Am 21. Mai 1992 wurde vor 33 Jahren der Grundstein für das weltweit größte Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“ gelegt. In Europa sind rund um diesen Tag alle aufgerufen, den Reichtum an Pflanzen und Tieren in Europaschutzgebieten (Natura 2000-Gebieten) zu entdecken und zu erleben.

So viele Tier- und Pflanzenarten wie möglich im Europaschutzgebiet Frastanzer Ried zu dokumentieren – das ist das Ziel beim diesjährigem Natura 2000-Bioblitz in Vorarlberg. Von Samstag, 17. bis Sonntag, 25. Mai 2025 soll dort eine Woche lang die außergewöhnlich große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren erfasst werden.

Mit der ObsIdentify-App lassen sich von befestigten Wegen aus Arten einfach dokumentieren und nebenbei wird die eigene Artenkenntnis verbessert © inatura Erlebnis Naturschau

Machen Sie mit beim BioBlitz im Frastanzer Ried!

Melden Sie in der Woche von Samstag, 17. bis Sonntag, 25. Mai 2025 alle Tier- und Pflanzenarten im Frastanzer Ried, die Ihnen dort vor die Linse kommen! Dazu brauchen Sie kein Biologiestudium, ja nicht einmal Artenkenntnis ist von Nöten. Nur ein Handy und die App ObsIdentify. Wie geht das? Die App ObsIdentify kostenlos auf das Handy laden, ein Foto von dem Tier oder einer Pflanze machen, mithilfe der App bestimmen lassen und mit einem Klick auf die Meldeplattform Observation.org hochladen. Ihre Naturbeobachtungen werden dort automatisch dem BioBlitz Frastanzer Ried zugeordnet.

Und dann? Ihre gemeldeten Fotos werden auf Observation.org von Expertinnen und Experten geprüft und freigeschaltet. So entsteht aus Ihren Naturbeobachtungen ein Datenschatz von hoher wissenschaftlicher Qualität, der für Grundlagenforschung und Naturschutz in Vorarlberg zur Verfügung steht. Sie helfen unmittelbar mit, die Natur Vorarlbergs zu erhalten.

Naturbeobachtungen melden darf Spaß machen – ein Ausflug mit Ihrer Familie und Freunden macht die Teilnahme am BioBlitz im Europaschutzgebiet Frastanzer Ried zu einem besonderen Erlebnis.

Kann man auch außerhalb dieser Woche Naturbeobachtungen melden? Ja – das ganze Jahr über sind Ihre Naturbeobachtungen aus ganz Vorarlberg mittels ObsIdentify willkommen! Die inatura ist offizieller Kooperationspartner von Observation.org.

Hilfe zur App ObsIdentify – Die Natur mit einem Klick bestimmen | Inatura Erlebnis Naturschau

Alle erhobenen Daten im Natura 2000-Gebiet Frastanzer Ried zwischen 17. und 25. Mai 2025 nehmen automatisch am Bioblitz zum Natura 2000-Tag teil.

Was uns am Herzen liegt – naturbewusstes Verhalten

Bitte denken Sie daran, dass Sie sich in einem sensiblen Schutzgebiet befinden, daher bitte

  • keine Pflanzen beschädigen oder sammeln
  • keine Tiere stören
  • auf befestigten Wegen bleiben – auch zur Dokumentation der Beobachtungen
  • Hunde an die kurze Leine (max. 1,5 m) nehmen lt. Hundehalteverordnung der Marktgemeinde Frastanz

Die Blüte der Sibirischen Schwertlilie lockt zum BioBlitz ins Frastanzer Ried © Daniel Leissing

Entdecken und melden Sie Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt mittels der ObsIdentify-App © RM Europaschutzgebiete

Der Hauhechel-Bläuling überrascht mit seiner Farbenpracht © Daniel Leissing

Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 

„Natura 2000“, das weltweit größte Schutzgebietsnetzwerk mit über 27.000 Natura 2000-Gebieten in der EU erstreckt sich von Meeresgebieten bis in die höchsten Gebirgsregionen. Am 21. Mai – dem „Natura 2000-Tag“ feiern wir die Naturvielfalt Europas!

Vorarlberg zählt mittlerweile 39 Natura 2000-Gebiete, auch Europaschutzgebiete genannt.

