Der Gebirgslebensraum Verwall ist Inhalt der naturkundlichen Ausstellung in Partenen© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Was ist Natura 2000? Welche Tier- und Pflanzenarten leben in Wald, Moor und Gebirge? Und was sind die Besonderheiten des Verwall? Im „Naturraum.Verwall“ erhalten Besuchende ab Ende Juni 2025 spannende Einblicke in die vielfältige Lebewelt der gleichnamigen Gebirgsgruppe und die Europaschutzgebiete im Montafon. Ein Projekt des Naturschutzvereins Verwall-Klostertaler Bergwälder mit der Gemeinde Gaschurn.
Ab 27.06. täglich von 07:00-22:00
Eintritt frei!
Adresse:
Dorfplatz Partenen
6794 Partenen im Montafon
Einblick in den Naturraum.Verwall © Naturschutzverein Verwall-KBW
Modellprojektion Naturraum.Verwall © Naturschutzverein Verwall-KBW
Eröffnungs-Programm 2025
Es erwartet dich ein spannendes Eröffnungsprogramm mit Führungen durch die Ausstellung, Kinder- und Ferienprogramm sowie Exkursionen in die Europaschutzgebiete Wiegensee & Verwall. Wer sich aktiv für die heimische Naturvielfalt einsetzen möchte, kann außerdem bei den freiwilligen Arbeitseinsätzen (Vielfaltertage) mitwirken!
Alle Aktivitäten sind kostenlos (Ausnahme: BergePlus Exkursionen)
Für Exkursionen, Führungen und Kinderaktivitäten bitten wir um Anmeldungen bis zum Vortag unter verwall.office@natura2000.or.at oder 0664 1995495 (Stefanie Peiker)
Die BergePlus-Exkursionen von Montafon Tourismus können hier gebucht werden.
Kinderprogramm
Komm mit Sperlingskauz KAUZI und Schneehuhn FRIEDA auf Erkundungstour durch den Naturraum.Verwall und löse die 10 Aufgaben in einer spannenden Rätselrallye!
ca. 3 stündiges Kinderprogramm mit Rätselrallye und anderen spannenden Aktivitäten.
Mit den Naturfüherinnen Stefanie Peiker, Monika Dönz-Breuß und Sarah Bachmann
Anmeldung: bis zum Vortag um 18:00 unter verwall.office@natura2000.or.at oder 0664 1995495
Rätselrallye durch den Naturraum.Verwall © Naturschutzverein Verwall-KBW
Exkursionen zum Wiegensee
28.06 und 05.07.
Treffpunkt: Talstation Tafamuntbahn in Partenen
Route: Mittelstation Tafamuntbahn – Wiegensee – Mittelstation Tafamuntbahn
Höhenmeter: 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
Dauer: ca. 5 Stunden
Mitzubringen: festes Schuhwerk und Wetterschutz, Getränke und Jause nach eigenem Bedarf und falls vorhanden Fernglas und Lupe.
Kosten: Ticket für die Bergbahnen Tafamunt
Exkursionsleitung: Naturführerinnen Stefanie Peiker und Monika Dönz-Breuß
Anmeldung: bis zum Vortag um 18:00
ab 03.07. jeden Donnerstag
(BergePlus von Montafon Tourismus)
Treffpunkt: Talstation Tafamuntbahn in Partenen
Route: Bergstation Tafamuntbahn – Wiegensee – Verbellaalpe – Zeinisjoch – mit dem Bus über die Silvretta Hochalpenstraße retour nach Partenen
Höhenmeter: 550 Höhenmeter im Aufstieg, 250 im Abstieg
Dauer: ca. 7 Stunden
Mitzubringen: festes Schuhwerk und Wetterschutz, Getränke und Jause nach eigenem Bedarf (Einkehr bei der Alpe Verbella möglich) und falls vorhanden Fernglas und Lupe.
Exkursionsleitung: Naturführerinnen Stefanie Peiker und Monika Dönz-Breuß
Kosten: regulär 30 EUR zzgl. Bergbahnticket
Anmeldung: BergePlus
Kontakt
Mag. Christian Kuehs
Geschäftsführer Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Montafonerstr. 21, 6780 Schruns
+ 43 664 / 1982 543
verwall@natura2000.or.at

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union
Der Naturschutzverein Verwall – Klostertaler Bergwälder mit Sitz in Schruns ist für das Management der Europaschutzgebiete im Montafon und Klostertal verantwortlich. Neben dem Schutz der Lebensraumvielfalt innerhalb des Natura 2000-Netzwerkes zählen Information, Kommunikation und Bildung zu den Hauptaufgaben des Vereins.
© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Schutzgebietsbetreuung im Montafon und Klostertal
Seit September 2013 werden die Europaschutzgebiete im Montafon und im Klostertal talschaftsübergreifend betreut. Zu diesem Zweck haben die beteiligten Gemeinden gemeinsam mit der Umweltabteilung des Landes, dem Stand Montafon und der Regio Klostertal-Arlberg den „Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder“ gegründet. Seit Mai 2017 ist der Naturschutzverein Teil des Natura 2000-Regionsmanagements in Vorarlberg. Der Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder versteht sich als Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen in der Region und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen über und das Bewusstsein für die Natura 2000-Gebiete in der Bevölkerung zu steigern. Eine gezielte Besucherlenkung und -information stehen dabei ebenso im Vordergrund wie Maßnahmen zum Erhalt der Schutzgüter in den Natura 2000-Gebieten.
Die Aktivitäten des Naturschutzvereins Verwall-Klostertaler Bergwälder werden unterstützt mit Mitteln des Landes Vorarlberg und der Europäischen Union.
Ziele des Naturschutzvereins
© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Wissen und Akzeptanz steigern
- Fortführung und Optimierung eines professionellen, talschaftübergreifenden Schutzgebietsmanagements
- Verankerung des Vereins und seiner Tätigkeiten in der Region sowie Etablierung als zuverlässige Kontaktstelle für Gemeinden und andere relevante Interessensgruppen.
- Sensibilisierung der Bevölkerung in Hinblick auf die Ziele des europäischen Natura 2000-Netzwerks und die Europaschutzgebiete im Montafon und Klostertal
- Schaffung von Multiplikatoren in und außerhalb der Region für die Ziele des Naturschutzes.
- Vernetzung mit anderen Akteuren des Naturschutzes im In- und Ausland
© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Lebensräume und Arten schützen
- Erhalt, Pflege und Wiederherstellung der Lebensräume und Habitate der Arten der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie sowie anderer, schützenswerter Lebensräume und Arten
- Lenkung der unterschiedlichen Nutzungen in den Europaschutzgebieten als wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Naturschutz, Naturerlebnis und nachhaltiger wirtschaftlicher Nutzung
- Gewinn neuer Erkenntnisse über den Erhaltungszustand der Schutzgüter, deren Bestandsentwicklung, Biologie, Gefährdung und Lebensraumansprüche
Die Europaschutzgebiete in der Region Montafon-Klostertal
Vogelschutzgebiete
Verwall
Klostertaler Bergwälder
FFH-Gebiete
Wiegensee
Schuttfluren
Tafamunt
Davenna
Gortniel
Roßbündta
Spona
Rifa

Mitglieder des Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Montafon
- Gemeinde Gaschurn
- Gemeinde St. Gallenkirch
- Gemeinde Silbertal
- Gemeinde Bartholomäberg
- Gemeinde St. Anton im Montafon
- Stand Montafon
- Montafon Tourismus
- Bewirtschafter und Grundbesitzer
Klostertal
- Gemeinde Klösterle
- Gemeinde Bludenz
- Gemeinde Innerbraz
- Gemeinde Dalaas
- REGIO Klostertal-Arlberg
- Alpenregion Bludenz Tourismus
- Bewirtschafter und Grundbesitzer
Naturschutz
- Land Vorarlberg (Abteilung Umwelt- und Klimaschutz)
- Naturschutzanwaltschaft
- BirdLife Vorarlberg
AKTUELL: Eröffnung des Naturraum.Verwall
© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Auf Initiative der Gemeinde Gaschurn und in Kooperation mit dem Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder wurde das ehemalige Tourismusbüro in Partenen im Montafon in eine spannende naturkundliche Ausstellung verwandelt. Der Naturraum.Verwall gewährt spannende Einblicke in die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt der gleichnamigen Gebirgsgruppe und die Europaschutzgebiete im Montafon.
