Im Jahr 2024 waren die Regionsmanagerinnen und Regionsmanager kräftig für den Amphibienschutz tätig. Das Regionsmanagement führte wissenschaftliche Erhebungen zu ausgewählten Amphibienarten durch. Dadurch kann die Population in einem Schutzgebiet über die Jahre hinweg beobachtet werden, wodurch Bestandsschwankungen sichtbar werden. Um den Arten zusätzlich „unter die Arme zu greifen“ und ihren Lebensraum zu sichern, wurden mehrere Instandhaltungsmaßnahmen an Biotopen oder Neuanlagen von Kleingewässern durchgeführt.

Die nur etwa 3,5 bis 5 cm große Gelbbauchunke erkennt man durch ihre herzförmigen Pupillen und den gelbfleckigen Bauch © RM ESG

Kammmolch-Monitoring

Rheintal | Alle drei Jahre werden in den Vorarlberger Europaschutzgebieten die nach FFH-Richtlinie geschützten Amphibienarten Kammmolch (Triturus cristatus) und Gelbbauchunke (Bombina variegata) erhoben. In Vorarlberg befindet sich abseits des Rheindeltas das bedeutendste Kammmolch-Vorkommen in der Oberen Mähder bei Lustenau. Ein ehemaliger Nebenarm des Alpenrheins beherbergt heute eine Vielzahl an Kleingewässern, die sogenannten Seelachenbiotope. Mit Hilfe von Reusen, welche am Abend in das Gewässer eingebracht und am nächsten Morgen kontrolliert wurden, konnten insgesamt 159 Kammmolch-Individuen nachgewiesen werden. Die Erhebungen wurden Anfang Mai während der Paarungszeit durchgeführt, da die Kammmolche zu dieser Zeit recht aktiv und mobil sind und somit häufiger in die Reusen gelangen.

Seelachenbiotope – Die verkrauteten Gewässer beherbergen eine Vielzahl an Tierarten. Nur bei zu starkem Pflanzenwachstum müssen sie geräumt werden<br /> © RM ESG

Kammmolch-Monitoring mittels Reusen: Am Morgen werden die Reusen kontrolliert und die Molche wieder zurück gesetzt © RM ESG

Auendynamik durch Menschenhand

Rheintal | An den oben beschriebenen Seelachenbiotopen wurden im Februar 2024 Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Durch Laubeintrag, Pflanzenwachstum etc. verlanden die Gewässer mit der Zeit. In natürlichen Flussauen würden durch dynamische Prozesse stetig neue Kleingewässer entstehen. Aufgrund von Hochwasserschutzmaßnahmen finden diese Prozesse in den Vorarlberger Tallagen kaum mehr statt. Der Mensch kann aber durch gezielte Pflegemaßnahmen diese Prozesse imitieren. So wurden von den 20 Gewässern am Seelachendamm insgesamt sechs mittels Bagger und Mähkorb geräumt. Ein Teil der Schlammsohle bleibt erhalten, überschüssiges Pflanzenmaterial wird jedoch entfernt. Der nächste Eingriff wird erst bei entsprechender Verlandung wieder notwendig sein. In den angrenzenden Streuwiesen der Oberen Mähder wurde zudem ein Graben abgeflacht und ökologisch aufgewertet. Ein großer Dank gilt der Marktgemeinde Lustenau, welche als Eigentümerin der Flächen und mit ihren Bauhofmitarbeitern die Maßnahmen durchgeführt hat.

Vom Bauhof Lustenau aufgewerteter Graben in der Oberen Mähder © RM ESG

Das Kammmolchmännchen bildet in der Paarungszeit einen gezähnten Rückenkamm aus © Die-nATurknipser

Die Gelbbauchunke erobert sich ihren Lebensraum zurück

Walgau | Es ist soweit: Die Gelbbauchunke ist wieder in die Sponda-Weiher im Frastanzer Ried zurückgekehrt. Seit 2022 wurden für die sechs nachgewiesenen Amphibienarten in den Sponda-Weihern sukzessive Lebensraum verbessernde Maßnahmen umgesetzt, die nun auch kleine Laichbecken für die Gelbbauchunke umfassen. Um die ehemals „große bis sehr große Population“ der europaweit streng geschützten Art war es in den letzten beiden Jahrzehnten ruhig geworden. Gemeinsam mit den Moordetektiven der Mittelschule und mit Unterstützung der Marktgemeinde Frastanz konnten zwei Teichbecken als Laichgewässer für die Gelbbauchunke eingebaut werden. Binnen drei Wochen konnten die ersten Unken am „Pool“ gesichtet und von den Schülerinnen und Schülern der Mittelschule bestaunt werden. Eine erfolgreiche Reproduktion der Art über Frühling und Sommer unterstreicht die Notwendigkeit von fischfreien Laichgewässern für die Unke.