Die Vielfaltertage 2024 verzeichnen eine beeindruckende Bilanz: 90 Einsatztage, 819 engagierte Freiwillige von Jung bis Alt und insgesamt 2.604 geleistete Arbeitsstunden in zwölf Europaschutzgebieten. Unter der Anleitung der Regionsmanagerinnen und Regionsmanager und mit Unterstützung von Gebietsbetreuenden wurden Neophyten entfernt, Gehölze geschnitten, Biotope instandgesetzt und neue Lebensräume geschaffen. Ein herzliches Dankeschön an die vielen Beteiligten, durch deren Unterstützung diese wertvollen Pflegemaßnahmen erst ermöglicht werden!

Vielfaltertag im Frastanzer Ried: die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Klaus-Weiler-Fraxern beseitigten fleißig größere Bestände des invasiven Japanknöterichs © RM ESG

Die „Vielfaltertage“ sind ein integraler Bestandteil des jährlichen Programms des Regionsmanagements in den Vorarlberger Europaschutzgebieten. Ziel ist es, durch die Unterstützung freiwilliger Helferinnen und Helfer aktiven Naturschutz zu betreiben, indem wertvolle Lebensräume gepflegt oder wichtige Habitate neu geschaffen werden.

Mit Rechen, Motorsense und viel Ausdauer werden Neophyten entfernt © RM ESG

Auf feuchten bis nassen Standorten kann das in den Berglagen Asiens heimische Drüsige Springkraut dominante Bestände bilden. Motivierte Freiwillige leisten durch das Ausreißen in geschützten Streuwiesen einen wichtigen Beitrag zur Regulierung des Springkrauts © RM ESG

Von Menschen gestaltete Lebensräume

Viele der wertvollen Naturjuwele in Vorarlberg sind Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. Die regelmäßige Nutzung und Pflege dieser extensiv bewirtschafteten Flächen spielen eine entscheidende Rolle für ihren Erhalt. Ohne Bewirtschaftung würden viele Alpweiden, Streu- und Magerwiesen zunehmend verbuschen, wodurch zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren würden. Zudem verdrängen invasive Neophyten, also eingeschleppte Pflanzenarten, die heimische Flora. Auch hier kann der Schutz der Biodiversität durch gezielte Maßnahmen unterstützt werden. Durch die intensivere Nutzung der Landschaft sind jedoch vielerorts wertvolle und sensible Lebensräume verloren gegangen oder zurückgedrängt worden. Die gezielte Schaffung solcher Lebensräume ist daher von großer Bedeutung, um den Fortbestand vieler spezialisierter Tier- und Pflanzenarten zu sichern.

Vielfältige Lebensräume, vielfältige Maßnahmen

Ein alljährlicher Schwerpunkt der Vielfaltertage ist die Zurückdrängung von Neophyten und Problempflanzen, die sich in extensiv bewirtschafteten Flächen wie Magerwiesen und Streuwiesen oder entlang von Bächen dominant ausbreiten. In den Riedgebieten der Tallagen geht es vor allem dem Springkraut und den Goldruten an den „Kragen“. In den Berglagen macht vielfach der Adlerfarn Probleme, wenn er wertvolle Magerwiesen und Alpflächen überwuchert. Mit 60 Vielfaltertagen wurde ein Großteil der Arbeitseinsätze im Kalenderjahr 2024 der Zurückdrängung von Neophyten und Problempflanzen gewidmet.

Bei vielen Vielfaltertagen wurden Drüsiges Springkraut und Goldrute aus Streuwiesen der Tallagen entfernt © RM ESG

Inmitten der Streuwiesen des Frastanzer Rieds trägt das händische Entfernen von ortsfremden Goldruten zur Förderung der lokalen Artenvielfalt bei © RM ESG

Nicht nur reaktiv, sondern auch präventiv kann die Ausbreitung von invasiven Neophyten und anderen Problempflanzen gehandhabt werden. In der Bregenzerachschlucht wurden Böschungen, die im Zuge der Erneuerung einer Fischaufstiegshilfe entstanden sind, mit standortangepassten Weidenstecklingen bepflanzt. Ziel ist der rasche und flächige Bewuchs mit heimischen Pflanzen, in denen Neophyten bestenfalls gar nicht erst Fuß fassen können.