Der Naturraum.Verwall kann täglich von 07:00-22:00 kostenlos besucht werden. Weitere Infos findest du hier
AKTUELL: Schutzgebiete für Kinder erlebbar machen
© Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Mit Frieda und Kauzi die Schutzgebiete im Montafon und Klostertal entdecken – unter diesem Motto wurden in Zusammenarbeit mit Caro Pfister (Studio Pfister) und Richard Steiner (Werkstatt West) drei neue Schutzgebiets-Broschüren für Kinder und Junggebliebene entworfen. Darunter ein Ausstellungsführer für den Naturraum.Verwall, eine Rätselrallye auf der Heilbronner Hütte sowie eine spannende Faltbroschüre zu den Europaschutzgebieten im Montafon und Klostertal inkl. Wander-Bingo und Rätselspaß.
Weitere Infos zu Frieda und Kauzi findest du hier
Kontakt
Mag. Christian Kuehs
Geschäftsführer Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Regionsmanagement Europaschutzgebiete Montafon-Klostertal
Montafonerstr. 21, 6780 Schruns
+ 43 664 / 1982 543
verwall@natura2000.or.at
Stefanie Peiker
Projektmitarbeit mit Schwerpunkt Besucherlenkung, Öffentlichkeitsarbeit und Freiwilligenprojekte
+ 43 664 / 1995 495
verwall.office@natura2000.or.at

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union
Die eindrucksvolle Gebirgslandschaft des Europaschutzgebiets „Verwall“ ist nicht nur ein bedeutender Rückzugsort für unsere heimische Vogelwelt, auch zahlreiche Weidetiere verbringen alljährlich den Sommer auf den rund 20 Alpen im Schutzgebiet. Mit unterschiedlichen Beweidungsprojekten wird versucht, wertvolle Weideflächen zu erhalten und gleichzeitig sensible Gebirgslebensräume zu schützen.
Mit mehr als 4.500 ha Alpweidefläche wird über ein Drittel des Europaschutzgebiets „Verwall“ alljährlich von hunderten Rindern, Schafen, Pferden, Eseln und Schweinen zwischen Juni und September beweidet. Die Weideflächen erstrecken sich von der Talsohle der Litz bis zu den grasbewachsenen Gipfeln auf über 2.000 m Seehöhe. Sie beinhalten eine Fülle an unterschiedlichen Lebensräumen, darunter weitläufige Krummseggen- und Borstgrasrasen, lückige Zwergstrauchheiden sowie Feuchtwiesen und Moore.
Intensive, extensive oder gar keine Beweidung?
Die genannten Gebirgslebensräume unterscheiden sich nicht nur in ihrer Futterqualität, sie reagieren auch ungleich auf die Art, Dauer und Intensität der Beweidung. So behalten hochalpine Krummseggenrasen auch ohne Beweidung ihr typisches Erscheinungsbild bei, sind vielfach artenreicher und zeigen einen ausgeprägteren Blühaspekt. Weideflächen an und unterhalb der Waldgrenze neigen ohne Beweidung hingegen zu einer fortschreitenden Verbuschung, was mittelfristig ebenfalls zu einer Verarmung an Pflanzen- und Tierarten sowie Strukturen führen kann. Vielfach geht es also darum, die richtige Beweidungsintensität zu finden, die Alpweideflächen einerseits erhält und gleichzeitig Platz und geeigneten Lebensraum für die heimische Flora und Fauna schafft.
Schafe im angrenzenden Europaschutzgebiet „Tafamunt“ helfen mit, die Grünhalden von Gehölzbewuchs freizuhalten © RM ESG
Ein Mosaik aus Zwergsträuchern, Baumgruppen und offener Weidelfäche ist ein idealer Lebensraum für das Birkhuhn. Bei fehlender Beweidung werden Weideflächen zunehmend von Zwergsträuchern überwuchert © RM ESG
Beweidung im Moor – geht das?
Moore sind besonders sensible und schützenswerte Lebensräume, die vielerorts vor allem durch Entwässerungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Als Weideflächen sind sie aus verschiedenen Gründen meist weniger geeignet: die Futterqualität ist gering, es gibt kaum trockene Liegeflächen für das Weidevieh und es besteht die Gefahr von Trittschäden, die zur Öffnung der Grasnarbe bis hin zur Erosion des Torfkörpers führen können. Andererseits kann eine extensive Beweidung auch dazu beitragen, die Verbuschung von bewirtschaftungsabhängigen Feuchtwiesen und Niedermooren zu verlangsamen.
Doch nicht jede Alpe kann sich ihre Weideflächen „aussuchen“, wie sich am Beispiel einer Alpe am Übergang vom hinteren Silbertal in das Schönverwall in Tirol zeigt. Hier wird seit dem Jahr 1439 (dokumentiert durch den ältesten Alpbrief in der Region) Alpwirtschaft betrieben. Das Alpgebiet besteht zu einem Großteil aus Moorflächen, die eng verzahnt mit Latschengebüschen, Borstgrasrasen und Rieselfluren das Quellgebiet der Litz bilden. Während trockene Weiderasen durch die Beweidung mit Rindern offengehalten werden, verdeutlichen Erosionsflächen entlang von Gewässergräben und offene Torfstellen, wie lange es dauert, bis diese wieder mit Sauergräsern und Moosen bewachsen werden und sich nachhaltig regenerieren können. Konträr dazu schaffen vereinzelte Viehtrittstellen Mikrohabitate, die von ausgewählten Arten gerne besiedelt werden. Wie so oft geht es also um das richtige (Augen-)Maß bei der Beweidung.
Im Jahr 2023 wurden bereits Steinschlichtungen entlang des Wanderwegs errichtet, um weitere Trittschäden am Moorkörper zu verhindern © RM ESG
Rinder schaffen auch Lebensraum - so wächst auf den Kuhfladen im Moor das so genannte Kugelige Dungmoos Splachnum spahericum © RM ESG
Hochlandrinder sind robust und wenig anspruchsvoll, weshalb sie auch gerne in Moorflächen einstehen © RM ESG
Schwingrasen zählen zu den besonders schützenswerten Lebensräumen am Silbertaler Winterjöchle © RM ESG
Beweidungsversuch auf 2.000 m Seehöhe
Wie sich ein zumindest temporärer Ausschluss der Beweidung auf den Moorkörper und die Vegetation am Silbertaler Winterjöchle auswirken könnte, wird seit Sommer 2024 auf ausgewählten Teilflächen erprobt. Diese werden vor der Bestoßung mit Weidevieh vom Alppersonal ausgezäunt und die Zäune erst kurz vor Ende der Alpsaison wieder geöffnet. Ein Vergleich von unbeweideten, zeitweise beweideten und regulär beweideten Flächen soll letztendlich Aufschluss darüber geben, wie eine moorverträgliche Beweidung zukünftig aussehen könnte.
Bis sich ein sichtbarer Unterschied bemerkbar macht, wird aber wohl noch etwas Wasser die Litz hinunterfließen. Denn eines ist klar – Moore wachsen langsam.
Ein großes Dankeschön gilt den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern der Alpe für die Motivation und Bereitschaft an der Teilnahme dieses Beweidungsversuchs. Finanziert werden die Maßnahmen über den Naturschutzfonds Vorarlberg sowie das ÖPUL-Programm „Naturschutz auf der Alpe“.
Ausgezäunte Moorfläche am Silbertaler Winterjöchle © RM ESG
Gewässer im Moorkörper dienen mitunter als Wasserstellen für das Weidevieh. Hier können Trittschäden schnell zu größeren Erosionsflächen auswachsen © RM ESG
Europaschutzgebiet Verwall
Fläche: 12.057 ha
Höhe: von 1.160 – 2.912 m. ü. A.
