Eine erste Untersuchung über den Genfluss und die genetische Variabilität der Koppe im Einzugsgebiet der Bregenzerach

Koppe aus der Subersach © Droop

Die Koppe

Die Koppe (Cottus gobio) ist eine typische Kleinfischart der Forellen- und Äschenregion. Anders als die meisten anderen heimischen Fischarten besitzt sie keine Schwimmblase und eine glatte, schuppenlose Haut. Damit ist die Koppe bestens für ein Leben in und auf der Gewässersohle angepasst, gleichzeitig aber auch eine vergleichsweise schwache Schwimmerin. Hindernisse ab einer Höhe von 18-20 cm sind für sie kaum überwindbar, weshalb bereits kleine Querbauwerke die Migration der Art innerhalb eines Fließgewässers erheblich einschränken können. Diese Eigenschaft macht die Koppe zu einer herausragenden Indikatorart für die Konnektivität (biologische Durchgängigkeit) von Fließgewässern.

Darüber hinaus reagiert die Koppe sehr empfindlich gegenüber kurzfristigen Schwall- und Sunkereignissen, verursacht von Kraftwerksbetrieben. Die plötzlichen großen Mengen an Feinsedimenten im Schwallbetrieb können den Kieslückenraum der Gewässersohle, das Tagesversteck und Bruthabitat der Koppe, verstopfen. Ausfälle von Jungfischen und Brut aufgrund des reduzierten Austauschs von Sauerstoff und Stoffwechselendprodukten im Kieslückenraum sind die Folge. Auch das Zurückbleiben von Jung- und Kleinfischen am Flussufer durch den rasch wieder fallenden Wasserpegel beim Abstellen der Kraftwerke (Sunk) nimmt häufig ein letales Ende für Koppen und andere Gewässerlebewesen. Darüber hinaus führt eine Verlegung der Gewässersohle auch zu wesentlich verringerten Dichten an wirbellosen Kleinlebewesen, wie Insektenlarven, der Hauptnahrungsquelle für Koppen.

Genfluss: Austausch von genetischem Material zwischen Populationen einer Art, etwa durch Migration und Fortpflanzung. Er führt dazu, dass sich genetische Unterschiede zwischen Populationen verringern und die genetische Vielfalt erhalten bleibt.

 

Genetische Variabilität:

Vielfalt an Genen und Genvarianten innerhalb einer Art bzw. Population. Sie ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Organismen an veränderte Umweltbedingungen anpassen können.

 

Effektive Populationsgröße:

Die Werte der effektiven Populationsgröße stellen nicht die absolute Anzahl an Individuen dar, sondern sind ein Maß für die genetische Diversität anhand der die Überlebensfähigkeit einer Population eingeschätzt werden kann.

Fließgewässerfragementierung, Kraftwerksbetrieb und generelle Lebensraumverschlechterung dürften wesentliche Gründe dafür sein, weshalb die Koppe in der Roten Liste für Fische in Vorarlberg als „gefährdet“ geführt wird. Im Europaschutzgebiet „Bregenzerachschlucht“ zwischen der Bozenau in Doren und dem Schindlerwehr in Kennelbach stellt die Koppe ein Schutzgut gemäß der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der Europäischen Union dar. Allerdings hat der Koppenbestand dort in den vergangenen 15 Jahren einen Einbruch erfahren, so konnten im Schutzgebiet und flussabwärts davon in den vergangenen Jahren kaum mehr Koppen nachgewiesen werden. Damit sind die flussauf und in den Zuflüssen (v. a. Rotach, Weißach, Subersach) noch vorhandenen Bestände für eine mittel- bis langfristige Wiederetablierung eines guten Koppenbestandes im Schutzgebiet selbst von besonderer Bedeutung. Folglich sind Migrationsmöglichkeiten für die Koppe und andere Fischarten im Einzugsgebiet der Bregenzerach ein entscheidender Faktor für den Erhalt der genetischen Diversität und damit deren Anpassungs- und Überlebensfähigkeit.

