Vielfaltertage 2025 – gemeinsam für die Naturvielfalt
Im Schutzgebiet „Birken“ in der Gemeinde Wolfurt ging es auch dieses Jahr dem Drüsigen Springkraut, einer invasiven süd-asiatischen Pflanzenart, an den Kragen ©RM ESG
Die Vielfaltertage 2025 verzeichnen erneut eine beeindruckende Bilanz: 103 Einsatztage, 838 engagierte Freiwillige von Jung bis Alt und insgesamt 2.565 geleistete Arbeitsstunden in 13 Vorarlberger Europaschutzgebieten. Unter der fachkundigen Anleitung des Regionsmanagements sowie mit Unterstützung der Gebietsbetreuenden wurden wertvolle Lebensräume gepflegt, erhalten oder gezielt neue Habitate geschaffen. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Beteiligten, durch deren Engagement diese wertvollen Pflegemaßnahmen erst möglich wurden!
Die „Vielfaltertage“ sind ein fixer Bestandteil des jährlichen Programms des Regionsmanagements in den Vorarlberger Europaschutzgebieten. Ziel ist es, gemeinsam mit freiwilligen Helferinnen und Helfern aus der Bevölkerung aktiven Naturschutz zu betreiben. Dabei wird eine breite Palette an Maßnahmen umgesetzt – von der Zurückdrängung von Neophyten und Problempflanzen über die Pflege von Magerwiesen und -weiden bis zur Instandsetzung von Feuchtbiotopen und der Schaffung von neuen Habitaten für gefährdete Arten.
Von Menschen gestaltete Lebensräume
Viele der wertvollen Naturjuwele Vorarlbergs sind Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. Die regelmäßige Nutzung und Pflege extensiv bewirtschafteter Flächen sind entscheidend für ihren Erhalt. Ohne Bewirtschaftung würden viele Alpweiden, Streu- und Magerwiesen verbuschen, wodurch zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren. Zusätzlich gefährden invasive Neophyten die heimische Flora. Durch gezielte Pflege- und Wiederherstellungsmaßnahmen leisten die Vielfaltertage einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. Da durch intensive Nutzung vielerorts sensible Lebensräume verloren gegangen sind, kommt der gezielten Neuschaffung solcher Habitate ebenfalls eine besondere Bedeutung zu.
Rückschnitt von Gehölzen zur Freistellung von Amphibien-Laichgewässern im Frastanzer Ried ©RM ESG
Die Anlage von Kleintümpeln zum Wasserrückhalt ermöglicht der gefährdeten Gelbbauchunke ideale Fortpflanzungsbedingungen ©RM ESG
Vielfältige Lebensräume, vielfältige Maßnahmen
Ein zentraler Schwerpunkt der Vielfaltertage 2025 war erneut die Bekämpfung von invasiven Neophyten und Problempflanzen. In den Tallagen lag der Schwerpunkt im Juni und Juli auf der Entfernung von Springkraut entlang von Riedgräben und -böschungen sowie von Goldruten in Streuwiesen. In den Gebieten „Gleggen“, „Birken“, „Lauteracher Ried“, „Bangs-Matschels“ und „Frastanzer Ried“ wurden von vielen freiwilligen Händen bei Wind und Wetter mehrere Tonnen an Neophyten entfernt.
Auch in den Waldgebieten breiten sich Neophyten aus. In den Hang- und Schluchtwäldern der Europaschutzgebiete „Roßbündta“ und „Rifa“ wurde Springkraut zurückgedrängt – in Zusammenarbeit mit bewährten und neuen Partnern wie der Alpenvereinsjugend Montafon und den Silvretta-Montafon Bergbahnen. Weitere Einsätze fanden in den Auwäldern entlang der Ill in Schruns statt, hier in Kooperation mit der Ferienbetreuung Montafon. Zusätzlich wurde im Bereich von Fließgewässern in Altach eine öffentlichkeitswirksame Neophytenaktion gemeinsam mit dem SCR Altach durchgeführt, die neben dem praktischen Naturschutz auch das Bewusstsein für invasive Arten in der Bevölkerung stärkte.