Lage: Vorarlberger Anteil der Verwallgruppe im Montafon und Klostertal
Weitere Infos: Europaschutzgebiet Verwall
Text: Christian Kuehs
Veröffentlichung: 5. März 2025

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union.
Jedes Moor ist einzigartig! So ist auch jedes Moor-Restaurierungsprojekt eine besondere Herausforderung, weshalb ein begleitendes hydrologisches Monitoring wichtig für die Erfolgskontrolle von Wiedervernässungen ist.
Fohramoos im Jahr 2021 © UMG Umweltbüro Grabher
Entwässerung von Mooren
Eines haben alle Moore gemeinsam: Sie speichern große Mengen an Wasser und sind daher in der Regel sehr nass. Um Moore in früheren Zeiten für den Menschen nutzbar zu machen, wurden sie durch das Ziehen von Entwässerungsgräben trockengelegt. Solche Trockenlegungen haben jedoch zur Folge, dass der Moorlebensraum stark beeinträchtigt oder gar unwiederbringlich zerstört wird. Zudem geht mit der Entwässerung eine plötzliche Sauerstoffzufuhr einher, die mikrobielle Abbauprozesse im Moorboden einleitet. Durch diese Abbauprozesse werden riesige Mengen an CO2 freigesetzt, welche damit vom Boden in die Atmosphäre gelangen und als Treibhausgase zur Beschleunigung der globalen Erwärmung beitragen.
Moor-Restaurierungen
Durch den Einbau von Spundwänden werden die Entwässerungsgräben geschlossen und der ursprüngliche Wasserhaushalt des Moors bestmöglich wiederhergestellt. Durch den dadurch erzielten Wasserstau können die mikrobiellen Abbauprozesse im Moorkörper wieder gestoppt werden, und nur dann kann das Moor seine wertvolle Funktion als Kohlenstoffsenke und Lebensraum für spezialisierte Moor-Arten wieder weitestgehend erfüllen.
Für den Einbau der Spundwände ist maschineller Einsatz notwendig. Um den Moorkörper zu schonen, wurden die Restaurierungsmaßnahmen deshalb im Winter bei gefrorenem Boden durchgeführt © RM ESG
Durch den Einbau von Spundwänden wird in den Entwässerungsgräben der nötige Wasserrückstau für die Wiedervernässung des Moors erzielt © RM ESG
Grabenschließungen und Monitoring im Europaschutzgebiet Fohramoos
Im Jahr 2020 wurde im Europaschutzgebiet „Fohramoos“ am Bödele eines der ersten Moor-Restaurierungsprojekte des Landes umgesetzt. Seither befinden sich im Fohramoos autonome Pegel-Datenlogger, die stündlich den gegenwärtigen Wasserstand im Moor aufzeichnen. Die Daten der Logger werden zweimal jährlich von der Regionsmanagerin ausgelesen und verarbeitet. Vier Jahre nach der Moor-Restaurierung dürfen anhand der bisherigen Daten des hydrologischen Monitorings bereits erste Schlüsse über die Entwicklungen des Wasserstands und damit den potenziellen Erfolg des Projektes gezogen werden!
Im Rahmen des hydrologischen Monitorings zur Erfolgskontrolle werden die Pegeldaten regelmäßig vor Ort ausgelesen und gesichert © RM ESG
Erste Ergebnisse des hydrologischen Monitorings
Anhand der Entwicklungen des Wasserstands im Moor kann beurteilt werden, ob mit den Grabenschließungen die nötige Stauwirkung und damit eine erfolgreiche Wiedervernässung erzielt wurde. Allerdings sind Schwankungen des Wasserstands im Jahresverlauf oder auch zwischen den Jahren aufgrund des bedeutenden Einflusses von Niederschlagsereignissen ganz natürlich. Daher ist es für die Erfolgskontrolle wichtig, den langjährigen Trend zu beobachten und zu bewerten.
Der Entwicklungstrend der Messwerte im Fohramoos zeigt eine deutliche Erhöhung des Wasserstands seit den Grabenschließungen auf (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Flurabstand (= Abstand des Wasserstands von der Geländeoberfläche) vom März 2020 bis September 2024 an einem Messpunkt im Fohramoos. Die blaue Linie repräsentiert den Entwicklungstrend. Die rot-strichlierte Linie markiert den Zeitpunkt der Grabenschließungen Anfang Dezember 2020. Die grauen Punktdaten stellen die Rohdaten dar.
Diese positiven Ergebnisse lassen auf eine gelungene Moor-Restaurierung schließen. So wird auch die Funktionalität des Moors als besonderer Lebensraum sowie als wichtige Kohlenstoffsenke über die Jahre weiterhin zunehmen.
Luftbildaufnahme nach erfolgreichem Einbau der Spundwände in einem Schlitzgrabensystem im südlichen Teil des Moores © UMG Umweltbüro Grabher
Europaschutzgebiet Fohramoos
Fläche: 55 ha
Höhe: 1.135 bis 1.170 m. ü. A.
Lage: Bödele oberhalb des Rheintals in den Gemeinden Dornbirn und Schwarzenberg
Weitere Infos: Europaschutzgebiet Fohramoos
Text: Miriam Simma
Veröffentlichung: 5. März 2025
In einem zweijährigen Projekt wurde der Moor-Wanderweg am Silbertaler Winterjöchle im Europaschutzgebiet „Verwall“ wieder auf Vordermann gebracht. Stein- und Holzbohlenwege erleichtern das Wandern und schützen den Moorkomplex vor Schädigungen.
Neuer Holzbohlenweg am Langsee im Europaschutzgebiet Verwall © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Das Projektgebiet im hinteren Silbertal an der Landesgrenze zu Tirol umfasst einen der größten und bedeutendsten Moorkomplexe im Europaschutzgebiet Verwall. Weitläufige Rasenbinsen-Moore, Schwingrasen und Moorseen charakterisieren das Quellgebiet der Litz auf 2.000 m Seehöhe. Das Silbertaler Winterjöchle bildet nicht nur die Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol, sondern markiert auch die Wasserscheide zwischen den beiden europäischen Flusssystemen von Rhein und Donau. Über Jahrhunderte als Übergang zwischen dem Schönverwall und dem Silbertal genutzt, ist das Gebiet rund um den Langsee auch heute noch ein beliebtes Tourenziel, sowohl für Wanderer als auch Mountainbiker auf „Durchfahrt“ zwischen den beiden Tälern.

Moore wachsen langsam
Erschwert wird der Besuch durch die vielfach nassen Bodenverhältnisse, die sich insbesondere nach der Schneeschmelze oder nach langanhaltenden Regenfällen zeigen. Aus einem vor Nässe triefenden Wanderweg werden durch ausweichende Besucher in weiterer Folge schnell zwei bis drei neue Trampelpfade, die den Druck auf das Moorgebiet durch zusätzliche Trittschäden weiter erhöhen. Trittschäden entstehen in erster Linie aber durch das Weidevieh, das im Moor auf der Suche nach Futter und Wasser einsteht. Aufgrund der kurzen Vegetationszeit und des harschen Klimas können sich Moore in dieser Höhenlage nur sehr langsam von Störungen ihrer Vegetationsdecke erholen. Daraus resultiert eine zunehmende Erosion offener Torfböden, was zu einer teils irreversiblen Schädigung des Moorkörpers führen kann.
Desolater Zustand des Wanderwegs erzeugt viele Nebenpfade durch die Moorfläche © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Alter und beschädigte Holzbrücke © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Sanierung des Wanderweges
In den Sommermonaten 2022 und 2023 wurden vom Wegebautrupp des Alpenverein Vorarlberg und unter Anleitung des Naturschutzvereins Verwall-Klostertaler Bergwälder bestehende Holzbohlenwege wieder instandgesetzt und feuchte Stellen des Wanderwegs mit Trittsteinen ergänzt. In Bereichen ohne verfügbare Steine wurden neue Holzbohlenwege angelegt, Nebenpfade blockiert und der bestehende Wanderweg neu markiert. Insgesamt erfolgten an 39 Wegabschnitten Ausbesserungen des Weges, davon 6 neue Holzbohlenwege aus Lärchenholz mit einer Gesamtlänge von 61 m, 24 Steinwege und 9 Wegblockaden zur Unterbindung von Trampelpfaden. Finanziert wurde das Projekt von der HYPO Vorarlberg Bank anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens sowie aus Mitteln des Naturschutzfonds und des Naturschutzvereins. Ein großes Dankeschön auch an den Wegebautrupp des Alpenverein Vorarlberg für die fachkundige Umsetzung.