 

Untersuchung Populationsgenetik

Um Erkenntnisse über den genetischen Zustand der Koppe und die potenzielle Fließgewässerkonnektivität im Einzugsgebiet der Bregenzerach zu gewinnen, führte das Regionsmanagement Europaschutzgebiete und die Abteilung IVe – Umwelt- und Klimaschutz des Landes Vorarlberg in Zusammenarbeit mit der Abteilung Va – Landwirtschaft und ländlicher Raum und der Universität Graz eine populationsgenetische Studie durch. Dabei wurden im Herbst 2025 sechs Gewässerabschnitte befischt und von gefangenen Koppen Gewebeproben für eine Genotypisierung entnommen (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Befischungsstandorte zur populationsgenetischen Untersuchung der Koppe im Herbst 2025.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Kein Koppennachweis am Probenstandort im Europaschutzgebiet „Bregenzerachschlucht“ sowie flussabwärts in Bregenz (siehe Abb. 1)
  • Die Bestände an den Probenstandorten in der Weißach, der Subersach sowie der Bregenzerach in Hirschau und Au lassen sich als drei distinkte Populationen (Weißach, Subersach und Bregenzerach-Au/Hirschau) identifizieren. Zwischen den drei Beständen findet kein nennenswerter genetischer Austausch statt (siehe Abb. 2).
  • Die Abschätzung der effektiven Populationsgröße lässt in den beiden Populationen Weißach und Au/Hirschau auf sehr kleine bis kleine Populationsgrößen schließen. Das Ergebnis indiziert unter aktuellen Bedingungen eine Gefährdung der Vorkommen.
  • Der beprobte Bestand in der Weißach weist einen signifikant hohen Inzuchtkoeffizient auf.

Abb. 2: Die Abbildung zeigt die genetische Ähnlichkeit der beprobten Bestände (Diskriminanzanalyse von Hauptkomponenten basierend auf 11 Mikrosatelliten). Die beiden Bestände in Au und Hirschau gehören der gleichen Population an. Die Bestände in Weißach und Subersach bilden jeweils ein eigenes Cluster, was zeigt, dass zwischen dem Oberlauf der Bregenzerach (Au und Hirschau), Weißach und Subersach kein nennenswerter Genfluss besteht.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass der Genfluss der Koppe zwischen den beprobten Beständen in der Weißach, der Subersach und im Hinterwald äußerst gering ist oder möglicherweise gänzlich fehlt. Der Erhalt und die Schaffung geeigneter Lebensraumstrukturen sowie der Gewässerkonnektivität sind essentiell für die Förderung der genetischen Diversität der Population und damit ihrer langfristigen Überlebensfähigkeit. Um abschließend klären zu können, in welchem Zusammenhang die Ergebnisse mit Migrationsbarrieren und schlechten Lebensraumbedingungen (z. B. Schwall und Sunk und/oder verändertem Feststoffhaushalt) oder lediglich der geographischen Distanz stehen, sind umfassendere Untersuchungen notwendig.

 

Dank

Die Studie wurde umgesetzt vom Regionsmanagement Europaschutzgebiete und der Abteilung Umwelt– und Klimaschutz in Kooperation mit der Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum (Fachbereich Jagd und Fischerei) und der Universität Graz. Die Befischungen wurden unterstützt durch das Büro für Gewässerökologie „blattfisch e. U.“ und den Fischereivereinen Bregenzerwald und Au. Für das besondere Engagement und die gute Zusammenarbeit gilt allen Beteiligten ein großer Dank!

Den gesamten Ergebnisbericht der Universität Graz können Sie hier herunterladen:

Elektrobefischung an der Bregenzerach zur Entnahme von Gewebeproben an Koppen für eine populationsgenetische Untersuchung. ©RM ESG

Text: Miriam Simma, Benjamin Droop, Nikolaus Schotzko, Raphael Donabaum, Stephan Koblmüller
Veröffentlichung: März 2026

Im Jahr 2024 waren die Regionsmanagerinnen und Regionsmanager kräftig für den Amphibienschutz tätig. Das Regionsmanagement führte wissenschaftliche Erhebungen zu ausgewählten Amphibienarten durch. Dadurch kann die Population in einem Schutzgebiet über die Jahre hinweg beobachtet werden, wodurch Bestandsschwankungen sichtbar werden. Um den Arten zusätzlich „unter die Arme zu greifen“ und ihren Lebensraum zu sichern, wurden mehrere Instandhaltungsmaßnahmen an Biotopen oder Neuanlagen von Kleingewässern durchgeführt.