Eine weitere Pflegemaßnahme ist das gezielte Zurückschneiden von Gehölzen, um den offenen Charakter bestimmter Lebensräume zu bewahren. Dies kommt in den Riedgebieten der Tallagen den gefährdeten Wiesenbrütern wie Großer Brachvogel oder Braunkehlchen zugute, die einen weiten Überblick in ihrem Brutrevier bevorzugen. Auch für den Neuntöter wurden gezielte Maßnahmen in der Brazer Allmein umgesetzt. Diese Vogelart nutzt bevorzugt einzelstehende und dichtwüchsige Gehölze in der halb-offenen Weidelandschaft als Bruthabitat. Ebenso ergeht es dem Birkhuhn, das auf strukturreiche Alpweiden angewiesen ist und bei immer dichter wachsenden Alpenrosengebüschen zunehmend geeignete Lebensräume einbüßt. Das Offenhalten von Alpweideflächen steht deshalb im Europaschutzgebiet Verwall jedes Jahr aufs Neue im Fokus der Vielfaltertage.

Freiwillige helfen tatkräftig beim Schwenden von Alpenrosen mit und erhalten dadurch wertvollen Lebensraum für das Birkhuhn © RM ESG

In den Riedgebieten des Rheintals wird das traditionelle Schneiden von Kopfweiden fortgeführt © RM ESG

Gehölzpflege wird in den Riedgebieten der Tallagen nur in den Wintermonaten durchgeführt © RM ESG

Gehölze werden aber nicht nur zurückgeschnitten, sondern auch gezielt als Futterpflanzen, Sitzwarten oder Nistbäume gepflanzt. Im Rheindelta wurden 2023 bereits im Rahmen von Vielfaltertagen Gehölze wie Hartriegel für Braunkehlchen und Orpheusspötter gesetzt. 2024 wurden die Gehölze betreut und Ausfälle durch Neupflanzungen ersetzt. Nur so kann langfristig garantiert werden, dass passende Lebensräume für diese zum Teil seltenen Vogelarten vorhanden sind.

Darüber hinaus wurden noch weitere wichtige Artenfördermaßnahmen mit vielen fleißigen Händen erfolgreich umgesetzt. Im Rheindelta wurden die Brutfloße der Flussseeschwalben gereinigt und repariert. Für Fledermäuse wurden spezielle Nistkästen instandgesetzt und ausgebracht. Und auch für die Zauneidechsen wurden neue Lebensräume gezielt gefördert. Im Fohramoos konnte durch die Erneuerung eines Holzbohlenweges eine wertvolle Lenkungsmaßnahme verwirklicht werden.

Die Brutfloße für die Flussseeschwalbe müssen regelmäßig in Schuss gehalten werden - auch hier helfen freiwillige Helferinnen und Helfer mit © RM ESG

Die Organisation von 90 Vielfaltertagen ist keine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren setzt das Regionsmanagement auf bewährte Partnerschaften und Kooperationen, wie etwa mit den Ortsgruppen der Vorarlberger Naturwacht, der inatura, dem Naturpark Nagelfluhkette, dem Biosphärenpark Großes Walsertal, dem Alpenverein Vorarlberg, den MACHWAS-Tagen der aha-Jugendinfo Vorarlberg oder dem Bergwaldprojekt. Ein herzliches Dankeschön geht an die Gebietsbetreuerinnen und Gebietsbetreuer und an die Gemeinden sowie Grundbesitzenden, die mit ihrer Expertise, Arbeitszeit, Materialtransport und Abfallentsorgung oder einer Jause maßgeblich zum Gelingen der Vielfaltertage beitragen. Ganz besonders danken möchten wir allen freiwilligen und engagierten Helferinnen und Helfern, die durch ihren Einsatz den Erfolg der Vielfaltertage erst ermöglichen.

Vielen Dank für euren unermüdlichen Einsatz zum Schutz unserer heimischen Biodiversität!

Gemeinsam anpacken und mit Freude in der Natur arbeiten © RM Europaschutzgebiete

Die Gehölzpflege zur Förderung der Lebensräume des Neuntöters in der Brazer Allmein zählt zum jährlichen Fixpunkt in der Region Montafon-Klostertal© RM ESG

Nur durch die tatkräftige Unterstützung von vielen Freiwilligen können die wertvollen Pflegemaßnahmen umgesetzt werden © RM ESG

Vielfaltertage 2025 – wann und wo?

Auch im Jahr 2025 wird wieder eine bunte Palette an Vielfaltertagen angeboten und zum gemeinsamen Schaffen eingeladen. Weitere Infos zu den Terminen finden sich unter www.naturvielfalt.at/vielfaltertage

Text: Raphael Hoschek
Veröffentlichung: 5. März 2025

In einem Natura 2000-Gebiet so viele Tier- und Pflanzenarten wie nur möglich dokumentieren – das ist das Ziel bei diesem EU-weiten Bioblitz! Entdecken Sie mit uns gemeinsam vom 18. bis 26. Mai 2024 die Naturvielfalt im Schutzgebiet Bangs-Matschels in Feldkirch, welches in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert, und melden Sie uns Ihre Beobachtungen über die kostenlose Obsidentify-App.

