sogar kleine Kinder zu rauben. Aus diesem Grund wurde er intensiv verfolgt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts der letzte Bartgeier in den Alpen erschossen wurde.
Mit der ersten Auswilderung eines Bartgeiers im Nationalpark Hohen Tauern im Jahr 1986 begann die Wiederansiedlung in den Alpen. Mittlerweile leben geschätzt rund 60 Bartgeier-Paare im Alpenraum. In Österreich haben sich bislang 12 Bartgeier-Paare etabliert – sechs in der Region Hohe Tauern und sechs in Nordtirol, darunter auch im Lechtal, unweit von Vorarlberg (Quelle: Nationalpark Hohe Tauern, 2024).
Auch wenn die Bestandstrends wieder nach oben zeigen, sind die Bedrohungen für den Bartgeier vielfältig:  Rückgang des Nahrungsangebots, Vergiftungen, Kollisionen mit Leitungen sowie Störungen am Brutplatz zählen zu den größten Herausforderungen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung.

Bartgeier in Vorarlberg

In Vorarlberg selbst konnte bislang keine erfolgreiche Brut nachgewiesen werden. Dennoch sind Sichtungen durchziehender Bartgeier keine Seltenheit, so zum Beispiel im Lechquellengebirge und der Silvretta. Es ist somit wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Vorarlberg die ersten Brutversuche erfolgen. Bis dahin gilt: Augen offenhalten!

Text: Christian Kuehs
Veröffentlichung: 5. März 2025

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union

Willkommen auf unserem Spielplatz für junge Naturentdeckerinnen und Naturentdecker!

Frieda, das Alpenschneehuhn

Name: Frieda
Art: Alpenschneehuhn
Wohnort: in den Bergen oberhalb der Baumgrenze
Größe: ungefähr so groß wie eine Taube
Aussehen: im Winter bin ich ganz weiß, sogar meine Zehen sind weiß, dadurch bin ich im Schnee fast unsichtbar. Im Sommer habe ich ein braun-grau gesprenkeltes Federkleid, von den Farben her sehe ich aus wie Steine und Gras
Besonderheit: das ganze Jahr über bin ich durch meine verschiedenen Kleider gut getarnt. Im Winter weiß wie der Schnee und im Sommer braun-grau wie die Felsen.
Meine Lieblingsspeise: Knospen von Sträuchern, Samen und Blätter von Bergkräutern, Beeren und im Sommer auch mal kleine Insekten – vor allem für meine Küken.
Diese Tiere können mir gefährlich werden: Steinadler, Kolkrabe, Fuchs, Hermelin – und manchmal auch Skifahrer, wenn sie zu laut oder zu schnell unterwegs sind…

Kauzi, der Sperlingskauz

Name: Kauzi
Art: Sperlingskauz
Wohnort: alte Wälder mit vielen Bäumen mit Spechthöhlen
Größe: ungefähr so klein wie ein Spatz – 16 bis 19 cm groß
Aussehen: klein und rund, braune Federn mit weißen Punkten auf dem Rücken, heller Bauch mit Streifen – und über den Augen zwei weiße Streifen
Besonderheit: kleinster Kauz Europas
Meine Lieblingsspeise: Mäuse, Kleinvögel (Finken, Meisen, Drosseln…)
Diese Tiere können mir gefährlich werden: Habicht, Waldkauz, Baummarder, Sperber und Fuchs

Fleißiger Höhlenbaumeister

Schwarzspecht

Der Schwarzspecht ist der größte Specht Europas – mit schwarzem Federkleid und roter Mütze.
Mit seinem kräftigen Schnabel hämmert er große Löcher in alte Bäume – nicht nur für sich, sondern auch für Nachmieter: Siebenschläfer, Fledermäuse oder Kauzi.
Sein Trommeln ist richtig laut – man kann es kilometerweit hören!

Braunes Langohr

Fledermaus

Das Braune Langohr ist eine Fledermaus mit riesigen Trichterohren – damit hört sie selbst das leiseste Rascheln.
Sie fängt Insekten im Flug oder sammelt sie im Rüttelflug direkt von Blättern und Ästen.
Am Tag schläft sie an ruhigen, dunklen Orten – etwa in Baumhöhlen oder alten Ställen.