Holztransport zur Alpe Fresch © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Einrichten der Baustelle auf knapp 2.000 m Seehöhe © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Der Wegebautrupp des Alpenvereins bei der Arbeit © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Der fertige Steinweg verhindert weitere Nebenpfade © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
In Bereichen ohne ausreichend Steine mussten Holzstege angelegt werden © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Einer der 6 Holzbohlenwege in Ausarbeitung © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Das Ergebnis - ein fertiger Holzbohlenweg © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Wegabschnitt vor der Umsetzung © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
... und danach © NSV Verwall-Klostertaler Bergwälder
Erster Meilenstein der Moorrenaturierung
Die umgesetzten Maßnahmen sind Teil weiterer Renaturierungsmaßnahmen, die im Moorkomplex am Langsee in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen. Weiterführende Arbeiten umfassen z. B. ein gezieltes Weidemanagement in Absprache mit den Alpbewirtschaftenden sowie die Bereinigung von weiteren hydrologischen Störstellen.
Europaschutzgebiet Verwall
Fläche: 12.057 ha
Höhe: von 1.160 – 2.912 m. ü. A.
Lage: Vorarlberger Anteil der Verwallgruppe im Montafon und Klostertal
Weitere Infos: Europaschutzgebiet Verwall


Das Projekt wurde mit Mitteln der HYPO Vorarlberg Bank und des Naturschutzfonds Vorarlberg realisiert.
Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union.
Einige sehr wichtige Moorschutzprojekte, wie die Renaturierung der Moore „Fohren“ in Egg-Schetteregg und „Salgenreute“ in Krumbach, wurden dieses Jahr abgeschlossen.
Moor Renaturierung im „Fohren“ in Egg-Schetteregg © RM Europaschutzgebiete
Moor Renaturierung im Witmoos © RM Europaschutzgebiete
Skizze Renaturierung © RM Europaschutzgebiete
Bregenzerwald I Mit der neuen österreichischen Moorstrategie sowie dem Landes-Aktionsplan Moorschutz wurden 2022 strategische Grundlagen verankert. Das Regionsmanagement ist stark in die Planung und Umsetzung von Moorsanierungen involviert und wird diesen Schwerpunkt im Vorarlberger Naturschutz sukzessive in den nächsten Jahren fortführen.
Einige sehr wichtige Moorschutzprojekte wurden dieses Jahr abgeschlossen. Die extreme Sommerhitze verdeutlichte, welcher Druck auf Feuchtflächen durch die Klimaerwärmung lastet und Sanierungen die Resilienz dieser Gebiete erhöhen müssen.
Prozessschritte für Planung, Ausschreibung und Umsetzung der Renaturierungen haben sich mittlerweile auf allen Ebenen gut eingespielt. Im Frühjahr wurden im Fohramoos die letzten Dammbauwerke nachgebessert. Mit der Stadt Dornbirn konnte zudem der Schutz des Niedermoors bei „Langwies“ durch einen Holzbolenweg optimiert werden (siehe auch Besucherlenkung). Die möglichen Maßnahmen für das Fohramoos sind damit größtenteils abgeschlossen. Das Europaschutzgebiet Witmoos wurde in zwei Bauphasen (August und Dezember) ebenfalls hydrologisch vollends saniert.
Abschließend verbessern seit Herbst zwei Renaturierungen das „Fohren“ in Egg-Schetteregg und „Salgenreute“ in Krumbach. Im Zuge dieser Baustellen wurden neue Dammtypen (Rundholzarmierung und Kunststoff-Spundwände) erfolgreich angewendet.
Die Kooperation des Regionsmanagements mit dem Naturpark Nagelfluhkette brachte Synergien, die zukünftig den Moorschutz im Bregenzerwald durch eine weitere Institution beschleunigen werden.
Vorarlberg ist damit in der Umsetzung 2022 einen wichtigen Schritt vorangekommen und auch sehr gut in ein überregionales fachliches Netzwerk eingebunden. Mit dem Workshop „Alpenmoore und Klimaschutz“ vom 29.-30.08.2022 der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf konnte beispielsweise eine intern. Tagung für Strategien zum klimaschonenden Moormanagement mit Fachexpert:Innen aus Deutschland, Österreich und Schweiz nach Vorarlberg geholt werden. Ebenfalls befruchtend ist die wiss. Expertise der Uni Kiel im Kleinwalsertal. Dies könnte bereits 2023 in praktischen Maßnahmen zum Schutz der Moore vor Ort münden.
Die Erkenntnisse und Daten zur Bewahrung und Verbesserung von Mooren und Feuchtflächen werden der Öffentlichkeit sowie den weiteren Fachstellen breit kommuniziert bzw. auch von anderen Institutionen (IG Moorschutz, UBA etc.) genutzt.
Bei idealem Amphibienwetter erkundeten Schüler der Mittelschule Frastanz die Sponda-Weiher im Europaschutzgebiet Frastanzer Ried.
Moordetektive im Frastanzer Ried © Daniel Leissing
Moordetektive im Frastanzer Ried © Daniel Leissing
Moordetektive im Frastanzer Ried © Daniel Leissing
Moordetektive im Frastanzer Ried © Daniel Leissing
Im Rahmen des Projekts „Schule trifft Frastanz“ und in Kooperation mit dem Projekt „Moordetektive“ verbrachte eine Schülergruppe der Mittelschule Frastanz einen Nachmittag im Europaschutzgebiet Frastanzer Ried, um an den revitalisierten Sponda-Weihern Ausschau nach Amphibien und anderen Wasserlebewesen zu halten.
Die engagierten Jungs unterstützten das Regionsmanagement beim Monitoring von Molchen, Fröschen und Kröten. Neben tausenden Kaulquappen von Grasfrosch und Erdkröte konnten Bergmolche und sogar eine Gelbbauchunke entdeckt werden. Ein weiteres Highlight war die Ringelnatter, die sich ihr Versteck in einer der Molchreusen gesucht hatte.
Die Tiere wurden behutsam betrachtet und anschließend wieder freigelassen. Unterscheidungsmerkmale zu anderen Molchen wurden identifiziert, und es wurde besprochen, warum eine Molchlarve aussieht wie ein Axolotl.
Neben den Amphibien waren auch die Neophyten ein Thema, das leider allgegenwärtig ist. Nässe und Dreck hielten die Schüler allerdings nicht davon ab, kräftig anzupacken und dem invasiven Japanischen Staudenknöterich an den Kragen zu gehen.
Moore im Naturpark Nagelfluhkette
Im Naturpark Nagelfluhkette finden sich in allen Höhenlagen Moore und Feuchtwiesen. An allen Ecken und Enden gibt es unterschiedlichste Moortypen. Oft kommen sie eng verzahnt vor.
Seinen Moorreichtum verdankt der Naturpark zwei Faktoren: der Geologie und dem Niederschlagsreichtum. Tonreiche, wasserstauende Schichten halten das Wasser, das dank der Lage am Alpennordrand in großen Mengen vom Himmel fällt. In den Hochlagen sind es bis zu 2.500 Millimeter pro Jahr – rund viermal so viel wie in Wien. Das macht die Naturparkregion zu den niederschlagsreichsten Gebieten Mitteleuropas.
Besonders gut erleben kann man die Moore in Krumbach. Hier ist mit den „Mooren Krumbach“ fast schon eine kleine Erlebniswelt um die Feuchtgebiete der Gemeinde entstanden. An 14 Standpunkten laden einfache Moorsitze zur Betrachtung von Mooren und Landschaften. Herzstück jeder Moorwanderung ist der Moorraum, der Einblicke in das Moor Salgenreute gibt. Gut ausgebildete, begeisterte Moorführerinnen und Moorführer stehen für einen erlebnisreichen Moorbesuch zur Verfügung. Es werden auch Führungen für Kinder und Jugendliche angeboten, denen mit viel Fantasie das Moor nähergebracht wird.