Die Sponda-Weiher im Frastanzer Ried bieten sechs von zehn heimischen Amphibienarten einen Lebensraum @ Gerlinde Wiederin

„Hands-on“ hieß es für die Moordetektive der NMS Frastanz bei der Anlage von Laichgewässern für die Gelbbauchunke im Frastanzer Ried @ Gerlinde Wiederin

Viel Begeisterung und Interesse für unsere Amphibien brachten die Schülerinnen und Schüler der NMS Frastanz im Freifach „Moordetektive“ mit @ Gerlinde Wiederin

Im Frastanzer Ried wurden zwei Teichbecken zusätzlich zu den zwei großen Sponda-Weihern als Laichgewässer für die Gelbbauchunke eingebaut © RM ESG

Sekundärer Lebensraum für die Gelbbauchunke

Bregenzerwald / Rheintal / Bodensee | Gelbbauchunken sind ursprünglich Bewohner von natürlichen Flussauen, in welchen die Dynamik des Flusssystems die Entstehung von temporären Gewässern fördert. Heutzutage weichen die Unken auf unterschiedliche, meist vegetationsarme Kleingewässer aus, welche oft durch Menschenhand geschaffen wurden. So befindet sich auf der alten Wälderbahntrasse zwischen Bregenz und Bozenau ein durchaus bedeutendes Vorkommen der Gelbbauchunke. In Tümpeln, welche teilweise direkt auf der Trasse oder auch in den Entwässerungsgräben der Trasse entstehen, finden sich jedes Frühjahr dutzende Gelbbauchunken zur Fortpflanzung ein. Neben Erhebungen wurden 2024 mehrere verlandete Biotope freigeräumt, sodass sie für die Gelbbauchunken wieder nutzbar sind.

Gelbbauchunkentümpel auf der alten Wälderbahntrasse in der Bregenzerachschlucht © RM ESG

In Bangs-Matschels werden Fahrspuren auf Bewirtschaftungswegen von unserer heimischen Unke besiedelt. Unbefestigte Wege werden in unserer Landschaft immer seltener. In der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs werden diese daher schon als gefährdet eingestuft. Um das Angebot an geeigneten Gewässern zu erhöhen, wurden in den letzten Jahren zusätzlich Biotopkomplexe angelegt, welche auch erfolgreich von der Gelbbauchunke besiedelt werden. Bei den Erhebungen 2024 in Bangs-Matschels konnten an einem Tag 33 adulte Gelbbauchunken und Jungtiere sowie etliche Laichballen und Kaulquappen nachgewiesen werden.

Das Rheindelta beherbergt ein bedeutendes Gelbbauchunken-Vorkommen. Mit der Anlage und Pflege von Kleingewässern werden auch hier Lebensräume für die Gelbbauchunke geschaffen. 2024 wurden in Zusammenarbeit mit dem Motorboot-Segelsportverein Schwedenschanze mehrere Tümpel gepflegt und reaktiviert.

Solche temporär Wasser führende Tümpel in Fahrspuren werden von der Gelbbauchunke gerne als Fortpflanzungsbiotop angenommen © RM ESG

Die Eier werden in der Regel in kleinen Laichklumpen (meist 10-20 Eier) an Grashalmen oder ähnlichen Strukturen befestigt © RM ESG

Amphibien sind eine heutzutage stark bedrohte Tiergruppe. Durch Monitoring und Umsetzung von Lebensraum verbessernden Maßnahmen kann dem Rückgang der Amphibien entgegengesteuert werden. Ziel des Regionsmanagements ist es, einen positiven Populationstrend in den Europaschutzgebieten durch die umgesetzten Maßnahmen in den kommenden Jahren zu erreichen.

Text: Romana Steinparzer, Thomas Kühmayer
Veröffentlichung: 5. März 2025

Die Seelache, ein trockengefallener ehemaliger Bachlauf mit reichem Röhricht- und Gehölzbestand, ist Teil des Europaschutzgebietes Gsieg-Obere Mähder in Lustenau. Von den größeren Weihern bis hin zu den nur zeitweise wasserführenden Tümpeln finden sich hier eine Vielzahl an Feuchtbiotopen mit überregionaler Bedeutung für unsere heimischen Amphibienarten. So ist in der Seelache nach dem Rheindelta das zweitgrößte Vorkommen des streng geschützten Kammmolchs in Vorarlberg dokumentiert. Nicht zuletzt deshalb hat die Instandhaltung der Biotope im Bereich der Seelache oberste Priorität.

Die Gelbbauchunke ist in vegetationsfreien Tümpeln hervorragend getarnt © RM Europaschutzgebiete

Damit Amphibien sich erfolgreich fortpflanzen können, sind Laichgewässer mit geeigneten Vegetationsstrukturen unabdingbar. An der Seelache finden sich mehr als ein Dutzend Weiher und Tümpel von unterschiedlicher Größe und Ausstattung. Die darin vorkommenden Molcharten Kammmolch, Teichmolch und Bergmolch benötigen Gewässer mit Wasserpflanzen, an deren Blätter sie ihre Eier ablegen können. Gelbbauchunken hingegen bevorzugen Flachgewässer, die vegetationsarm sind und zeitweise sogar trockenfallen. Die Gelbbauchunke besiedelt von Natur aus dynamische Lebensräume in Fluss- oder Bachauen, bei denen aufgrund der natürlichen Überschwemmungsdynamik stetig offene Pionierstandorte zur Verfügung stehen. In unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft sind Flussläufe mit einem natürlichen Abflussregime nur noch vereinzelt vorhanden, weshalb für den Erhalt von Lebensräumen für die Gelbbauchunke vielfach aktiv nachgeholfen werden muss. Hierzu zählt beispielsweise das Entfernen von Ufervegetation oder von Bodengrund. Dabei ist die Gelbbauchunke schon mit wenigen Quadratmeter großen Tümpeln zufrieden und nutzt für die Ablage ihrer kleinen Laichklumpen mitunter auch Vertiefungen in Fahrspuren von Bewirtschaftungswegen.