In den Berglagen bereitet der Adlerfarn zunehmend Probleme, da er artenreiche Magerwiesen und Alpflächen überwuchert und wertgebende Pflanzenarten verdrängt. So wurden in den Europaschutzgebieten „Ludescherberg“, „Übersaxen–Satteins“ und „Klostertaler Bergwälder“ konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung des Adlerfarns umgesetzt, mit dem Ziel, die Artenvielfalt in mageren und feuchten Bergwiesen und -weiden zu erhalten. Am Ludescherberg konnten in enger Zusammenarbeit mit Landwirten vor Ort zusätzlich Rosengebüsche und Weißer Germer entfernt werden, um die langfristige extensive Nutzung der steilen Magerwiesen zu sichern.
Im Europaschutzgebiet „Übersaxen-Satteins“ widmeten sich die freiwilligen Helfer:innen dem Adlerfarn auf Mager- und Feuchtwiesen ©RM ESG
Pflege offener Landschaften und Artenschutz
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Gehölzmaßnahmen zur Offenhaltung wertvoller Lebensräume. Im Europaschutzgebiet „Frastanzer Ried“ wurden im März Gehölze zurückgeschnitten, um möglichst besonnte Amphibienlaichgewässer zu erhalten. Im November folgten Gehölzpflegemaßnahmen an Gehölzgruppen zur Offenhaltung der Feucht- und Streuwiesen. Ebenfalls im November wurden neue Amphibienlaichgewässer angelegt, indem Mulden gegraben und mit Lehm ausgekleidet wurden. Diese temporär wasserführenden Tümpel bieten insbesondere der seltenen Gelbbauchunke wertvolle Fortpflanzungshabitate. Weitere gezielte Gehölzpflegemaßnahmen dienten der Offenhaltung von Wiesenflächen zur Förderung wiesenbrütender Vogelarten. Im Europaschutzgebiet „Birken“ in Wolfurt wurden Gehölze zurückgenommen, um geeignete Brutbedingungen für Arten wie Großer Brachvogel und Braunkehlchen zu schaffen bzw. zu erhalten. In den Hochlagen standen ebenso gezielte Artenschutzmaßnahmen im Mittelpunkt. Im Bergwald des Verwall wurden durch Schlagräumungen und das Pflanzen von Laubgehölzen die Habitate von Auer- und Haselhuhn aufgewertet. Auch das Offenhalten strukturreicher Alpweiden bleibt ein zentraler Bestandteil der Vielfaltertage, insbesondere im Europaschutzgebiet Verwall. Mit Schwendarbeiten auf der Alpe Gues im Silbertal sowie auf der Thüringer Alpe im Klostertal konnten erneut zwei Balzplatzbereiche des Birkhuhns erweitert werden.
Händisches Ausreißen von Adlerfarn auf einer besonders artenreichen Feuchtwiese am Ludescherberg ©RM ESG
Laubgehölze sind wertvolle Nahrungspflanzen für das Haselhuhn im Europaschutzgebiet Verwall ©RM ESG
Das Schwenden zu dichter Alpenrosenbestände schafft Lebensraumvielfalt für das Birkhuhn ©RM ESG
Gemeinsam stark für den Naturschutz
Die Organisation von 103 Vielfaltertagen ist keine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren baut das Regionsmanagement auf bewährte Partnerschaften und Kooperationen – unter anderem mit den Ortsgruppen der Vorarlberger Naturwacht, der inatura, dem Biosphärenpark Großes Walsertal, dem Alpenverein Vorarlberg, den MACHWAS-Tagen der aha-Jugendinfo Vorarlberg, der Gastgeberschule für Tourismusberufe (GASCHT) sowie engagierten Unternehmen und Vereinen. Ein besonderer Dank gilt den Gebietsbetreuerinnen und Gebietsbetreuern, den Gemeinden und Grundbesitzenden, die mit Fachwissen, Arbeitszeit, Materialtransport, Abfallentsorgung oder einer stärkenden Jause wesentlich zum Gelingen beigetragen haben. Ganz besonders danken wir allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, deren Einsatz die Vielfaltertage 2025 wieder zu einem großen Erfolg gemacht hat.
Vielen Dank für euren unermüdlichen Einsatz zum Schutz unserer heimischen Biodiversität!

Vielfaltertage - komm, mach mit!
Du möchtest bei einem unserer Vielfaltertage mitmachen? Hier findest du alle Informationen zu den Vielfaltertagen und den anstehenden Terminen:
Text: Raphael Hoschek
Veröffentlichung: März 2026

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