Bartgeier © dienATurknipser.at

Bartgeiermonitoring © RM Europaschutzgebiete

Alterstbestimmung Bartgeier © NP Hohe Tauern

Zwischen 11 und 18. Oktober finden die internationalen Bartgeier-Zähltage statt, an denen sich zahlreiche Beobachterinnen und Beobachter im gesamten Alpenraum beteiligen. Gemeinsam mit dem Nationalpark Hohe Tauern, der schon seit vielen Jahren für die Wiederansiedlung und das Monitoring von Bartgeiern in Österreich aktiv ist, wird dieser Zähltag auch in Österreich möglichst breit aufgestellt. Wie in den letzten Jahren ist auch für Vorarlberg eine koordinierte Zählung geplant.

Wie steht es um den Bartgeier im Alpenraum?

Mit der ersten Auswilderung eines Bartgeiers im Nationalpark Hohen Tauern im Jahr 1986 wurde der Startpunkt für die Wiedereinbürgerung des Bartgeiers in den Alpen gesetzt. Mittlerweile leben geschätzt rund 300-400 Bartgeier im Alpenraum mit zuletzt rund 50 in freier Wildbahn geschlüpfter Junggeier in der Brutsaison 2022 (Quelle: International Bearded Vulture Monitoring).
In Vorarlberg konnte bislang keine erfolgreiche Brut des Bartgeiers nachgewiesen werden. Dennoch sind Sichtungen durchziehender Bartgeier keine Seltenheit und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Vorarlberg die ersten Brutversuche erfolgen. Bis dahin gibt es aber viel zu tun. Im Vordergrund steht dabei das Monitoring des Bartgeiers im gesamten Alpenraum.

Wie kann ich mich an der Bartgeierzählung beteiligen?

  •  Gelegenheitsmelder*innen

Zwischen 11. und 18. Oktober sind alle Interessierten aufgerufen, eine Bergtour zu unternehmen und dabei aktiv nach Bartgeiern Ausschau zu halten. Besonders gute Chancen für Sichtungen bestehen etwa im hinteren Bregenzerwald, Lechquellengebirge, Montafon/Silvretta und Rätikon. Hierzu sind folgende Angaben wichtig:

Ort der Sichtung (Seehöhe, Ortsbezeichnung oder Koordinaten)
Zeitpunkt der Sichtung (Datum und Uhrzeit)
Anzahl beobachteter Individuen und Angaben zur  Gefierderfärbung (siehe Bestimmungshilfe)
Fotonachweis (wenn möglich)

Sämtliche Sichtungen der Zählung sowie ganzjährige Zufallssichtungen können ab sofort an die neue Koordinationsstelle für Westösterreich (angesiedelt beim Naturpark Ötztal) per mail (bartgeier@tirol.gv.at) oder über das Online-Formular gemeldet werden.

  • Bartgeierbeobachter*innen

Am Schwerpunkt-Zähltag am 11. Oktober wird von einem festgelegten Zählpunkt mit guter Fernsicht (Berggipfel, Bergstation einer Bergbahn u.a.) zwischen 09:00 und 15:00 Uhr, mindestens jedoch von 10:00 – 14:00 Uhr gezählt. Wer sich zutraut, Bartgeier sicher im Flug zu bestimmen, kann sich als Bartgeierbeobachter*in anmelden. Für einen koordinierten Ablauf des Schwerpunkt-Zähltags in Vorarlberg bitten wir um Kontaktaufnahme mit dem Regionsmanagement Europaschutzgebiete bis spätestens 10.10.

Kontakt: Christian Kuehs, E-Mail: christian.kuehs@naturvielfalt.at, Telefon: 0664 19 82 543

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union

Foto: Daniel Leissing

Die Luchsin HEIA ist eines von zwei bekannten Luchsweibchen, das in Vorarlberg Jungtiere großzieht © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Das 2022 geborene Jungtier B1025CH konnte im Rahmen des Luchs-Monitorings im Rätikon nachgewiesen werden © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Mittels Lockstock und Fotofallen können Wildkatzen nachgewiesen werden © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Bregenz (VLK) – Der Luchs galt lange Zeit als ausgestorben, ist aber mittlerweile in Vorarlbergs Wälder zurückgekehrt und wieder Teil der heimischen Natur. Allerdings ist die Population sehr gering, wie ein Monitoring-Projekt des Landes bestätigt, das seit einigen Jahren die Entwicklung beobachtet. Aktuell sind in Vorarlberg sechs verschiedene selbstständige Luchse nachgewiesen.

Landesrat Christian Gantner betont, dass für den Erfolg des Monitoring-Projekts das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten wesentlich sind: „Mein Dank gebührt deshalb allen Mitwirkenden, Grundeigentümern und Grundeigentümerinnen, Revierinhabern und Revierinhaberinnen, Jagdausübungsberechtigten und Aufsichtsorganen, die das Monitoring unterstützen.“

Der Luchs ist eine sehr verborgen lebende, hauptsächlich nachtaktive Katze, die Menschen meidet. Eine Gefahr für Waldbesucherinnen und -besucher geht von ihm nicht aus. Auch von Nutztieren hält er sich in der Regel fern. Zur Beute des Luchses zählen in Vorarlberg hauptsächlich Rehe und Gämsen.

