Wiegensee

Das Europaschutzgebiet Wiegensee ist ein einzigartiger Moorkomplex in einer wilden Berglandschaft hoch über Partenen. Hier findet man den ältesten Stausee des Montafons, der natürlich entstanden ist und so genannte Deckenmoore – eine absolute Seltenheit in Mitteleuropa.

©RM_Europaschutzgebiete

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Das Europaschutzgebiet Wiegensee im Gemeindegebiet Gaschurn beherbergt Lebensräume der Spitzenklasse.
Bedingt durch die große Seehöhe, recht hohe Niederschläge und ein wasserstauender Untergrund hat sich auf der “Wiege” am Fuße der Versalspitze eine äußerst mannigfaltige Moorlandschaft entwickelt. Inmitten torfmoosreicher Latschenmoorwälder findet sich hier eines der wenigen Deckenmoore Österreichs. Diese Art Moor entsteht nur unter besonders nassen Bedinungen und ist in Mitteleuropa äußerst selten. Herzstück des Gebietes ist aber zweifelsohne der Wiegensee. Idyllisch eingebettet in eine von Ost nach West verlaufenden Mulde oder “Wiege” zählt der Wiegensee zu den ältesten Stauseen im Montafon. Aufgestaut wurde der See aber nicht durch den Menschen, sondern durch so genannte Schwingrasen, die sich randlich des Sees befinden. Es handelt sich dabei um eine Pflanzendecke, die vom Ufer her auf dem Wasser wächst und auf den ersten Blick nicht vom festen Ufer zu unterscheiden ist. Bei Belastung gibt der scheinbare Boden nach und beginnt zu schwingen. Eine Beschädigung dieser äußerst fragilen Pflanzendecke wäre jedoch fatal für den Fortbestand dieses einzigartigen Naturjuwels.

Auf Zeitreise in die Zukunft
Das Europaschutzgebiet Wiegensee ist wahrlich eine lebende Zeitmaschine. Hier ist die natürliche Verlandung von flachen, alpinen Seen ausgezeichnet zu beobachten. Vom Wiegensee Richtung Alpe Verbella lässt sich eine Zeitreise in die Zukunft des Wiegensees in drei Etappen machen. Die erste Station ist der Wiegensee selbst. Er besitzt noch einen recht großen Wasserkörper. Von der Seite wachsen bereits Schwingrasen auf das Wasser. 100 m weiter östlich ist ein weiterer Weiher, dessen Wasserkörper bereits fast vollständig mit Pflanzenmaterial gefüllt ist. Diese Entwicklung ist beim östlichsten Weiher bereits abgeschlossen. Er ist vollständig verlandet und hat sich zu verschiedenen Moortypen entwickelt.

Fakten

Fläche: 64,74 ha
Höhe: ca. 1.900 m. ü. A.
Lage: auf einer Terrasse zwischen der Versalspitze und dem Ganifer in Gaschurn
Natura 2000-Managementregion: Montafon-Klostertal

Schutzgüter und weitere bemerkenswerte Arten

Die Schutzgüter des Gebietes sind besonders typische und seltene bzw. gefährdete Lebensräume und Arten, für deren Erhalt das Europaschutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurde. Einige dieser Schutzgüter wollen wir Ihnen vorstellen:

Große Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)

Die Moosbeere ist nur in Hochmooren zuhause. Obwohl mit der Heidelbeere verwandt, sind ihre roten Beeren roh kaum genießbar. Das ändert sich nach dem ersten Frost, der die Früchte weich macht. Dies wissen auch viele Vögel, die Moosbeeren gerne verzehren, die Samen jedoch wieder ausscheiden und so die Art verbreiten.

Lebende Hochmoore

Dank der Torfmoose, die oben immer weiter wachsen, während sie unten fortlaufend absterben, erhebt sich das Hochmoor allmählich über die Umgebung. Die Bezeichnung Hochmoor hat also nichts mit der Meereshöhe zu tun. Auf diese Weise entsteht im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden Torf. Ein Torfmoor wächst etwa einen Millimeter pro Jahr, das sind rund zwei Meter seit Christi Geburt! Zerstört werden kann es dagegen in wenigen Stunden. Intakte Hochmoore speichern große Mengen an Kohlenstoff, sie sind daher auch für den Klimaschutz wichtig.

Hinweise für Gebietsbesuchende

Auf gekennzeichneten Wegen bleiben

Die Schwingrasen und Moore sind sehr empfindlich gegenüber Trittschäden. Deshalb müssen Sie im Bereich des Schutzgebietes auf den markierten Wegen bleiben.

Leinenzwang für Hunde

Hunde müssen ausnahmslos an die 3-m–Leine. Frei laufende Hunde – und seien sie noch so harmlos – beunruhigen Vögel und andere Wildtiere.

Baden nicht erlaubt

Wird die Pflanzendecke beim Baden – auch unabsichtlich – verletzt, besteht die Gefahr, dass der See ausläuft und somit zerstört wird. Deshalb sind das Betreten des Uferbereichs und das Baden im Wiegensee verboten.

Mountainbiken nicht erlaubt

Mountainbiken ist im Bereich des Wiegensees nicht erlaubt.

Feuer machen nicht erlaubt

Der Wiegensee und seine seltene Pflanzenwelt werden durch Lagerfeuer unnötig zerstört. Deshalb ist das Feuermachen im Bereich des Schutzgebiets verboten.

Abfälle und Lärm vermeiden

Lassen Sie keine Abfälle im Gebiet zurück und vermeiden Sie Lärm, der Tiere beunruhigt.

Kontakt

Regionsmanagement Europaschutzgebiete Montafon-Klostertal
Mag. Christian Kuehs
Montafonerstrasse 21 · 6780 Schruns
Tel. +43 (0) 664 1982543· verwall@natura2000.or.at