Die nur etwa 3,5 bis 5 cm große Gelbbauchunke erkennt man durch ihre herzförmigen Pupillen und den gelbfleckigen Bauch © RM ESG

Kammmolch-Monitoring

Rheintal | Alle drei Jahre werden in den Vorarlberger Europaschutzgebieten die nach FFH-Richtlinie geschützten Amphibienarten Kammmolch (Triturus cristatus) und Gelbbauchunke (Bombina variegata) erhoben. In Vorarlberg befindet sich abseits des Rheindeltas das bedeutendste Kammmolch-Vorkommen in der Oberen Mähder bei Lustenau. Ein ehemaliger Nebenarm des Alpenrheins beherbergt heute eine Vielzahl an Kleingewässern, die sogenannten Seelachenbiotope. Mit Hilfe von Reusen, welche am Abend in das Gewässer eingebracht und am nächsten Morgen kontrolliert wurden, konnten insgesamt 159 Kammmolch-Individuen nachgewiesen werden. Die Erhebungen wurden Anfang Mai während der Paarungszeit durchgeführt, da die Kammmolche zu dieser Zeit recht aktiv und mobil sind und somit häufiger in die Reusen gelangen.

Seelachenbiotope – Die verkrauteten Gewässer beherbergen eine Vielzahl an Tierarten. Nur bei zu starkem Pflanzenwachstum müssen sie geräumt werden<br /> © RM ESG

Kammmolch-Monitoring mittels Reusen: Am Morgen werden die Reusen kontrolliert und die Molche wieder zurück gesetzt © RM ESG

Auendynamik durch Menschenhand

Rheintal | An den oben beschriebenen Seelachenbiotopen wurden im Februar 2024 Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Durch Laubeintrag, Pflanzenwachstum etc. verlanden die Gewässer mit der Zeit. In natürlichen Flussauen würden durch dynamische Prozesse stetig neue Kleingewässer entstehen. Aufgrund von Hochwasserschutzmaßnahmen finden diese Prozesse in den Vorarlberger Tallagen kaum mehr statt. Der Mensch kann aber durch gezielte Pflegemaßnahmen diese Prozesse imitieren. So wurden von den 20 Gewässern am Seelachendamm insgesamt sechs mittels Bagger und Mähkorb geräumt. Ein Teil der Schlammsohle bleibt erhalten, überschüssiges Pflanzenmaterial wird jedoch entfernt. Der nächste Eingriff wird erst bei entsprechender Verlandung wieder notwendig sein. In den angrenzenden Streuwiesen der Oberen Mähder wurde zudem ein Graben abgeflacht und ökologisch aufgewertet. Ein großer Dank gilt der Marktgemeinde Lustenau, welche als Eigentümerin der Flächen und mit ihren Bauhofmitarbeitern die Maßnahmen durchgeführt hat.

Vom Bauhof Lustenau aufgewerteter Graben in der Oberen Mähder © RM ESG

Das Kammmolchmännchen bildet in der Paarungszeit einen gezähnten Rückenkamm aus © Die-nATurknipser

Die Gelbbauchunke erobert sich ihren Lebensraum zurück

Walgau | Es ist soweit: Die Gelbbauchunke ist wieder in die Sponda-Weiher im Frastanzer Ried zurückgekehrt. Seit 2022 wurden für die sechs nachgewiesenen Amphibienarten in den Sponda-Weihern sukzessive Lebensraum verbessernde Maßnahmen umgesetzt, die nun auch kleine Laichbecken für die Gelbbauchunke umfassen. Um die ehemals „große bis sehr große Population“ der europaweit streng geschützten Art war es in den letzten beiden Jahrzehnten ruhig geworden. Gemeinsam mit den Moordetektiven der Mittelschule und mit Unterstützung der Marktgemeinde Frastanz konnten zwei Teichbecken als Laichgewässer für die Gelbbauchunke eingebaut werden. Binnen drei Wochen konnten die ersten Unken am „Pool“ gesichtet und von den Schülerinnen und Schülern der Mittelschule bestaunt werden. Eine erfolgreiche Reproduktion der Art über Frühling und Sommer unterstreicht die Notwendigkeit von fischfreien Laichgewässern für die Unke.