Mit der Obsidentify-App lassen sich Arten einfach dokumentieren und nebenbei wird die eigene Artenkenntnis verbessert © RM Europaschutzgebiete

Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 

Am 21. Mai 1992 wurde der Grundstein für das weltweit größte Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“ geschaffen. Mittlerweile gibt es über 27.000 Natura 2000-Gebiete in der EU – ein vielfältiges Schutzgebietsnetz, das sich von Meeresgebieten bis in die höchsten Gebirgsregionen erstreckt. An diesem Tag erinnern wir uns daran, dass wir alle gemeinsam Verantwortung zur Erhaltung der Artenvielfalt in Europa tragen. Wir feiern gemeinsam die Naturvielfalt Europas!

Vorarlberg zählt mittlerweile 39 Natura 2000-Gebiete, auch Europaschutzgebiete genannt.

Was ist ein Bioblitz?  

Ein Bioblitz ist eine Aktion, bei der in einem bestimmten Gebiet und in einem bestimmten Zeitraum so viele Arten (Pflanzen, Tiere und Pilze) wie möglich nachgewiesen werden sollen. Die gesammelten Daten können danach für wissenschaftliche Zwecke und für eine effektive Naturschutzarbeit verwendet werden, z.B. Rote Listen, Erstnachweise/Wiederfunde von Arten etc.

Mit Handy-App und automatischer Bilderkennung von Observation.org können Naturbeobachtungen für die Datenbank zur Artenvielfalt Vorarlbergs an der inatura erfasst werden. Die Daten werden von Expertinnen und Experten überprüft und stehen dem Vorarlberger Artenschutz zur Verfügung.

Auf folgender Seite der inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn finden Sie eine einfache Anleitung zur Installation der benötigten App ObsIdentifyTeilen Sie uns Ihre Beobachtungen mit | Inatura Erlebnis Naturschau

Natur erkunden und die eigene Artenkenntnis erweitern - und dabei wichtige Daten für die Artenschutz in Vorarlberg sammeln!

Bangs-Matschels nimmt am Bioblitz zum Natura 2000-Tag teil

In einer verlängerten Woche rund um den Natura 2000-Tag wollen wir mit einem Bioblitz vom 18. bis 26. Mai 2024 den Artenreichtum in einem Natura 2000-Gebiet dokumentieren. Entdecken Sie aus diesem Grund mit uns gemeinsam die Naturvielfalt im Schutzgebiet Bangs-Matschels in Feldkirch, welches in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Melden Sie alle Tier- und Pflanzenarten, die Ihnen draußen in der Natur vor die Linse kommen! Jede Beobachtung aus dem Schutzgebiet Bangs-Matschels – zwischen Ill und Rhein bis zur Grenze an das Ruggeller Riet in Liechenstein – die in diesem Zeitraum über die Plattform Observation.org gemeldet wird, wird automatisch unserem Bioblitz zum Natura 2000-Tag zugeordnet.

Ihre gemeldeten Fotos werden auf Observation.org von Expertinnen und Experten zusätzlich geprüft und freigeschaltet. So entsteht ein Datenschatz von hoher wissenschaftlicher Qualität.

Alle erhobenen Daten im Natura 2000-Gebiet Bangs-Matschels zwischen dem 18. und 26. Mai 2024 nehmen automatisch am Bioblitz zum Natura 2000-Tag teil.

Naturbewusstes Verhalten

Nehmen Sie an diesem Bioblitz teil und erfreuen Sie sich an der Naturvielfalt in Bangs-Matschels. Motivieren Sie gerne auch Familienmitglieder und Freunde für ein gemeinsames Naturerlebnis.

Bitte denken Sie jedoch daran, dass Sie sich in einem sensiblen Schutzgebiet befinden:

  • Es dürfen keine Arten beschädigt, gesammelt, gestört oder mitgenommen werden.
  • Sämtliche Beobachtungen im Offenland dürfen nur von den befestigten Wegen aus dokumentiert werden.
  • Hunde sind an einer Leine von max. 1,5 m zu führen.