Dass das Moor auch durch den Magen gehen kann, zeigen die vier Moorwirtinnen und Moorwirte, die gleichzeitig auch Moorführerinnen und Moorführer sind. Mit ihnen kann man an vier Terminen im Sommer das Moor in der Morgendämmerung erkunden und dann bei einem leckeren Frühstück in den Tag starten. Ergänzt werden die Veranstaltungen durch zusätzliche Ereignisse wie das alle zwei Jahre stattfindende Auftaktfest der Moor-Saison. Egal zu welcher Jahreszeit, nach einem Besuch in Krumbach sieht man das Moor mit anderen Augen.
Quelle: Carina Niedermair
Moor im Krumbach © Moore Krumbach
Talbodenvermoorungen Bizau-Reuthe
Wo heute Bizauer Bach, Ulfernbach und Weiherbach fließen, verdichteten in den Eiszeiten riesige Gletschermassen den Untergrund und lagerten Moränen in unterschiedlichen Schichtstärken ab.
Vor etwa 12.000 Jahren ging die letzte Eiszeit dem Ende zu, die Eismassen tauten ab. Da größere Gletscherströme langsamer abschmelzen, staute sich das Wasser am Bregenzerachgletscher zu einem postglazialen See auf, in dem sich feine Sedimente zu undurchlässigen Tonschichten aufbauten.
In den Jahrtausenden danach schütteten die Bäche in wechselhaftem Verlauf Geröll und Feinmaterial über den Talboden. Wegen der Undurchlässigkeit des Untergrundes gediehen vorzugsweise nasse Au- und Bruchwälder und mehr oder weniger baumfreie Moore. Dann begann der Mensch die Gehölze zu roden, um die ebenen Talflächen landwirtschaftlich zu nutzen. Was entwaldet, aber nicht trockengelegt wurde, diente der Streuegewinnung im Herbst. Zirka 60 Hektar extensiv genutzte Moorkomplexe mit Hoch-, Übergangs- und Niedermooren erfreuen Einheimische sowie Urlauberinnen und Urlauber weiterhin durch ihre Naturnähe. Sie beherbergen viele gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, mindestens 60 wurden bisher nachgewiesen, auch EU-weit gefährdete Arten wie das Firnisglänzende Sichelmoos sowie die Brutvögel Neuntöter und Wachtelkönig. Daneben erhöhen gefährdete Pflanzengesellschaften, Quellaufstöße und mäandrierende Bachläufe die Vielfältigkeit und den Wert dieser auch fürs Auge äußerst attraktiven Landschaft.
Um die weitere Bewirtschaftung teilweise schon verbrachender Moorflächen für die Zukunft zu gewährleisten, erfolgte in den vergangenen Jahren im Unteren Moos auf Bizauer Gemeindegebiet eine Grundstückszusammenlegung. In diesem Zuge wurden auch landwirtschaftliche Zufahrtswege angelegt.
Quelle: Rosemarie Zöhrer
Drahtsege © Rosemarie Zöhrer
Neuntöter © Johanna Kronberger
Wachtelkönig © shotshop
Firnisglänzendes Sichelmoos © Rosemarie Zöhrer
Sumpfblutauge © Rosemarie Zöhrer
Fieberklee © Rosemarie Zöhrer
Verwall – Moorparadies vor einzigartiger Bergkulisse
Zwischen Lechquellengebirge im Norden, Rätikon im Westen und Silvretta im Süden erstreckt sich die Verwallgruppe von Partenen über das Silbertal bis nach Klösterle und weit über die Landesgrenze nach Tirol. Auch abseits des gleichnamigen Europaschutzgebiets verbirgt sich hier eine außerordentliche Vielfalt an unterschiedlichen Moorlebensräumen.
Das Wildriad ist ein Moorkomplex von nationaler Bedeutung. Es liegt umschlossen von flechtenbehangenen Fichtenwäldern inmitten einer Lichtung. Als Lebensraum für hochspezialisierte Arten wie die abgebildete Kleinfrüchtige Moosbeere und den Sumpfbärlapp reagiert das Moor äußerst empfindlich auf Stoffeinträge und hohe Trittbelastung.
Der Kristberg war einst vom Bergbau stark geprägt. Heute präsentieren sich die Hänge unterhalb des Kristbergs – die Kristbergriader – als ein zusammenhängender Feuchtgebietskomplex: Quellfluren, Pfeifengraswiesen, Hangmoore und Baumgruppen verleihen der Landschaft ihren wahrlich einzigartigen Charakter. Eine extensive Bewirtschaftung ist nach wie vor Voraussetzung für den Erhalt dieser geschichtsträchtigen Kulturlandschaft.
Wildriad © Naturschutzverein Verwall
Kristberg © Naturschutzverein Verwall
Im Hinteren Silbertal, im Herzen des Europaschutzgebiets Verwall, findet sich eine schier unüberschaubare Anzahl an Flachmooren, Quellfluren und Gebirgsseen. Hier befindet sich auch das Quellgebiet der Litz, eines im Oberlauf noch weitgehend natürlichen Gebirgsbaches. Wer diesen wenig erschlossenen Naturraum erkunden will, muss jedenfalls einen längeren Fußmarsch einplanen. Schönheit hat eben ihren Preis.
Der Wiegensee ist ein Moorbiotop der Sonderklasse. Diese einzigartige Moorlandschaft der Wiege hoch über Partenen zeigt, welches natürliche Schicksal zahlreiche Gebirgsseen ereilen könnte. Schwingrasen führen zu einer natürlichen Verlandung der Seen und zur Ausbildung von typischen, nicht minder wertvollen Moorkomplexen.
Hinteres Silbertal © Naturschutzverein Verwall
Wiegensee © Naturschutzverein Verwall
Deckenmoore – ein Hauch von Schottland
Deckenmoore sind eine in Mitteleuropa äußerst seltene Ausprägung der Hochmoore. Anders als viele andere Hochmoore entstehen Deckenmoore nicht aus Flachmooren, sondern „wachsen“ direkt auf dem nackten Gesteinsuntergrund, den sie wie eine Decke flächig überziehen.
Voraussetzung hierfür sind besonders hohe Niederschläge, wie wir sie sonst nur in den feuchtesten Regionen Europas finden können. In Schottland, Irland und Skandinavien sind Deckenmoore häufig. In Österreich sind sie auf das Salzkammergut und einzelne Bereiche im Verwall beschränkt.
Landschaftsjuwele im Kleinwalsertal
Das Kleinwalsertal ist reich an Mooren. Sie gehören zu den prägenden Landschaftselementen des Tales. Charakteristisch ist die enge räumliche Verzahnung verschiedener Moortypen. Dominierend sind Hochmoore, Übergangsmoore und Hangmoore. Quellmoore treten nur vereinzelt auf.
In den Sommermonaten 2015 und 2016 haben Studierende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Schrautzer unsere Moore im Kleinwalsertal geobotanisch untersucht und den aktuellen Zustand naturschutzfachlich bewertet. Trotz des erkennbaren, menschlichen Einflusses sind viele Moore noch in einem guten Erhaltungszustand. Hier wachsen zahlreiche seltene und mittlerweile stark gefährdete Gefäßpflanzen wie Tarant, verschiedene Sonnentauarten oder der Wasserschlauch. Untersucht wurden u. a. Vegetation und Standortverhältnisse. Ein weiterer Schwerpunkt war die Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte der Moore. Pollenuntersuchungen lassen zum Beispiel auch die Zuwanderung der Walser und ihre
Viehwirtschaft im 14. Jahrhundert erkennen.
Mit 27 Hektar ist das Hörnlepassmoor im Nordosten des Kleinwalsertales der größte Moorkomplex von überregionaler Bedeutung. Es handelt sich um ein ausgedehntes Latschenhochmoor, das in ein terrassenartig abfallendes, reichhaltiges Hangmoor übergeht. In der letzten Eiszeit formten Gletscher nicht nur den gleichnamigen Hörnlepass, sondern es lagerten sich in einem Eisstausee Feinsedimente ab, die bis heute Grundwasser stauen.
