Wiese

Unsere Wiesen – von einheitsgrün zu blütenbunt

Es ist angerichtet: Heimische Wiesen bieten nicht nur der Landwirtschaft heiß begehrtes Grünfutter, sondern auch vielen Hunderten Tier- und Pflanzenarten den idealen Lebens­raum. Aber aufgepasst: Wiese ist nicht gleich Wiese!

Naturvielfalter-Tipp (Faktenbox)
Blumenwiese selber machen in zwei Schritten
Wer einen klassischen Rasen sein Eigen nennt, kann ihn wieder auf­blühen lassen – und damit zur
Naturvielfalt beitragen. Stufe eins: Die Düngung einstellen und nur noch wenige Male im Jahr mähen. Wichtig: Das Schnittgut immer entfernen und so den Nährstoffgehalt des Bodens senken. Für die Blütenvielfalt braucht es danach vor allem Geduld. Man muss der Natur Zeit lassen, denn die Zuwanderung typischer Wiesenpflanzen ist vom Samenflug aus der Umgebung abhängig. Gibt es keine artenreichen Wiesen in der Nähe, empfiehlt sich in Stufe zwei die „Impfung”: Den Rasen entweder mit der Pflanzung von heimischen Kräutern aufwerten oder streifenweise entfernen, um dort gezielt heimische Blütenpflanzen auszusäen. Dann heißt es: abwarten, den wundersamen Wandel im Garten genießen und quasi live die Rückkehr der Natur erleben! Mit der neuen Blütenpracht wird auch wieder ein fleißiges Summen und entspannendes Brummen die Luft erfüllen.

Schöneberg © umg

Fette Weiden sind dünn besiedelt
In den Tallagen sind blühende Wiesen und Weiden rar geworden. Denn bei der modernen Grünlandbewirtschaftung geht es darum, energiereiches Futter mit hohem Eiweißgehalt zu erzeugen. Der Futterwert der Gräser steht im Vordergrund. So dominiert das artenarme Grünland, das hauptsächlich Gräser vorweisen kann.

Hintergrund sind die intensive Düngung und zahlreiche Wiesenschnitte. Wurde früher pro Saison maximal dreimal gemäht und Heu gemacht, sind heute zur Herstellung von Silage fünf und mehr Schnitte die Regel. Das trifft bestäubende Insekten wie Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. hart. Sie sind auf den Pollennektar der Blüten angewiesen. Mit der ständigen Mahd fällt diese Futterquelle aber dauerhaft aus. Eine Ausnahme bildet neben dem gelb blühenden Löwenzahn zum Beispiel der Wiesenkerbel.

Das blühende Leben entsteht dort, wo nicht gedüngt wird
Interessanterweise trägt Mutter Natur besonders dort gerne dick auf, wo es mit den Nährstoffen knapp zugeht: An nährstoffarmen Standorten haben Blühpflanzen weniger Konkurrenz durch Gräser. Sie sind ein kleines Refugium für seltene Pflanzen und Tiere. Damit dies so bleibt, ist es wichtig, landwirtschaftliche Bewirtschaftung anzupassen. Magerwiesen werden nur einmal, und zwar nach der Blüte, gemäht und nicht gedüngt. Der richtige Mähzeitpunkt ist entscheidend, damit die Blühpflanzen Samen zur Vermehrung bilden können.

Deswegen sollten noch vorhandene Blumenwiesen so bewirtschaftet werden, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt. Denn sind die Blumen erst verschwunden, kommen sie so schnell nicht wieder.

Wiesenarten
Vorarlbergs Naturvielfalt ist groß – und fängt schon bei der Wiese an. Hier gibt es einen Überblick über die wichtigsten Wiesenarten.

© Markus Burtscher

Magerwiesen
Bis vor wenigen Jahrzehnten war dieser Lebensraumtyp eine der häufigsten Wiesengesellschaften Mitteleuropas.
Mit einem ausgewogenen Verhältnis aus Gräsern und Kräutern zählt dieses Urbild einer Wiese zu den artenreichsten Pflanzengemeinschaften.

© umg

Fettwiesen
Traditionell wurden Fettwiesen zur Heugewinnung zwei- oder dreimal im Jahr geschnitten. Intensiv genutzte Fettwiesen werden heute bis zu sechsmal pro Jahr geschnitten, das Schnittgut wird meist nicht als Heu getrocknet, sondern durch Silage konserviert. Je intensiver die Nutzung ist, desto geringer fällt die Artenvielfalt einer Fettwiese aus.

© umg

Streuobstwiesen
Streuobstwiesen sind eine traditionelle Form des Obstbaus und beheimaten eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten. Diese traditionelle Wirtschaftsform führt zu einem einzigartigen Biotop für unzählige Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Wiesenkräuter. Durch moderne Landwirtschaft wird dieser Lebensraum immer seltener.

© umg

Moor- und Riedwiesen
Sie sind prägende Landschaftselemente und tragen wesentlich zur Ausprägung der Kulturlandschaft bei. Sie sind wichtige Refugien für die Tierwelt, viele seltene und gefährdete Arten haben hier ihren Lebens- und Rückzugsraum. Ist es kein intaktes Hochmoor, müssen solche Wiesen gepflegt werden, da sie sich sonst wie fast alle Landlebensräume unterhalb der Waldgrenze langsam Richtung Wald entwickeln.

© umg

Alpweiden
Sie sind ursprünglich größtenteils bewaldete Flächen an und unterhalb der Waldgrenze, die vor langer Zeit gerodet wurden. Eine gut bewirtschaftete Alpe weist eine hohe Artenvielfalt auf – andernfalls würden die Flächen zu Buschland werden. Umgekehrt würde eine Intensivierung der Alpwirtschaft mit verstärktem Maschinen- und Düngereinsatz die Naturvielfalt gefährden.

© umg

Subalpin-alpine Lebensräume
In diesen weitestgehend natürlichen bis ursprünglichen Lebensräumen ab 1.500 Höhenmetern sieht die Situation am besten aus: Der menschliche Einfluss ist gering und somit liegt die Artenvielfalt hier auf ihrem natürlichen Niveau.

Naturvielfalter-Tipp

Blumenwiese selber machen in zwei Schritten
Wer einen klassischen Rasen sein Eigen nennt, kann ihn wieder auf­blühen lassen – und damit zur
Naturvielfalt beitragen. Stufe eins: Die Düngung einstellen und nur noch wenige Male im Jahr mähen. Wichtig: Das Schnittgut immer entfernen und so den Nährstoffgehalt des Bodens senken. Für die Blütenvielfalt braucht es danach vor allem Geduld. Man muss der Natur Zeit lassen, denn die Zuwanderung typischer Wiesenpflanzen ist vom Samenflug aus der Umgebung abhängig. Gibt es keine artenreichen Wiesen in der Nähe, empfiehlt sich in Stufe zwei die „Impfung”: Den Rasen entweder mit der Pflanzung von heimischen Kräutern aufwerten oder streifenweise entfernen, um dort gezielt heimische Blütenpflanzen auszusäen. Dann heißt es: abwarten, den wundersamen Wandel im Garten genießen und quasi live die Rückkehr der Natur erleben! Mit der neuen Blütenpracht wird auch wieder ein fleißiges Summen und entspannendes Brummen die Luft erfüllen.