Habitatpflege in der Praxis

Vollständig mit Goldruten bewachsene oder verlandete Biotope bieten keinen Lebensraum mehr für Amphibien © RM Europaschutzgebiete

Für die Instandhaltung von Feuchtbiotopen ist maschinelle Unterstützung erforderlich © RM Europaschutzgebiete

Bei einem gemeinsamen Lokalaugenschein mit Mitarbeitern der Marktgemeinde Lustenau wurde von Seiten des Regionsmanagements für das Jahr 2023 die Instandhaltung von vier Feuchtbiotopen vorgeschlagen. Durch eine über mehrere Jahre andauernde Planung und kontinuierliche Umsetzung von Pflegemaßnahmen wird gewährleistet, dass stets Gewässer unterschiedlicher Sukzessionsstadien vorhanden sind und somit die Lebensraumansprüche der verschiedenen Amphibien-Arten entsprechend Berücksichtigung finden. Bereits seit vielen Jahren sind die Mitarbeiter der Marktgemeinde Lustenau wichtige und wertvolle Partner für den Erhalt des Schutzgebietes Gsieg-Obere Mähder. Die notwendigen Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen für die Schutzgüter werden nicht nur positiv mitgetragen und teilweise auch durch die Mitarbeiter des Bauhofes umgesetzt, sondern auch finanziell von der Gemeinde unterstützt. So sind für die anfallenden Kosten der Instandsetzung der Feuchtbiotope im Jahr 2023 zu gleichen Teilen die Marktgemeinde Lustenau und der Vorarlberger Naturschutzfonds aufgekommen. Die Koordination als auch die Einholung der behördlichen Bewilligungen und die Begleitung der Maßnahmen vor Ort erfolgte durch das Regionsmanagement Rheintal. Die Instandhaltung der Feuchtbiotope wurde Mitte Februar 2023 in Angriff genommen. Bei niedrigen Temperaturen und trockenen Witterungsverhältnissen kann trotz Einsatzes eines Baggers auf eine möglichst bodenschonende Umsetzung geachtet werden.

Feuchtbiotope nach Abschluss der Aufwertungsmaßnahmen © RM Europaschutzgebiete

Auch die kleinflächigen Biotope bieten wertvollen Lebensraum © RM Europaschutzgebiete

Im Jänner 2023 führten die Mitarbeiter des Bauhofes Lustenau außerdem entlang des beliebten Spazierweges des Seelachendammes umfassende Gehölzpflegemaßnahmen durch. Dabei stand die Wege- und Sturmsicherung im Vordergrund. Insbesondere vom Eschentriebsterben befallene Bäume entlang des Weges wurden für eine sichere Nutzung der Spazierwege gefällt. Darüber hinaus wurden aber auch lebensraumverbessernde Maßnahmen für Vögel, Kleinsäuger, Amphibien und Insekten umgesetzt, indem Sichtschneisen auf die angrenzenden Streuewiesen freigehalten und anfallendes Astmaterial vor Ort als wertvolle Rückzugsstrukturen aufgeschichtet wurden.

Anfallendes Astmaterial wird vor Ort als Rückzugsstrukturen für Kleinsäuger und Insekten aufgeschichtet © RM Europaschutzgebiete

Durch dieses gemeinsame Engagement der Marktgemeinde Lustenau und des Regionsmanagements konnte im Europaschutzgebiet Obere Mähder bereits zu Jahresbeginn ein besonderes und wichtiges Refugium für seltene Arten aufgewertet werden. Allen Beteiligten und Mitwirkenden gebührt ein großer Dank für die Planung und Umsetzung dieser wertvollen Maßnahmen und den Einsatz für den Schutz dieser bedrohten Tierarten.

Die Biotope im Bereich der Seelache wurden außerdem im Zuge der Landschaftsreinigung mit tatkräftiger Unterstützung von Freiwilligen von unerwünschtem Müll befreit © RM Europaschutzgebiete

Charakteristisch für den Kammmolch ist die gefleckte orange bis gelbe Bauchseite © Daniel Leissing

Bergmolche haben eine ungefleckte, orange Bauchseite. Dieses Männchen trägt gerade seine farbenprächtige Wassertracht © Daniel Leissing

Europaschutzgebiet Gsieg-Obere Mähder

Fläche: 73,1 ha
Höhe: 410 m. ü. A.
Lage: im nördlichen Rheintal, süd-östlich von Lustenau

Weitere Infos: Europaschutzgebiet Gsieg-Obere Mähder

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