Prachtvoller Bock

Alpenbockkäfer

Der Alpenbockkäfer zählt zu den schönsten Insekten unserer Wälder – mit hellblauem Körper und langen Fühlern wie Steinbock-Hörner.
Er legt seine Eier in alte Buchen, wo die Larven jahrelang im Inneren wachsen.
Erst nach bis zu vier Jahren schlüpft der fertige Käfer – und fliegt dann durch den Sommerwald.

Flotter Baumakrobat

Dreizehenspecht

Der Dreizehenspecht ist etwas Besonderes – ihm fehlt eine Zehe, er hat nur drei statt vier.
Doch genau das macht ihn stark: Er klettert blitzschnell Bäume rauf – wie ein Akrobat!
Sein Gefieder ist perfekt für den Tarnmodus in Nadelwäldern. Alte Bäume braucht er zum Leben und Höhlenbauen.

Alle aus Kauzis Familie gehören zu den Eulen.
Das ist eine besondere Vogelfamilie, die vor allem in der Nacht und in der Dämmerung aktiv ist. Eulen haben riesige Augen – sogenannte Nachtsichtaugen – die auch im Dunkeln gut sehen, und sehr gute Ohren.
Eulen können fast lautlos fliegen, weil ihre Federn besonders weich und gezackt sind. Und das Unglaubliche: Sie können ihren Kopf ganz schön weit drehen – fast im Kreis – genauer gesagt: 270 Grad.

Kauzis großer Cousin

Mächtiger Jäger

Uhu

Der Uhu ist die größte Eule Europas – fast so groß wie ein Bussard, mit breiten Flügeln und langen Federohren.
Er wohnt gern in felsigen Steilhängen und ruft laut „U-hu!“ durch die Nacht.
Er jagt auch größere Tiere wie Krähen oder Greifvögel – frisst in Notzeiten aber sogar Schnecken oder Regenwürmer.
Im Vergleich zum Uhu ist Kauzi winzig!

Kauzis scheuer Cousin

Der Federschuhträger

Raufußkauz

Der Raufußkauz ist eine kleine, runde Eule mit weichen Federn – sogar an den Füßen, wie mit Stiefeln!
Er lebt in stillen Nadelwäldern in den Bergen und brütet gerne in alten Spechthöhlen, genau wie Kauzi.
Man hört ihn kaum – sein leises Flöten bleibt oft unbemerkt.
Weil er so klein ist, muss er gut aufpassen: Uhu, Marder oder Waldkauz könnten ihn jagen.

Wachsamer Pfeifer

Murmeltier

Das Murmeltier lebt auf sonnigen Bergwiesen mit vielen Steinen, Höhlen und Gras zum Knabbern.
Ein Tier hält immer Wache – es stellt sich auf die Hinterbeine und pfeift laut, wenn Gefahr naht.
Die ganze Murmeltierfamilie lebt gemeinsam in unterirdischen Gängen und Höhlen – dort verbringen sie auch ihren langen Winterschlaf.

Schnellster Vogel

Wanderfalke

Der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt – im Sturzflug ist er schneller als ein Rennauto!
Er jagt andere Vögel in der Luft und überrascht sie blitzschnell von oben.
Mit spitzen Flügeln, kräftigem Schnabel und scharfen Augen ist er perfekt ausgerüstet. Seine Nester baut er auf steilen Felsen in den Bergen.

Schwindelfreie Kletterin

Gams

Die Gams ist perfekt für das Leben in den Bergen gemacht – mit kräftigen Beinen, scharfen Augen und einem super Gleichgewicht.
Ihre Hufe kann sie sehr breit spreizen, so findet sie Halt selbst auf steilen Felsen.
Sie lebt in kleinen Gruppen, liebt felsige Sonnenplätze und ist fast immer unterwegs – egal ob auf schmalen Pfaden, über Geröll oder durch den Schnee.