Naturbewusstes Verhalten erhöht den Naturgenuss durch ungestörte Beobachtungen © inatura Erlebnis Naturschau GmbH

Die Dohle (Coloeus monedula), auch Turmdohle genannt, ist aktuell in Vorarlberg als gefährdet eingestuft. Um die Art zu schützen, wird ein erfolgreiches Schweizer Artenschutzprojekt nun in Vorarlberg weitergeführt. Dabei werden für die Dohle an geeigneten Felsstandorten Nisthilfen befestigt. Zu den ersten Projektgebieten zählen der Schlosshügel und der Kalkofen in Koblach sowie der Hängende Stein in Nüziders.

Die Bergrettung Hohenems befestigt die ersten 13,5 kg schweren Dohlen-Nisthöhlen aus langlebigem Holzbeton an der Felswand © RM Europaschutzgebiete

Bestandsentwicklung der Dohle in Vorarlberg

In Vorarlberg brütet die Dohle vorwiegend im Rheintal und im Walgau. In den 1980er Jahren gab es drei große Kolonien mit je 15-20 Brutpaaren in Götzis an der Ruine Neumontfort, in Koblach am Kummenberg und in Tosters an der Burgruine sowie Kleinkolonien von 2-3 Brutpaaren in Lustenau und bei der Schattenburg in Feldkirch. In den 1990er Jahren erfolgte allerdings eine starke Abnahme und zwei der großen Brutkolonien erloschen vollständig. Gründe dafür waren vor allem der Verlust traditioneller Brutplätze durch Gebäuderenovierungen (z.B. Ruine Neumontfort).

Die etwa taubengroße Dohle ist der kleinste Vertreter der Rabenvögel und erscheint aus der Ferne in einem schwarzen Federkleid. Erst beim näheren Hinsehen reflektiert ihr Federkleid in schillernden Farben. Hinterkopf und Nacken sind silbergrau gefärbt. Ihre hellblauen bis weißen Augen stechen besonders hervor. Bereits im ersten Lebensjahr bindet sich das Dohlen-Paar und bleibt sich ein Leben lang treu. Ab dem zweiten Lebensjahr sucht das Paar nach einem geeigneten Nistplatz. Als Höhlenbrüter nisten sie besonders gern in Gebäudenischen und Mauerlöchern, Kirchtürmen, Dachstühlen und Schornsteinen. Dohlen nutzen aber auch passende Baumhöhlen oder brüten in Felswänden. In der Nähe der Brutgebiete sollten sich Viehweiden, insektenreiche Mähwiesen oder abgeerntete Felder befinden, auf denen sie am Boden nach Nahrung suchen. Als Allesfresser lassen sie sich Würmer, Käfer, Spinnen, Schnecken, Fallobst, Samen und Getreidekörner, aber auch Mäuse, gestrandete Fische und menschliche Abfälle schmecken.

Charakteristisch für die Dohle sind ihre hellblauen Augen und der silbergraue Nacken © Andreas Kirchner

Grenzüberschreitendes Artenförder-Projekt

Dank eines erfolgreichen Artenschutzprojektes auf der Schweizer Rheintalseite, das bereits 2012 ins Leben gerufen wurde, erholte sich der Bestand der Dohle im Raum Oberriet stark und erschloss innerhalb kurzer Zeit auch neue Brutgebiete in Vorarlberg wie am Hängenden Stein oder in Klösterle. Auch die Wahl von ungewöhnlichen Nistplätzen wie den Gewichten an Baukränen in Hohenems und Lustenau weist darauf hin, dass nicht die Nahrungsfindung für die Art der limitierende Faktor ist, sondern viel mehr das Fehlen von geeigneten Brutplätzen. Aus diesem Grund wurde von BirdLife Vorarlberg zusammen mit dem Regionsmanagement Europaschutzgebiete im Rheintal und mit finanzieller Unterstützung durch die Abteilung Umwelt- und Klimaschutz des Landes ein Artenschutzprojekt für die Dohle in Vorarlberg konzipiert, das die Anbringung von Nisthilfen an verschiedenen Felswänden vorsieht.

Die Dohle kehrt als Brutvogel zurück nach Koblach

Die Gemeinde Koblach und die Ortsstelle Hohenems der Bergrettung Vorarlberg haben die Umsetzung des Dohlen-Projekts dankenswerterweise von Beginn an unterstützt und mitgetragen. Bei einer gemeinsamen Begehung mit dem Gemeindemitarbeiter Philipp Zauner (Forst, Landwirtschaft und Umwelt) und Fabian Rüdisser (Ortsstellenleiter Bergrettung Hohenems) sowie dem Schweizer Projektverantwortlichen Roger Dietsche, der Ornithologin Johanna Kronberger (BirdLife) und Petra Häfele (Regionsmanagerin Europaschutzgebiete Rheintal) wurden Felsbereiche am Schlosshügel und im Kalkofen als geeignete Brutstandorte für die Etablierung der Dohle als Brutvogel ausgewählt.

