Der neue Naturraum.Verwall in Partenen © Marie Schilcher
Das Verwall, abgeleitet vom romanischen val bel („schönes Tal“), ist einer der prägenden Gebirgsgruppen im Montafon. Zugleich steht „Verwall“ für das flächenmäßig größte Europaschutzgebiet Vorarlbergs. Die im Juni 2025 eröffnete Ausstellung Naturraum.Verwall in Partenen widmet sich der Vielfalt dieses einzigartigen Lebensraums.
Bereits von Weitem kündigt das prominent platzierte Aussichtsfenster mit Blick auf das Europaschutzgebiet Schuttfluren Tafamunt die Neuerung im Ortszentrum von Partenen im Montafon an. Die große Überraschung erwartet die Besuchenden jedoch hinter der Eingangstür zum Naturraum.Verwall. Wie ein eingestülpter Berg ragen die geneigten Holzwände zur Decke, zahlreiche Exponate und die beeindruckenden Lebensraumbilder der Tiroler Künstlerin Ina Hsu begleiten durch die Ausstellung. Das zentrale Element bildet ein detailreiches Landschaftsmodell, das vom Blockgletscher bis zur Alpwirtschaft tiefe Einblicke in die Lebensräume des Verwall gewährt.
Die außerordentliche Vielfalt des Verwall auf 75 m² - zu sehen im Naturraum.Verwall © Robert Gander
Schutzgebiete als Anziehungspunkte
Eine Ausstellung über Schutzgebiete im Montafon – was bei der Ausweisung der Europaschutzgebiete vor über 20 Jahren kaum denkbar gewesen wäre, ist nach fünf Jahren Vorarbeit Realität geworden. Nicht zuletzt deshalb, da Schutzgebiete im Alpenraum auch touristisch an Bedeutung gewonnen haben. Denn sie bieten genau jene authentischen Naturerlebnisse, die Gäste wie auch Einheimische zunehmend schätzen. Warum sich die wenige hundert Einwohner zählende Ortschaft Partenen als Standort für eine naturkundliche Ausstellung eignet, liegt auf der Hand. Partenen ist ein idealer Ausgangsort für Wanderungen in das Europaschutzgebiet Wiegensee und weiter ins Verwall. Als Start- oder Zielpunkt vermittelt die Ausstellung einen sensiblen Umgang in und mit der Natur, ohne dabei belehrend zu sein.
Trägerin der Ausstellung ist die Gemeinde Gaschurn, die in Kooperation mit dem Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder eine sinnvolle und zukunftsorientierte Nachnutzung für das aufgelassene Tourismusbüro in Partenen gefunden hat. Dank eines LEADER-Projekts konnte der Umbau des in die Jahre gekommenen Gebäudes samt angrenzendem Seniorenraum umgesetzt werden.
Die Lebewelt des Verwall ist Kerninhalt der Ausstellung © NSV Verwall-KBW
Auch die Moore am Wiegensee werden ausführlich behandelt © NSV Verwall-KBW
Klein aber oho
Kuratiert wurde die Ausstellung vom Büro Rath & Winkler zusammen mit dem Atelier Roland Stecher, die mit viel Liebe zum Detail ein repräsentatives Abbild des Verwall auf knapp 75 m² geschaffen haben. Das interaktive Landschaftsmodell verortet die Europaschutzgebiete und Lebensräume in der Montafoner Bergwelt. Begleitet von anschaulichen Wandprojektionen bieten die unterschiedlichen Themenbereiche „Schutzgebiete“, „Naturraum“ und „Kulturlandschaft“ tiefergehende Inhalte, die von den Besuchenden über einen Touchscreen je nach Interesse angesteuert werden können. Einen anderen, weniger technischen Zugang zum Thema wählte die Tiroler Künstlerin Ina Hsu, die mit ihren bunten Lebensraumbildern dazu anregt, die Natur mit offenen Augen zu erkunden. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein gemütlich eingerichteter Nebenraum mit direkter Aufsicht auf die Schutzgebiete. Während man den Geschichten des Autors Jürgen Thomas Ernst über die vielfältige Mensch-Natur-Beziehung lauscht, lässt sich mit etwas Glück die eine oder andere Gams in den steilen Grashängen über Partenen erblicken.
Zahlreiche Exponate machen die Ausstellung zu einem besonderen Erlebnis © Robert Gander
Wer versteckt sich auf den Lebensraumbildern der Künstlerin Ina Hsu? © Robert Gander
Naturvermittlung im Fokus
Der Naturraum.Verwall setzt die Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt in Szene und zeigt auf, wieso ein sensibler Umgang in und mit der Natur von Bedeutung ist. Diese Inhalte möchte man verstärkt auch an Kinder und Jugendliche vermitteln. Ein eigener Ausstellungsführer für Kinder mit den Schutzgebiets-Maskottchen Frieda und Kauzi macht die Ausstellung für das junge Publikum erlebbar. Führungen für Schulklassen und Gruppen werden von Naturführerinnen aus der Region über den Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder organisiert.
Naturvermittlung für Kinder durch Naturführerinnen © Marie Schilcher
Natura 2000 im Montafon
Natura 2000 ist ein europäisches Netzwerk an Schutzgebieten mit dem Ziel, die biologischen Vielfalt zu erhalten. Acht der 39 Europaschutzgebiete Vorarlbergs liegen im Montafon, darunter der Moorkomplex am Wiegensee und das 120 km² große Vogelschutzgebiet Verwall. Was diese Gebiete so besonders macht – darüber weiß der Naturraum.Verwall so manche Geschichte zu erzählen.
Weitere Infos
Naturraum.Verwall
Silvrettastraße 8
6794 Partenen
Öffnungszeiten: täglich, 07:00-22:00 bei freiem Eintritt
Auskünfte sowie Anfragen zu Gruppenführungen an:
Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder, Schruns
verwall.office@natura2000.or.at
Impressum:
Projektträger: Gemeinde Gaschurn
Inhaltliche Leitung: Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Kuratorische Leitung: Rath&Winkler, Projekte für Museum und Bildung
Szenografie: Atelier Roland Stecher
Architektonisches Rohkonzept: Bernhard Breuer
Ausführung und Bauleitung: bauWerk Architektur ZT GmBH
Ein besonderer Dank gilt der Gemeinde Gaschurn, dem Land Vorarlberg, der Illwerke vkw AG, der inatura Erlebnis Naturschau und den Montafoner Museen
Text: Christian Kuehs, Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Jänner 2026

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union
Projektbeschreibung: Regionsmanagement Europaschutzgebiete Montafon-Klostertal 2025-2026