Wendiger Hoppler

Schneehase

Der Schneehase ist ein echter Tarnungskünstler – genau wie Frieda: Im Winter ist sein Fell weiß, im Sommer braun, damit ihn kaum jemand entdeckt.
Aber vor allem ist er ein super Läufer und Springer! Mit seinen großen Hinterpfoten hüpft er leicht über Schnee und Geröll.
Wenn es gefährlich wird, bleibt er erst ruhig sitzen – und dann flitzt er blitzschnell davon!

Alle aus Friedas Familie gehören zu den Raufußhühnern!
Das sind wilde Hühner, die an das Leben im Wald oder in den rauhen Bergen angepasst sind. Wie der Name schon sagt, haben sie „raue Beine“, also Federn bis zu den Zehen – fast wie kleine Federstiefel! Sogar ihre Nasenlöcher sind von Federn bedeckt, damit keine Kälte hineinzieht. Und unter ihrem Federkleid versteckt sich eine kuschelige Schicht aus Daunenfedern – wie eine eingebaute Winterjacke! Zudem haben sie ihre eigenen „Schneeschuhe“ immer dabei, damit können sie elegant über den Schnee laufen ohne einzusinken.

Friedas ganz großer Cousin

Stolzer Prachtvogel

Auerhahn

Der Auerhahn ist der größte Hühnervogel Europas – ein echter Riese im Vergleich zu Frieda!
Im Frühling zeigt er sich von seiner schönsten Seite: Er gurrt, knackt, fächert seine Federn auf und tanzt für die Hennen.
Er lebt in lichten Bergwäldern, doch leider gibt es nur noch wenige dieser stolzen Prachtvögel. Frieda sieht ihn kaum – aber sie kennt ihren beeindruckenden Cousin gut.

Friedas großer Cousin

Der Tänzer

Birkhahn

Der Birkhahn ist kleiner als der Auerhahn, aber nicht weniger auffällig!
Im Frühling trifft er sich mit anderen Hähnen auf dem Balzplatz, blubbert, fächert seine Federn und tanzt mit anderen um die Wette.
Im Winter ruht er sich in Schneehöhlen aus. Er lebt nahe Friedas Zuhause – am Rand von Mooren, Wiesen und lichten Wäldern. Manchmal hört Frieda ihn von Weitem.

Friedas schüchterner Cousin

Leiser Waldbewohner

Haselhuhn

Das Haselhuhn ist das kleinste Hühnchen von Friedas Familie – und ganz schön scheu.
Es lebt tief im dichten Bergwald, ist sehr scheu und gut getarnt. Man hört seinen Ruf öfter, als man es zu Gesicht bekommt.
Anders als Frieda wechselt es nie sein Gefieder. Die beiden wohnen weit auseinander und begegnen sich kaum – aber zur Familie gehört er trotzdem!

Spiel Bingo mit Kauzi und Frieda

So geht’s:
Druck dir das Wanderbingo aus, schnapp deine Freunde und ab in die Natur! Hier geht’s zum Download:
Wanderbingo (3515 Downloads )

Kennst du schon unsere Rätselrallye?

Rund um die neue Heilbronner Hütte erwartet euch euch eine spannende Rätselrallye mit kniffligen Aufgaben und einer kleinen Überraschung am Schluss.
Abenteuerlust? Dann auf zur neuen Heilbronner Hütte im Europaschutzgebiet Verwall.

Geschichten mit Frieda und Kauzi

Die Dohle (Coloeus monedula), auch Turmdohle genannt, ist aktuell in Vorarlberg als gefährdet eingestuft. Um die Art zu schützen, wird ein erfolgreiches Schweizer Artenschutzprojekt nun in Vorarlberg weitergeführt. Dabei werden für die Dohle an geeigneten Felsstandorten Nisthilfen befestigt. Zu den ersten Projektgebieten zählen der Schlosshügel und der Kalkofen in Koblach sowie der Hängende Stein in Nüziders.