Beratung beim gemeinsamen Lokalaugenschein zur Festlegung der geeigneten Felsbereiche für die Dohlen-Nisthöhlen © RM Europaschutzgebiete

Sorgsame Umsetzung mit der Bergrettung

Bereits Mitte März 2024 rückte die Ortsgruppe Hohenems mit mehr als 10 Mann bzw. Frau an und befestigte die ersten sieben Dohlen-Nisthöhlen am Schlosshügel. Die Nisthöhlen sind aus langlebigem Holzbeton gefertigt und werden mit zwei Haken in der Felswand befestigt. Bei über 13 kg pro Nisthöhle war dies eine besonders anstrengende Arbeit, welche die bestens ausgebildeten Bergretterinnen und Bergretter zügig und sicher durchführten.

Bereits zwei Tage nach der Befestigung am Schlosshügel in Koblach wurde der Aufwand aller Beteiligten durch die Besiedlung der ersten beiden Nistkästen belohnt! Die Dohlen-Paare sammelten in weiterer Folge eifrig Nistmaterial und haben die ersten erfolgreichen Brutversuche in Koblach seit vielen Jahren absolviert.

Die Bergrettung Hohenems plant die Befestigung der Nisthilfen an der Felswand © RM Europaschutzgebiete

Freiwillige der Bergrettung Hohenems seilen sich zu den geeigneten Felsbereichen ab © RM Europaschutzgebiete

Insgesamt konnten im Frühjahr 2024 sieben Dohlen-Nisthöhlen am Schlosshügel in Koblach befestigt werden © RM Europaschutzgebiete

Und sobald es die Wetterbedingungen zulassen, werden weitere 10-15 Nisthöhlen im Kalkofen in Koblach befestigt. Hierfür wurde ein Felsbereich ausgewählt, in dem weder Kletterrouten verlaufen noch der Uhu an seinem Brutplatz gestört wird. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Grundbesitzerin Agrargemeinschaft Mäder für ihre Zustimmung zu diesem Artenschutzprojekt!

Informationstafeln und Nisthilfen am Hängenden Stein in Nüziders

Der Hängende Stein ist mit ca. 300 Routen ein sehr beliebtes Klettergebiet. Um die Kletter-Begeisterten auf die Brutstandorte der Dohle hinzuweisen, werden in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Nüziders und Ludesch und in Abklärung mit dem Alpenverein drei Informationstafeln aufgestellt. Auf diesen sind die Wandbereiche markiert, wo die Dohlen brüten. Die dort verlaufenden Routen sollten zwischen 15. März. und 15. Juni nicht beklettert werden. Eine Störung während der Brutzeit kann zur Folge haben, dass die Vögel von den Brutplätzen vertrieben werden und ihre Gelege oder die Jungvögel zurücklassen. Aktuell gibt es etwa 15-20 Brutpaare der Dohle am Hängenden Stein.

Die Umsetzungsmaßnahmen am Hängenden Stein sind eine gemeinschaftliche Anstrengung von Respektiere deine Grenzen des Landes Vorarlberg, BirdLife Vorarlberg, den Gemeinden Nüziders und Ludesch und dem Alpenverein Vorarlberg. Das Anbringen der sieben Nisthöhlen wurde in Zusammenarbeit mit der Straßenmeisterei, der Firma HTB sowie der Firma Berger und Brunner, die im Frühjahr die Felsräumungsarbeiten am Hängenden Stein vornimmt, umgesetzt.

Im Zuge der Felsberäumung konnten die Nisthöhlen am Hängenden Stein befestigt werden © Johanna Kronberger

Wegen des ausgeprägten Spieltriebs der Dohlen werden die schwarzen Schraubbefestigungen an der Vorderseite besonders fest angezogen © Johanna Kronberger

Geschützt unter einem Felsvorsprung werden die Dohlennisthöhen von den Profis der Felsberäumungsfirma befestigt © Johanna Kronberger

Sieben Nisthöhlen am Hängenden Stein stehen den felsenbrütenden Dohlen nun als Brutstandort zur Verfügung © Johanna Kronberger

Weitere sensible Gebiete und felsbrütende Vogelarten in Vorarlberg

Auch an anderen beliebten Klettergebieten in Vorarlberg wie dem Känzele oberhalb von Kennelbach ist während der Frühjahrs- und Sommermonate Rücksichtnahme angebracht. Unter Felsvorsprüngen oder in Spalten brüten seltene Vogelarten wie der Uhu, die Felsenschwalbe und der Wanderfalke. Sportlerinnen und Sportler können im Sinne des Naturschutzes agieren, indem sie generell Störungen vermeiden, Abstand zu Nestern halten, sich über die Schonzeiten informieren und keine neuen Routen in sensiblen Bereichen erschließen.