Über Jahrtausende konnte sich ein Moor entwickeln. Die Torfschichten reichen bis zu 4,5 Meter hinab. Das Moor zeigt eine beachtliche Vielfalt an verschiedenen Feuchtgebietspflanzenarten und -gesellschaften auf. Seit 1964 ist es Teil des Pflanzenschutzgebiets Hochifen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen und Messungen werden 2018 fortgesetzt und lassen weitere spannende Ergebnisse erwarten.
Quelle: Karl Keßler
Die Walserin und der Walser bezeichnen im Dialekt ein Moor als „Moos“ und sagen zum Moos „Mias“. In vielen Flurnamen begegnen wir den Mooren wie in Schmittersch Moos, Laumoos, Sücka (sehr nasse Streuewiese) oder Obere Sömpf. Hörnlepassmoor © Georg Friebe
Immer weniger Menschen im Rheintal kennen Kiebitz, Bekassine, Großen Brachvogel, Wachtelkönig, Braunkehlchen und Uferschnepfe. All diese Vögel waren früher charakteristisch für die weite, offene Riedlandschaft im Rheintal. Allen gemein ist, dass sie Wiesenbrüter sind – und dass sie vor dem Aussterben stehen.
Kiebitz Gelege © Reinhard Hellmair
Wiesenbrüter, wie der Name schon erahnen lässt, bauen ihre Nester auf dem Boden. Sie nisten in artenreichen, einmähdigen Wiesen, aber auch in noch nicht bestellten Äckern. Als Zugvögel kommen sie im Frühjahr im Rheintal an, balzen und bauen ihre Nester am Boden, ziehen ihre Küken gut geschützt im hohen Gras der extensiv genutzten Feuchtwiesen auf und verlassen im Herbst das Rheintal Richtung Süden. Das Gefieder der Bodenbrüter ist nicht bunt – dunkle, erdige Töne herrschen vor. Als Wiesenbrüter sind damit die ausgewachsenen Vögel, aber auch die Küken, gut vor Fressfeinden getarnt.
Wiesenbrüter sind im Rheintal vom Aussterben bedroht. Uferschnepfen und Bekassinen brüten schon seit Jahren nicht mehr, und auch von den bis zu 40 Jahre alt werdenden Brachvögeln brüten nur noch eine Handvoll. Und das mit wenig Erfolg. Dabei gibt es, wie beim Bienensterben, viele Gründe, die alle zusammen zu einem Rückgang der Bestände führen. Der Landschaftswandel der letzten Jahrzehnte hat den Lebensraum von Kiebitz und Co auf kleine Inseln im intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet zusammenschmelzen lassen. Während die Umgebung für die typischen Wiesenbrüter immer unwirtlicher wird, profitieren ihre Fressfeinde wie Fuchs, Marder, Dachs und Co davon. Steile Entwässerungsgräben sind für eine Wiesenbrüterfamilie unüberwindbare Barrieren oder können zu tödlichen Fallen werden. Aber auch die Freizeitnutzung führt zu Störungen und kann mit der Aufgabe der Nester enden. Freilaufende Hunde sind zwar prinzipiell keine Fressfeinde, führen aber zu Stress und einem verminderten Bruterfolg. Auch die Witterung im Frühjahr spielt eine große Rolle. So gab es immer schon Jahre mit schlechten Bruterfolgen durch einen kalten und regenreichen Frühling. Grundsätzlich gilt, gesunde, große Populationen könnten in den darauf folgenden Jahren Ausfälle kompensieren.
Gelege werden von engagierten Landwirtinnen und Landwirten umfahren © Reinhard Hellmair
Seit 2006 unterstützt das Land Vorarlberg den Naturschutzbund und seine Partnerinnen und Partner beim Wiesenbrüterschutz. Durch Lebensraumverbesserungen wie z. B. Abflachen von Gräben oder Rodung von Gehölzgürteln im Nahebereich der Brutflächen wird der Lebensraum aufgewertet. Schutzmaßnahmen wie das Einzäunen der Gelege oder Markieren der Nester im Acker ermöglichen den Landwirtinnen und Landwirten, die Brutflächen bei der Bewirtschaftung auszusparen. Mit diesen Maßnahmen konnten vor allem für den Kiebitz schon einige Erfolge erzielt werden. Engagierte Landwirtinnen und Landwirte bewirtschaften in den Kerngebieten „wiesenbrüterfreundlich“. Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer wie die Schweizer Ortsgemeinde Au stellen u. a. Flächen für den Wiesenbrüterschutz zur Verfügung.
Bekassine © Dietmar Hollenstein
Warum ist der Schutz der Bodenbrüter so wichtig? Wiesenbrüter sind sogenannte Indikatorarten. Sie zeigen den ökologischen Zustand der Natur an. Von den lebensraumverbessernden Maßnahmen für Bekassine, Kiebitz, den Großen Brachvogel und Co profitieren nicht nur die Vögel, sondern das ganze Ökosystem.
Quelle: Thomas Rainer
Brachvogel © Manfred Waldinger
Wachtelkönig © Hubert Salzgeber
Kiebitz © Dietmar Fuchs
Braunkehlchen © shotshop
© Amt der Vorarlberger Landesregierung
In einer Vielzahl Vorarlberger Flur- bzw. Ortsnamen spiegelt sich die weite Verbreitung von Mooren. Manche mit einer langen Geschichte: So geht beispielsweise die Bezeichnung Paluda in Dalaas oder Palüd bei Brand auf das lateinische „Palus“ für Sumpf zurück.
Seit dem Mittelalter werden die Moore, Röhrichte und Feuchtwiesen meistens mit dem mittelhochdeutschen Wort Ried, mundartlich Riad oder Riat(le), benannt. Dieser Flurname begegnet uns in fast allen Gemeinden, angefangen vom Bodensee mit der früheren Gemeinde Rieden bis zu den „Riadböda“ der Montafoner Hochalpen. Wo man Torf abbauen konnte, sprach man oft von einem „Turbariad“. Bei einem nur sehr eingeschränkt nutzbaren Dornbirner Riedteil sprachen die Landwirtinnen und Landwirte von „schwarzem Zeug“, seit 1987 nun auch der Name für dieses Naturschutzgebiet.
In den Mittelgebirgslagen des nördlichen Landesgebiets hat die eiszeitliche Geländegestaltung sehr viele Moore entstehen lassen, die meist als „Moos“ bezeichnet wurden. Am bekanntesten sind hier die unter Naturschutz gestellten Moorkomplexe Witmoos, Fohramoos, Farnachmoos und Kojenmoos. Hinzu kommt eine Menge weiterer „Möser“ und „Mösle“.
Wo auf kleinem Raum zwischen verschiedenen Moorbereichen zu unterscheiden war, nahm man in der Benennung zumeist Bezug auf ihre Lage oder Größe, manchmal auch auf ihre Nutzung. Bei Mooren mit Torfabbau sprach man von „Wasamoos“ oder „Schollamoos“, bei Streuenutzung oft von „Mähmoos“. Wenn die Benennung nach charakteristischem Bewuchs erfolgte, begnügte man sich bei den Flurnamen mit wenigen Unterscheidungen, ohne immer von Ried oder Moos zu sprechen. So heißen manche Örtlichkeiten heute noch „Im Rohr“ (Schilfröhricht), „Schlatt“ (Schilfwiese), „Fohra“ („Fohren“ als Bezeichnung für Moorkiefern) oder „Birka“.
Aus der Sicht der Landwirtinnen und Landwirte waren „Sümpf und sure Wiesa“ oft minderwertiges Grünland, bei dem man im 20. Jahrhundert um großflächige Entwässerungen froh war. Das hatte zur Folge, dass artenreiche Biotope aus der Landschaft verschwanden. Ein Paradebeispiel ist der Ortsteil Feldmoos in Bregenz-Rieden, bei dem ein höchst schutzwürdiges Naturjuwel verloren gegangen ist.