Die Bergrettung Hohenems befestigt die ersten 13,5 kg schweren Dohlen-Nisthöhlen aus langlebigem Holzbeton an der Felswand © RM Europaschutzgebiete

Bestandsentwicklung der Dohle in Vorarlberg

In Vorarlberg brütet die Dohle vorwiegend im Rheintal und im Walgau. In den 1980er Jahren gab es drei große Kolonien mit je 15-20 Brutpaaren in Götzis an der Ruine Neumontfort, in Koblach am Kummenberg und in Tosters an der Burgruine sowie Kleinkolonien von 2-3 Brutpaaren in Lustenau und bei der Schattenburg in Feldkirch. In den 1990er Jahren erfolgte allerdings eine starke Abnahme und zwei der großen Brutkolonien erloschen vollständig. Gründe dafür waren vor allem der Verlust traditioneller Brutplätze durch Gebäuderenovierungen (z.B. Ruine Neumontfort).

Die etwa taubengroße Dohle ist der kleinste Vertreter der Rabenvögel und erscheint aus der Ferne in einem schwarzen Federkleid. Erst beim näheren Hinsehen reflektiert ihr Federkleid in schillernden Farben. Hinterkopf und Nacken sind silbergrau gefärbt. Ihre hellblauen bis weißen Augen stechen besonders hervor. Bereits im ersten Lebensjahr bindet sich das Dohlen-Paar und bleibt sich ein Leben lang treu. Ab dem zweiten Lebensjahr sucht das Paar nach einem geeigneten Nistplatz. Als Höhlenbrüter nisten sie besonders gern in Gebäudenischen und Mauerlöchern, Kirchtürmen, Dachstühlen und Schornsteinen. Dohlen nutzen aber auch passende Baumhöhlen oder brüten in Felswänden. In der Nähe der Brutgebiete sollten sich Viehweiden, insektenreiche Mähwiesen oder abgeerntete Felder befinden, auf denen sie am Boden nach Nahrung suchen. Als Allesfresser lassen sie sich Würmer, Käfer, Spinnen, Schnecken, Fallobst, Samen und Getreidekörner, aber auch Mäuse, gestrandete Fische und menschliche Abfälle schmecken.

Charakteristisch für die Dohle sind ihre hellblauen Augen und der silbergraue Nacken © Andreas Kirchner

Grenzüberschreitendes Artenförder-Projekt

Dank eines erfolgreichen Artenschutzprojektes auf der Schweizer Rheintalseite, das bereits 2012 ins Leben gerufen wurde, erholte sich der Bestand der Dohle im Raum Oberriet stark und erschloss innerhalb kurzer Zeit auch neue Brutgebiete in Vorarlberg wie am Hängenden Stein oder in Klösterle. Auch die Wahl von ungewöhnlichen Nistplätzen wie den Gewichten an Baukränen in Hohenems und Lustenau weist darauf hin, dass nicht die Nahrungsfindung für die Art der limitierende Faktor ist, sondern viel mehr das Fehlen von geeigneten Brutplätzen. Aus diesem Grund wurde von BirdLife Vorarlberg zusammen mit dem Regionsmanagement Europaschutzgebiete im Rheintal und mit finanzieller Unterstützung durch die Abteilung Umwelt- und Klimaschutz des Landes ein Artenschutzprojekt für die Dohle in Vorarlberg konzipiert, das die Anbringung von Nisthilfen an verschiedenen Felswänden vorsieht.

Die Dohle kehrt als Brutvogel zurück nach Koblach

Die Gemeinde Koblach und die Ortsstelle Hohenems der Bergrettung Vorarlberg haben die Umsetzung des Dohlen-Projekts dankenswerterweise von Beginn an unterstützt und mitgetragen. Bei einer gemeinsamen Begehung mit dem Gemeindemitarbeiter Philipp Zauner (Forst, Landwirtschaft und Umwelt) und Fabian Rüdisser (Ortsstellenleiter Bergrettung Hohenems) sowie dem Schweizer Projektverantwortlichen Roger Dietsche, der Ornithologin Johanna Kronberger (BirdLife) und Petra Häfele (Regionsmanagerin Europaschutzgebiete Rheintal) wurden Felsbereiche am Schlosshügel und im Kalkofen als geeignete Brutstandorte für die Etablierung der Dohle als Brutvogel ausgewählt.