Die Sponda-Weiher im Frastanzer Ried bieten sechs von zehn heimischen Amphibienarten einen Lebensraum @ Gerlinde Wiederin

„Hands-on“ hieß es für die Moordetektive der NMS Frastanz bei der Anlage von Laichgewässern für die Gelbbauchunke im Frastanzer Ried @ Gerlinde Wiederin

Viel Begeisterung und Interesse für unsere Amphibien brachten die Schülerinnen und Schüler der NMS Frastanz im Freifach „Moordetektive“ mit @ Gerlinde Wiederin

Im Frastanzer Ried wurden zwei Teichbecken zusätzlich zu den zwei großen Sponda-Weihern als Laichgewässer für die Gelbbauchunke eingebaut © RM ESG

Sekundärer Lebensraum für die Gelbbauchunke

Bregenzerwald / Rheintal / Bodensee | Gelbbauchunken sind ursprünglich Bewohner von natürlichen Flussauen, in welchen die Dynamik des Flusssystems die Entstehung von temporären Gewässern fördert. Heutzutage weichen die Unken auf unterschiedliche, meist vegetationsarme Kleingewässer aus, welche oft durch Menschenhand geschaffen wurden. So befindet sich auf der alten Wälderbahntrasse zwischen Bregenz und Bozenau ein durchaus bedeutendes Vorkommen der Gelbbauchunke. In Tümpeln, welche teilweise direkt auf der Trasse oder auch in den Entwässerungsgräben der Trasse entstehen, finden sich jedes Frühjahr dutzende Gelbbauchunken zur Fortpflanzung ein. Neben Erhebungen wurden 2024 mehrere verlandete Biotope freigeräumt, sodass sie für die Gelbbauchunken wieder nutzbar sind.

Gelbbauchunkentümpel auf der alten Wälderbahntrasse in der Bregenzerachschlucht © RM ESG

In Bangs-Matschels werden Fahrspuren auf Bewirtschaftungswegen von unserer heimischen Unke besiedelt. Unbefestigte Wege werden in unserer Landschaft immer seltener. In der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs werden diese daher schon als gefährdet eingestuft. Um das Angebot an geeigneten Gewässern zu erhöhen, wurden in den letzten Jahren zusätzlich Biotopkomplexe angelegt, welche auch erfolgreich von der Gelbbauchunke besiedelt werden. Bei den Erhebungen 2024 in Bangs-Matschels konnten an einem Tag 33 adulte Gelbbauchunken und Jungtiere sowie etliche Laichballen und Kaulquappen nachgewiesen werden.

Das Rheindelta beherbergt ein bedeutendes Gelbbauchunken-Vorkommen. Mit der Anlage und Pflege von Kleingewässern werden auch hier Lebensräume für die Gelbbauchunke geschaffen. 2024 wurden in Zusammenarbeit mit dem Motorboot-Segelsportverein Schwedenschanze mehrere Tümpel gepflegt und reaktiviert.

Solche temporär Wasser führende Tümpel in Fahrspuren werden von der Gelbbauchunke gerne als Fortpflanzungsbiotop angenommen © RM ESG

Die Eier werden in der Regel in kleinen Laichklumpen (meist 10-20 Eier) an Grashalmen oder ähnlichen Strukturen befestigt © RM ESG

Amphibien sind eine heutzutage stark bedrohte Tiergruppe. Durch Monitoring und Umsetzung von Lebensraum verbessernden Maßnahmen kann dem Rückgang der Amphibien entgegengesteuert werden. Ziel des Regionsmanagements ist es, einen positiven Populationstrend in den Europaschutzgebieten durch die umgesetzten Maßnahmen in den kommenden Jahren zu erreichen.

Text: Romana Steinparzer, Thomas Kühmayer
Veröffentlichung: 5. März 2025

Oft gut gemeint, aber dennoch falsch ist das Füttern von Wasservögeln. Das Füttern birgt große Gefahren für die Vögel selbst, für die Umwelt und auch für den Menschen.

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Die Biber sind zurück in Vorarlberg, seit 2006 siedeln sie sich wieder bei uns an. Die Biologin Mag. Agnes Steininger beobachtet als Biberbeauftragte des Landes die Bestandsentwicklung der tierischen Flussbauer und vermittelt zwischen den Interessen der Menschen und der Biber.
Biber © UMG

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