Quelle: Helmut Tiefenthaler
Auer Ried in Lustenau
– Gesamtfläche nördliches Schweizer Ried bzw. Auer Ried: 210 ha
– Grundbesitzer seit 1593: Schweizer Ortsgemeinde Au
– Großflächiger Feuchtgebietskomplex mit überregionaler Bedeutung für die Vogelwelt
– 42 ha Streuewiesen
– 36 ha extensiv bewirtschaftete Talwiesen
– 5 ha Blumenwiesen und artenreiche Randstrukturen
– 6 ha Kiebitz-Ackerflächen mit der landesweit größten Brutkolonie
– Errichtung und dauerhafte Pflege von über einem Dutzend Flachgewässern
– Brutinsel mit 20.000 m²
– Lebensraum für gefährdete Wiesenbrüter (Kiebitz, Braun- kehlchen, Wachtelkönig) und Amphibien (Kammmolch, Teichmolch, Laubfrosch, Gelbbauchunke)
– Seltene Pflanzenarten wie Sumpf-Gladiole, Lungen-Enzian, Sumpf-Stendelwurz, Kleines Knabenkraut und viele weitere Orchideenarten
Brutinsel umgeben von Streuwiesen im Auer Ried in Lustenau © Reinhard Hellmair
Götzner Moos – Sanfter Naturschutz mit schwerem Gerät
Ein intakter Wasserhaushalt ist der entscheidende Faktor in einem Hochmoor. Doch das Götzner Moos verlor durch alte Entwässerungsgräben Wasser und der Torf begann sich zu zersetzen. Teilweise wuchsen dadurch neue Baumbestände heran, die lichtliebende Moorvegetation drohte zu verschwinden.
Im Interreg-Projekt „Nachhaltiges Moormanagement“ konnte der Naturschutzbund gemeinsam mit der Marktgemeinde Götzis sowie der Agrargemeinschaft Götzis die notwendigen Maßnahmen planen. Bei der Umsetzung war Teamarbeit gefragt.
Pflegeeinsatz im Götzner Moos © Georg Amann
Passionierte Holzerinnen und Holzer der Agrargemeinschaft Götzis fällten Anfang 2013 einen Großteil der standortfremden Gehölze im Hochmoor und entlang der Gräben. Als die meterdicke Schneedecke nach dem sehr langen Winter weitgehend abgetaut war, trat der Pflegetrupp des Naturschutzbundes in Aktion. Dieser entfernte kleine Fichten und Sträucher sowie verbliebene Reste der großen Holzarbeiten. Für den Einbau der Stauwehre in die Entwässerungsgräben engagierte der Naturschutzbund eine Firma aus dem Bregenzerwald, die nicht nur ihren bodenschonenden Moorbagger mitbrachte, sondern auch langjährige Erfahrung in der Hochmoorrenaturierung.
Im November 2013 konnten 19 Stauwehre eingebaut werden. Davon enthalten 15 Stauwehre Spundwände aus Weißtannen-Brettern, die die Agrargemeinschaft Götzis dankenswerterweise spendierte. Diese erste Hochmoorrenaturierung Vorarlbergs ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des Götzner Mooses als wertvollem Lebensraum und Naturjuwel.
Quelle: Bianca Burtscher
Einbau der Spundwände im Götzner Moos © Bianca Burtscher
Turbastall – Neues Kleingewässer für alten Torfstich
Man hätte ihn fast vergessen, den alten Torfstich in einem Wald bei Schlins. Denn 60-jährige Fichten versperrten die Sicht auf ein verschilftes Torfstichloch und letzte kleine Wasserflächen. Kaum vorstellbar, wie das einst offene Moor früher ausgesehen haben mag. Ältere Schlinserinnen und Schlinser erinnern sich zumindest an den Torfabbau, der vor 60 Jahren zum Erliegen kam.
Ein neues Moor an alter Stelle
Was über Jahrtausende entstand, lässt sich nur schwer wiederherstellen: Anfang Jänner 2017 wurden mit einem schweren Holzerntegerät die Fichten mit der Seilwinde samt Wurzeln aus dem Boden gezogen. Bei der Durchforstung des Moorwaldes wurden aber die seltenen Schwarzerlen geschont. Dass es so gut geklappt hat, ist der Agrargemeinschaft Schlins zu verdanken.
Turbastall mit Blick nach Westen © Georg Amann
Nun ging es an die Modellierung des Geländes, insbesondere die Schaffung von Tümpeln und das Ausheben eines Moorweihers. Die Baggerarbeiten verursachten immer wieder Nervenkitzel. Was, wenn der Bagger im Morast steckenbleibt oder im Weiher versinkt? Höhepunkt war das Ausheben des Weihers, bei dem sich der Bagger im entstehenden Weiher auf Holzmatratzen wie auf einem Floß bewegen musste.
Mit der Errichtung eines Dammes wurde der Wasserspiegel für den Weiher, die Tümpel und Flachwasserzonen um etwa 30 cm gehoben. Zum Abschluss wurde das Gelände naturnah ausgeformt. Im März erwachte der Turbastall rasch zu neuem Leben. Hunderte Kröten, Frösche und Molche tummelten sich in den neuen Tümpeln, um hier zu laichen. Während Frösche und Kröten in ihre Sommerquartiere abwanderten, konnte man die Bergmolche noch im Sommer in den Tümpeln und Wasserlöchern beobachten.
Turbastall - neuer Weiher im alten Torfstich © Georg Amann
Ab Mai fallen große Schwärme von Kaulquappen auf, die durch natürliche Feinde dezimiert wurden. Junge Ringelnattern konnte man bei der Jagd auf Kaulquappen ebenso beobachten wie Gelbrandkäfer und ihre gefräßigen Larven. Ab Juni zogen Massen von winzigen Kröten an Land, von denen einige zurückkehren werden.
Zur großen Freude ließ sich die bei uns fast ausgestorbene Gelbbauchunke im Turbastall nieder. Immer wieder hörte man ihre melancholischen Unkenrufe.
An sonnigen Tagen von Mai bis Oktober waren die in vielen Farben schillernden Libellen im Flug zu beobachten. 30 Arten konnten schon 2017 nachgewiesen werden. Ein Höhepunkt war die Entdeckung der Großen Moosjungfer, einer Libelle, die in Vorarlberg noch nie zuvor beobachtet wurde.
Quelle: Gemeindeinfo 2017: Jahresrückblick Gemeinde Schlins
Gemeine Winterlibelle © Georg Amann
Zum Schutz der Niedermoore braucht es eine schonende Bewirtschaftung. Hochmoore dagegen brauchen vor allem Ruhe.
© Karin Moser / Walgau Wiesen Wunderwelt
Vom Bodensee bis zur Silvretta sind die zahlreichen Moore Lebensräume für verschiedenste Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Die Bewirtschaftung der Moore ist aufgrund des hohen Wasserstandes aber recht mühsam. Dennoch ist sie wichtig – vor allem die Mahd der Streuewiesen im Herbst,
die Einstreu für das Vieh liefert. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl vonseiten der Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter, denn es gilt für einen Wasserhaushalt zu sorgen, der einerseits Bewirtschaftung ermöglicht, andererseits aber auch den Ansprüchen der Moorpflanzen und -tiere entspricht.
Etwas anders ist die Situation bei den Hochmooren, die sich über Jahrhunderte oder Jahrtausende entwickelt haben: Hier wachsen Torfmoos, Wollgras und Sonnentau ganz ohne unser Zutun, eine Bewirtschaftung ist nicht erforderlich. Im Gegenteil: Am besten ist, die Hochmoore in Ruhe zu lassen, zu beobachten und zu bestaunen. Denn bereits kleine Eingriffe könnten sich nachteilig auswirken. Solche nachteiligen Veränderungen beobachten wir heute in vielen Feuchtgebieten: So breiten sich Gräser aus, die eigentlich in nährstoffreichen Wiesen wachsen. Dies geht auf Kosten der seltenen Moorpflanzen und ist meist die Folge von Düngung oder von Nährstoffeinträgen aus angrenzenden Wiesen
und Äckern.