Beratung beim gemeinsamen Lokalaugenschein zur Festlegung der geeigneten Felsbereiche für die Dohlen-Nisthöhlen © RM Europaschutzgebiete

Sorgsame Umsetzung mit der Bergrettung

Bereits Mitte März 2024 rückte die Ortsgruppe Hohenems mit mehr als 10 Mann bzw. Frau an und befestigte die ersten sieben Dohlen-Nisthöhlen am Schlosshügel. Die Nisthöhlen sind aus langlebigem Holzbeton gefertigt und werden mit zwei Haken in der Felswand befestigt. Bei über 13 kg pro Nisthöhle war dies eine besonders anstrengende Arbeit, welche die bestens ausgebildeten Bergretterinnen und Bergretter zügig und sicher durchführten.

Bereits zwei Tage nach der Befestigung am Schlosshügel in Koblach wurde der Aufwand aller Beteiligten durch die Besiedlung der ersten beiden Nistkästen belohnt! Die Dohlen-Paare sammelten in weiterer Folge eifrig Nistmaterial und haben die ersten erfolgreichen Brutversuche in Koblach seit vielen Jahren absolviert.

Die Bergrettung Hohenems plant die Befestigung der Nisthilfen an der Felswand © RM Europaschutzgebiete

Freiwillige der Bergrettung Hohenems seilen sich zu den geeigneten Felsbereichen ab © RM Europaschutzgebiete

Insgesamt konnten im Frühjahr 2024 sieben Dohlen-Nisthöhlen am Schlosshügel in Koblach befestigt werden © RM Europaschutzgebiete

Und sobald es die Wetterbedingungen zulassen, werden weitere 10-15 Nisthöhlen im Kalkofen in Koblach befestigt. Hierfür wurde ein Felsbereich ausgewählt, in dem weder Kletterrouten verlaufen noch der Uhu an seinem Brutplatz gestört wird. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Grundbesitzerin Agrargemeinschaft Mäder für ihre Zustimmung zu diesem Artenschutzprojekt!

Informationstafeln und Nisthilfen am Hängenden Stein in Nüziders

Der Hängende Stein ist mit ca. 300 Routen ein sehr beliebtes Klettergebiet. Um die Kletter-Begeisterten auf die Brutstandorte der Dohle hinzuweisen, werden in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Nüziders und Ludesch und in Abklärung mit dem Alpenverein drei Informationstafeln aufgestellt. Auf diesen sind die Wandbereiche markiert, wo die Dohlen brüten. Die dort verlaufenden Routen sollten zwischen 15. März. und 15. Juni nicht beklettert werden. Eine Störung während der Brutzeit kann zur Folge haben, dass die Vögel von den Brutplätzen vertrieben werden und ihre Gelege oder die Jungvögel zurücklassen. Aktuell gibt es etwa 15-20 Brutpaare der Dohle am Hängenden Stein.

Die Umsetzungsmaßnahmen am Hängenden Stein sind eine gemeinschaftliche Anstrengung von Respektiere deine Grenzen des Landes Vorarlberg, BirdLife Vorarlberg, den Gemeinden Nüziders und Ludesch und dem Alpenverein Vorarlberg. Das Anbringen der sieben Nisthöhlen wurde in Zusammenarbeit mit der Straßenmeisterei, der Firma HTB sowie der Firma Berger und Brunner, die im Frühjahr die Felsräumungsarbeiten am Hängenden Stein vornimmt, umgesetzt.

Im Zuge der Felsberäumung konnten die Nisthöhlen am Hängenden Stein befestigt werden © Johanna Kronberger

Wegen des ausgeprägten Spieltriebs der Dohlen werden die schwarzen Schraubbefestigungen an der Vorderseite besonders fest angezogen © Johanna Kronberger

Geschützt unter einem Felsvorsprung werden die Dohlennisthöhen von den Profis der Felsberäumungsfirma befestigt © Johanna Kronberger

Sieben Nisthöhlen am Hängenden Stein stehen den felsenbrütenden Dohlen nun als Brutstandort zur Verfügung © Johanna Kronberger