Felsen- und höhlenbrütende Vogelarten

Sport- und Freizeitaktivitäten in Felswänden bewegen sich im Lebensraum verschiedener, teils sensibler Vogelarten. Durch gemeinsames Engagement und naturbewusstem Verhalten ist ein Nebeneinander von Mensch und Vögeln auch am Fels möglich.

 

Weitere Informationen die Natur in Vorarlberg bewusst und naturverträglich zu erleben, bietet die Homepage von Respektiere deine Grenzen.

Text: Petra Häfele
Veröffentlichung: März 2024

74 Vielfaltertage, 485 teilnehmende Freiwillige und 1.700 Arbeitsstunden in 12 Europaschutzgebieten – das ist die beeindruckende Bilanz der Vielfaltertage 2023. Unter Anleitung der Gebietsbetreuenden und des Regionsmanagements Europaschutzgebiete wurden Neophyten ausgerupft, Gehölze zurückgedrängt, Biotope instandgesetzt und neue Lebensräume geschaffen. Ein großes Dankeschön geht an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ohne die diese Arbeitseinsätze nicht möglich wären!

Vielfaltertage 2023 - den Goldruten geht es an den Kragen © RM Europaschutzgebiete

Die so genannten „Vielfaltertage“ sind ein fester Bestandteil der jährlichen Aktivitäten des Regionsmanagements Europaschutzgebiete. Dabei geht es um die Pflege oder Neuanlage von naturschutzfachlich wertvollen Lebensräumen unter Mitwirkung freiwilliger Helferinnen und Helfer, die sich aktiv für den Naturschutz einsetzen wollen.

Lebensräume von Menschenhand

Viele wertvolle Naturjuwele in Vorarlberg sind Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. Die regelmäßige Nutzung und Pflege dieser extensiv bewirtschafteten Flächen sind ein wichtiges Kriterium für deren Erhalt. Denn ohne Zutun des Menschen würden viele Alpweiden, Streu- und Magerwiesen zusehends verbuschen, wodurch zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren würden. Darüber hinaus verdrängen eingeschleppte Pflanzenarten, so genannte invasive Neophyten, die heimische Flora. Auch hier muss nachgeholfen werden, um die heimische Biodiversität zu schützen. Wertvolle und sensible Lebensräume sind durch die intensivere Nutzung der Landschaft aber auch vielerorts verloren gegangen bzw. zurückgedrängt worden. Eine gezielte Anlage solcher Lebensräume sichert den Erhalt von vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten.

Die Streuwiesen in Gsieg-Obere Mähder - von ``Hand`` gemacht © RM Europaschutzgebiete

Vielfalt an Lebensräumen, Vielfalt an Maßnahmen      

Ein alljährlicher Schwerpunkt der Vielfaltertage ist die Beseitigung von Neophyten und anderen Problempflanzen wie Springkraut, Goldrute oder Adlerfarn. In den Riedgebieten des Rheintals und im Frastanzer Ried geht es vor allem Springkraut und Goldrute an den „Kragen“. In den Berglagen macht vielfach der Adlerfarn Probleme, wenn er wertvolle Magerwiesen und Alpflächen überwuchert. Insgesamt wurden im Kalenderjahr 2023 49 Einsätze zur Bekämpfung von Neophyten und Problempflanzen organisiert.

Beherzter Einsatz der freiwilligen Helferinnen und Helfer in Vorarlbergs Riedgebieten © RM Europaschutzgebiete

Vielfaltertag im Frastanzer Ried © RM Europaschutzgebiete

Motivierte Helferinnen und Helfer in Bangs-Matschels © RM Europaschutzgebiete

Vor (links) und nach (rechts) dem Vielfaltertag © RM Europaschutzgebiete

Das Ergebnis kann sich sehen lassen © RM Europaschutzgebiete

Eine andere Maßnahme ist das gezielte Zurückschneiden von aufkommenden Gehölzen, um den offenen Charakter der Landschaft oder eines speziellen Lebensraums, wie z. B. von Mooren, zu bewahren. Dies kommt auch vielen Bodenbrütern oder dem Neuntöter zugute, die gerne einen guten Überblick über ihr Revier bewahren. Ebenso ergeht es dem Birkhuhn, das auf strukturreiche Alpweiden angewiesen ist und bei immer dichter wachsenden Alpenrosengebüschen zunehmend geeignete Lebensräume einbüßt. Das Offenhalten von Alpweideflächen steht deshalb im Europaschutzgebiet Verwall jährlich im Fokus der Vielfaltertage.