Ein großes Problem ist der Rückgang anspruchsvoller Moosarten, Orchideen und Sauergräser nach Absenkung des Wasserspiegels durch tiefe Entwässerungsgräben. Oft breiten sich dadurch nicht-heimische Arten aus, sogenannte Neophyten. Um die Vielfalt unserer Moore zu bewahren, müssen wir die Bewirtschaftung dem jeweiligen Standort anpassen: Gräben flach anlegen und die moortypisch nassen Böden erhalten, zur Schonung der empfindlichen Pflanzenwelt mit leichten Maschinen pflegen und erst spät im Jahr mähen sowie das Mähgut entfernen und keinesfalls düngen. Sprich: traditionell nutzen, wie es früher üblich war.
Quelle: Markus Grabher
Mitmachen bei der Aktion Heugabel
So geht integrativer Naturschutz in den Walgaugemeinden
Das Landschaftsbild im Walgau, vor allem in den Hanggemeinden, ist geprägt von einer kleinteilig strukturierten Kulturlandschaft. Hecken oder Obstbaumwiesen gliedern die Landschaft ebenso wie artenreiche Magerwiesen. Ein großer Reichtum an Quellen und die damit mehr oder weniger verbundenen Feucht- und Moorlebensräume sind außerdem kennzeichnend für den Walgau. Nur durch die sorgsame Bewirtschaftung können diese ökologisch höchst wertvollen Flächen erhalten bleiben.
Abseits der bekannten Naturschutzgebiete werden aber auch im Walgau Lebensräume aufgrund von zunehmender Verbuschung und Verschilfung kleiner. Die Heugabel-Landwirtinnen und -Landwirte tun etwas dagegen! So nennen sich jene Bäuerinnen und Bauern, die diese ökologisch höchst wertvollen Flächen bewirtschaften. Dafür öffnen sie ihre Hoftüren und laden die Bevölkerung ein, bei der arbeitsintensiven Bewirtschaftung von Magerheu- und Streuewiesen mitzumachen. In fast allen Walgaugemeinden können nun Menschen mithelfen, die außergewöhnlichen Lebensräume für selten gewordene Pflanzen, Pilze und Tiere zu erhalten.
Im Jahr 2017 waren es über 300 Personen, die bei der Heu- und Streueernte mitgeholfen haben und so zum Erhalt der überwältigenden Vielfalt im Walgau beitrugen. Die Helferinnen und Helfer werden abschließend beim Heugabel-Fest gebührend gefeiert! Auch heuer sind die Menschen im und rund um den Walgau wieder herzlich eingeladen, mit anzupacken. Magerheu wird im Juli geerntet, und die Moore, die als Streuewiesen genutzt werden, werden im Herbst gemäht.
Interessiert? Dann schnell auf www.walgau-wunder.at/aktion-heugabel
Um den Lebensraum Moor ranken sich viele Märchen und Sagen. Insbesondere Hochmoore faszinieren uns Menschen seit vielen Jahrhunderten. Zahlreiche (Schauer-)Geschichten über unheimliche Nebellandschaften, geheimnisvolle Moorbewohnerinnen und -Bewohner und Moorleichen halten sich bis heute!
Fohramoos
Moore sind aber auch unterschätzte Naturjuwele mit hoher ökologischer Bedeutung als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, als Wasser- und CO2-Speicher. Und vor allem sind sie in menschlichen Zeiträumen gerechnet unwiederbringlich, da sie oft über tausende
von Jahren entstanden sind.
Die meisten der österreichischen Moore entstanden vor ca. 12.000 Jahren nach dem Ende der Würmeiszeit. Die Gletscher schmolzen ab und ließen Wannen und Hohlformen mit undurchlässigen Tonablagerungen zurück. Es bildeten sich Schmelzwasserseen wie z. B. der Rheintal- oder der Walgausee. Begünstigt durch das kalte Klima und die hohen Niederschläge konnten sie über Jahrtausende zu Mooren verlanden. Sauergräser (Seggen) und Torfmoose spielten dabei eine große Rolle. Bei hoch anstehendem Wasser bildet das abgestorbene Pflanzenmaterial Torf, ein organisches Sediment. Viel Wasser, Nährstoffarmut, Seggen und Torfmoose und der daraus entstehende Torf zeichnen den Lebensraum Moor aus.
Moore und Sümpfe sind keine produktiven Böden für die landwirtschaftliche Nutzung. Sie wurden von den Menschen daher für eine intensivere Produktion „urbar“ gemacht, Torf wurde abgebaut, es wurde entwässert, gedüngt oder für vielfältige andere Nutzungen wie Straßenbauten, Bau- und Gewerbegebiete drainagiert.
Den Mooren wurde und wird also im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben, gewaltige Verluste sind zu verzeichnen.
Andererseits konnten insbesondere viele Niedermoore durch eine zurückhaltende Bewirtschaftung, das heißt keine Düngung und nur eine Mahd im Herbst, erhalten werden. Die so gewonnene Streue war viele Jahre ein begehrtes Gut als saugfähige Einstreu für das Vieh.
Vorarlberg ist daher aufgrund seiner vielen verlandeten und vermoorten Schmelzwasserseen und der hohen Niederschläge ein Land der Moore und ist es trotz starker Rückgänge bis heute geblieben. Gut ein Viertel der Moore Österreichs liegt im kleinen, westlichen Bundesland.
Um den Lebensraum Moor ranken sich viele Märchen und Sagen. Insbesondere Hochmoore faszinieren uns Menschen seit vielen Jahrhunderten. Zahlreiche (Schauer-)Geschichten über unheimliche Nebellandschaften, geheimnisvolle Moorbewohnerinnen und -bewohner und Moorleichen halten sich bis heute!
Moore sind aber auch unterschätzte Naturjuwele mit hoher ökologischer Bedeutung als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, als Wasser- und CO2-Speicher. Und vor allem sind sie in menschlichen Zeiträumen gerechnet unwiederbringlich, da sie oft über tausende von Jahren entstanden sind.
Wia kut as zu nam Moor?
Wo Torfmoos kut in Menge vor,
a Mulda, wo sichs Wasser staut
und niamand, der’s dabei versaut
(Prof. Dr. Georg Grabherr)
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Naturvielfalt Magazin 2018 - Unsere Moore
Die meisten der österreichischen Moore entstanden vor ca. 12.000 Jahren nach dem Ende der Würmeiszeit. Die Gletscher schmolzen ab und ließen Wannen und Hohlformen mit undurchlässigen Tonablagerungen zurück. Es bildeten sich Schmelzwasserseen wie z. B. der Rheintaloder der Walgausee. Begünstigt durch das kalte Klima und die hohen Niederschläge konnten sie über Jahrtausende zu Mooren verlanden. Sauergräser (Seggen) und Torfmoose spielten dabei eine große Rolle. Bei hoch anstehendem Wasser bildet das abgestorbene Pflanzenmaterial Torf, ein organisches Sediment. Viel Wasser, Nährstoffarmut, Seggen und Torfmoose und der daraus entstehende Torf zeichnen den Lebensraum Moor aus.
Moore und Sümpfe sind keine produktiven Böden für die landwirtschaftliche Nutzung. Sie wurden von den Menschen daher für eine intensivere Produktion „urbar“ gemacht, Torf wurde abgebaut, es wurde entwässert, gedüngt oder für vielfältige andere Nutzungen wie Straßenbauten, Bau- und Gewerbegebiete drainagiert. Den Mooren wurde und wird also im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben, gewaltige Verluste sind zu verzeichnen.
Andererseits konnten insbesondere viele Niedermoore durch eine zurückhaltende Bewirtschaftung, das heißt keine Düngung und nur eine Mahd im Herbst, erhalten werden. Die so gewonnene Streue war viele Jahre ein begehrtes Gut als saugfähige Einstreu für das Vieh. Vorarlberg ist daher aufgrund seiner vielen verlandeten und vermoorten Schmelzwasserseen und der hohen Niederschläge ein Land der Moore und ist es trotz starker Rückgänge bis heute geblieben. Gut ein Viertel der Moore Österreichs liegt im kleinen, westlichen Bundesland.