Weitere sensible Gebiete und felsbrütende Vogelarten in Vorarlberg

Auch an anderen beliebten Klettergebieten in Vorarlberg wie dem Känzele oberhalb von Kennelbach ist während der Frühjahrs- und Sommermonate Rücksichtnahme angebracht. Unter Felsvorsprüngen oder in Spalten brüten seltene Vogelarten wie der Uhu, die Felsenschwalbe und der Wanderfalke. Sportlerinnen und Sportler können im Sinne des Naturschutzes agieren, indem sie generell Störungen vermeiden, Abstand zu Nestern halten, sich über die Schonzeiten informieren und keine neuen Routen in sensiblen Bereichen erschließen.

Felsen- und höhlenbrütende Vogelarten

Sport- und Freizeitaktivitäten in Felswänden bewegen sich im Lebensraum verschiedener, teils sensibler Vogelarten. Durch gemeinsames Engagement und naturbewusstem Verhalten ist ein Nebeneinander von Mensch und Vögeln auch am Fels möglich.

 

Weitere Informationen die Natur in Vorarlberg bewusst und naturverträglich zu erleben, bietet die Homepage von Respektiere deine Grenzen.

Text: Petra Häfele
Veröffentlichung: März 2024

Auerhahnbalz © Burgstaller

Auerhuhn-Lebensraum in Klösterle: Lichter Kronenschlussgrad, ausreichend Alt- und Totholz sowie Beerensträucher sind wichtige Lebensraumelemente © RM Europaschutzgebiete

Auerhahn bei der Balz © RM Europaschutzgebiete

Habitateignung für das Auerhuhn in Vorarlberg

Vorarlberg | Das Auerhuhn ist der größte heimische Hühnervogel. Über die Verbreitung und den Bestand dieser imposanten Vogelart in Vorarlberg ist jedoch nur wenig bekannt. In einem dreijährigen Projekt wurden neue Grundlagen für das Lebensraummanagement und Monitoring des Auerhuhns erarbeitet.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war das Auerhuhn noch weit verbreitet in Vorarlberg. Von Partenen bis zum Pfändergebiet wurden 1966 immerhin noch 255 Auerhähne in Vorarlberg gezählt und bis zur vollständigen jagdlichen Schonung 1977 jährlich zw. 30 und 50 Hähne erlegt. Spätestens ab den 1960er Jahren ging es jedoch rasant abwärts mit den Auerhuhnbeständen, nicht zuletzt durch die Nutzungsänderungen in der Land- und Forstwirtschaft.

In einem gemeinsamen Projekt des Landes Vorarlberg, BirdLife Vorarlberg, der Vorarlberger Jägerschaft sowie dem Natura 2000-Regionsmanagement wurden in Zusammenarbeit mit Auerhuhnexpert*innen aus Österreich bekannte Auerhuhngebiete im Detail untersucht.

Neben der Modellierung des allg. Lebensraumpotentials und der aktuellen Habitateignung auf Basis vorhandener Funddaten und Lebensraumparameter (Waldtyp, Kronenschlussgrad, Geländeform u.a.) wurden Losungs- und Federnproben gesammelt und diese genetisch ausgewertet. Dabei konnten 38 Auerhähne und 17 Hennen in den jeweiligen Gebieten nachgewiesen werden, was einem Mindestbestand von rund 100 Individuen entspricht. Die Analyse der genetischen Diversität der Proben zeigt, dass die einzelnen Auerhuhn-Vorkommen zwar noch miteinander im Austausch stehen, aber bereits „Verinselungstendenzen“ eingesetzt haben. Der Vernetzung der einzelnen Teilbestände in Vorarlberg und über die Landesgrenzen hinaus sollte deshalb zukünftig die höchste Priorität eingeräumt werden.

In zahlreichen Fachexkursionen und Begehungen für Förster, Waldaufseher und Jäger wurden die Lebensraumansprüche des Auerhuhns gemeinsam diskutiert. Hierbei hat sich gezeigt, dass viele Wälder in Vorarlberg schlichtweg zu „dicht“ sind für das Auerhuhn und wichtige Lebensraumelemente fehlen. Ziel ist eine verstärkte Berücksichtigung der Lebensraumansprüche des Auerhuhns im Rahmen der üblichen Waldbewirtschaftung.