Mosaikartiges Schwenden von Alpenrosen für das Birkhuhn im Verwall © RM Europaschutzgebiete

Vielfaltertag auf der Alpe Gibau © RM Europaschutzgebiete

Im Einsatz für das Birkhuhn im Verwall © RM Europaschutzgebiete

Anlegen von Huderstellen für das Birkhuhn © RM Europaschutzgebiete

Eine ausreichende und köstliche Verpflegung darf natürlich nicht fehlen © RM Europaschutzgebiete

Gehölze werden aber nicht nur zurückgeschnitten, sondern teilweise auch gepflanzt. Dies geschieht, wenn sie einen wichtigen ökologischen Wert, zum Beispiel als Futterpflanzen oder Nistbäume haben. Im Rheindelta können sich dank der Vielfaltertage das Braunkehlchen und der Orpheusspötter über neue Gehölze freuen. Kleingewässer, welche für die heimischen Amphibien eine essentielle Lebensgrundlage darstellen, werden gepflegt oder neu angelegt. In der Bregenzerachschlucht ergänzen neu angelegte Pfützen das Lebensraumangebot für Gelbbauchunken im Gebiet. Im Rheindelta wurden die Brutflosse der Flussseeschwalben wie jedes Jahr gereinigt, und für Fledermäuse wurden Nistkästen aufgehängt.

Verbissschutz für Vogelbeeren im Europaschutzgebiet Verwall © RM Europaschutzgebiete

Neue Lebensräume für die Gelbbauchunke im Europaschutzgebiet Bregenzerachschlucht © RM Europaschutzgebiete

Im Einsatz für die Gelbbauchunke © RM Europaschutzgebiete

Kooperationen und Partner

Betreuung der Brutfloße für Schwarzkopfmöwe und Flussseeschwalbe © RM Europaschutzgebiete

70 und mehr Vielfaltertage organisieren sich nicht von allein. Das Regionsmanagement setzt seit Jahren auf bewährte Partner und Kooperationen, darunter die Ortsgruppen der Naturwacht Vorarlberg, der Naturpark Nagelfluhkette und der Biosphärenpark Großes Walsertal, der Alpenverein Vorarlberg, die MACHWAS-Tage des aha-Jugendinfo Vorarlberg oder das Bergwaldprojekt und viele mehr. Ein großes Dankeschön gebührt den Gebietsbetreuerinnen und Gebietsbetreuern, Gemeinden und Grundbesitzenden vor Ort, die die Vielfaltertage mit ihrer Fachexpertise, Arbeitszeit, Materialtransport und Abfallentsorgung oder einer Jause unterstützen. Nicht zuletzt möchten wir uns bei allen freiwilligen und motivierten Helferinnen und Helfern bedanken, die die Vielfaltertage in dieser Form überhaupt ermöglichen. Danke für euren unermüdlichen Einsatz für den Erhalt unserer heimischen Biodiversität!

Kooperation mit den MACHWAS-Tagen des aha Jugendinfo Service. Danke an die HAK Bregenz (2ea) für die Unterstützung im Europaschutzgebiet Roßbündta © RM Europaschutzgebiete

Voller Einsatz der Schülerinnen und Schüler bei den MACHWAS-Tagen im Frastanzer Ried © RM Europaschutzgebiete

Ein herzliches Dankeschön an die 3a des BG Schillerstraße © RM Europaschutzgebiete

Auch mit der Alpenvereinsjugend Montafon konnte erfolgreich Springkraut beseitigt werden © RM Europaschutzgebiete

Ein herzliches Dankeschön an das Team des Schweizer Bergwaldprojekts © RM Europaschutzgebiete

Vielfaltertage 2024 – wann und wo?

Auch im Jahr 2024 wird wieder eine bunte Palette an Vielfaltertagen angeboten und zum gemeinsamen Schaffen eingeladen. Weitere Infos zu den Terminen finden sich unter www.naturvielfalt.at/vielfaltertage

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