Mit einem einheitlichem Lebensraum- und Bestandes-Monitoring soll zukünftig die Entwicklung der Auerhuhnbestände genau beobachtet werden.

Storchenberingung © RM Europaschutzgebiete

Storchenberingung © RM Europaschutzgebiete

Besenderung Weißstorch © RM Europaschutzgebiete

Zugroute der besenderten Störche

Bodensee I Das jährliche Storch-Monitoring am Bodensee und im Rheintal liefert spannende Einblicke in das Zugverhalten der Störche.

Nach dem Aussterben des Weißstorchs in Vorarlberg im 19. Jahrhundert wurden mit diversen Wiederansiedlungsprojekten ab den 1980er Jahren wieder erfolgreiche Bruten in Vorarlberg dokumentiert. Seither hat sich der Bestand ständig erhöht. Dies ist nicht nur den zur Verfügung gestellten Brutmöglichkeiten geschuldet, sondern hat auch damit zu tun, dass durch die Änderung der Bewirtschaftungsweise im Rheintal regelmäßig kurz geschnittene Wiesen für die Nahrungssuche vorhanden sind. Und auch der Klimawandel spielt eine Rolle, führen doch die geringeren Niederschläge im Frühjahr zu immer mehr erfolgreichen Bruten.

Der Storch, als klassischer Zugvogel, eignet sich hervorragend für Forschungsfragen über das Zugverhalten unserer heimischen Vögel. Seit über 10 Jahren werden junge Weißstörche in Vorarlberg in ihren Horsten im Frühsommer beringt. Da sich aus den Ringmeldungen immer wieder interessante Daten ergeben, werden seit 2016 einige Jungstörche zusätzlich mit einem Sender versehen. Die Beringungen erfolgen in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Vogelwarte in Wien, die Besenderung mit dem Max-Plank-Institut und deren Außenstelle der Vogelwarte in Radolfszell. Im vergangenen Jahr konnten so 77 Jungstörche beringt und 8 Weißstörche mit Sendern ausgestattet werden.

Im Jahr 2022 brüteten 88 Storchenpaare in Vorarlberg. Insgesamt wurden 186 Jungtiere flügge, was einem Bruterfolg von 2,11 Jungtieren pro Paar entspricht. Der gute Bruterfolg war eindeutig auf die trockenen Monate April bis Juni zurückzuführen. Im Winter 2021 / 2022 wurden bei koordinierten Winterbestandszählungen gemeinsam mit der Schweiz und Liechtenstein 145 Tiere in der Fußacher Bucht gezählt.

Dass immer mehr Weißstörche den Winter in Vorarlberg verbringen, ist auf mildere Winter und die bessere Verfügbarkeit von Futter zurückzuführen.

Die Rückmeldungen von Ringbeobachtungen und die Satellitendaten über die Flugrouten durch die Sender lieferten spannende Ergebnisse zum Zugverhalten der Störche. So gehören „unsere“ Störche zu den klassischen Westziehern. Das bedeutet, dass sie auf ihrer Zugroute in den Süden entlang der Alpen nach Westen fliegen und dann über Spanien und Gibraltar nach Afrika gelangen. Die weitesten Zugstrecken führen sie dabei bis nach Mali und in den Senegal. Einzelne Störche zeigen jedoch ein vollkommen anderes und zuweilen weniger erfolgreiches Zugverhalten. So verirrte sich der Storch „Alwin“ auf Sizilien, von wo er mehrere erfolglose Überflugversuche über das Mittelmeer nach Tunesien unternahm.

Eine weitere interessante Erkenntnis aus den Senderdaten ist die Tatsache, dass ältere Störche vermehrt den Winter bevorzugt in Vorarlberg verbringen, Jungstörche jedoch ausnahmslos nach Süden ziehen. Ob sich dieser Trend verstärkt oder bei zunehmenden Temperaturen das Zugverhalten ganz eingestellt wird, werden die Ergebnisse der nächsten Jahre zeigen.

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