Nach der Ausrottung Mitte des 19. Jahrhunderts sind ab dem Jahrtausendwechsel erste Luchse aus der Schweiz eingewandert. Die Verbreitung in Vorarlberg umfasst vor allem den Rätikon und ist dort seit Jahren stabil. Einzelne Nachweise gab es auch im Montafon und im Mellental. Ein Anstieg der Population und eine konstante Ausbreitung des Luchses ist gegenwärtig nicht zu erkennen. Im Jahr 2024 konnte erstmals seit mehreren Jahren keine Reproduktion nachgewiesen werden. Hoffnung für den Luchs in Vorarlberg macht, dass erneut eine Zuwanderung eines Luchses aus dem Kanton St. Gallen bestätigt werden konnte. Ebenso optimistisch stimmen Luchsnachweise, die von der Jägerschaft aus Regionen in Vorarlberg kommen, in denen bislang kein Vorkommen bekannt war. So zeugt ein Foto eines Luchses nördlich des Klostertals bei Bludenz von Tendenzen, neue Gebiete zu besiedeln.

„Entscheidend für das langfristige Überleben des Luchses ist, dass wir seinen Lebensraum erhalten und ihm seinen Platz als Teil der Vorarlberger Naturvielfalt zugestehen“, sagt der Ökologe Daniel Leissing, der das Monitoring-Projekt für das Land Vorarlberg betreut.

Der Bericht „Luchs-Monitoring Vorarlberg 2024-2025“ steht ab sofort online zur Verfügung und kann hier eingesehen werden: https://vorarlberg.at/-/luchs-und-wildkatze

Im Jahr 2024 waren die Regionsmanagerinnen und Regionsmanager kräftig für den Amphibienschutz tätig. Das Regionsmanagement führte wissenschaftliche Erhebungen zu ausgewählten Amphibienarten durch. Dadurch kann die Population in einem Schutzgebiet über die Jahre hinweg beobachtet werden, wodurch Bestandsschwankungen sichtbar werden. Um den Arten zusätzlich „unter die Arme zu greifen“ und ihren Lebensraum zu sichern, wurden mehrere Instandhaltungsmaßnahmen an Biotopen oder Neuanlagen von Kleingewässern durchgeführt.

Die nur etwa 3,5 bis 5 cm große Gelbbauchunke erkennt man durch ihre herzförmigen Pupillen und den gelbfleckigen Bauch © RM ESG

Kammmolch-Monitoring

Rheintal | Alle drei Jahre werden in den Vorarlberger Europaschutzgebieten die nach FFH-Richtlinie geschützten Amphibienarten Kammmolch (Triturus cristatus) und Gelbbauchunke (Bombina variegata) erhoben. In Vorarlberg befindet sich abseits des Rheindeltas das bedeutendste Kammmolch-Vorkommen in der Oberen Mähder bei Lustenau. Ein ehemaliger Nebenarm des Alpenrheins beherbergt heute eine Vielzahl an Kleingewässern, die sogenannten Seelachenbiotope. Mit Hilfe von Reusen, welche am Abend in das Gewässer eingebracht und am nächsten Morgen kontrolliert wurden, konnten insgesamt 159 Kammmolch-Individuen nachgewiesen werden. Die Erhebungen wurden Anfang Mai während der Paarungszeit durchgeführt, da die Kammmolche zu dieser Zeit recht aktiv und mobil sind und somit häufiger in die Reusen gelangen.

Seelachenbiotope – Die verkrauteten Gewässer beherbergen eine Vielzahl an Tierarten. Nur bei zu starkem Pflanzenwachstum müssen sie geräumt werden<br /> © RM ESG

Kammmolch-Monitoring mittels Reusen: Am Morgen werden die Reusen kontrolliert und die Molche wieder zurück gesetzt © RM ESG

Auendynamik durch Menschenhand

Rheintal | An den oben beschriebenen Seelachenbiotopen wurden im Februar 2024 Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Durch Laubeintrag, Pflanzenwachstum etc. verlanden die Gewässer mit der Zeit. In natürlichen Flussauen würden durch dynamische Prozesse stetig neue Kleingewässer entstehen. Aufgrund von Hochwasserschutzmaßnahmen finden diese Prozesse in den Vorarlberger Tallagen kaum mehr statt. Der Mensch kann aber durch gezielte Pflegemaßnahmen diese Prozesse imitieren. So wurden von den 20 Gewässern am Seelachendamm insgesamt sechs mittels Bagger und Mähkorb geräumt. Ein Teil der Schlammsohle bleibt erhalten, überschüssiges Pflanzenmaterial wird jedoch entfernt. Der nächste Eingriff wird erst bei entsprechender Verlandung wieder notwendig sein. In den angrenzenden Streuwiesen der Oberen Mähder wurde zudem ein Graben abgeflacht und ökologisch aufgewertet. Ein großer Dank gilt der Marktgemeinde Lustenau, welche als Eigentümerin der Flächen und mit ihren Bauhofmitarbeitern die Maßnahmen durchgeführt hat.

Vom Bauhof Lustenau aufgewerteter Graben in der Oberen Mähder © RM ESG

Das Kammmolchmännchen bildet in der Paarungszeit einen gezähnten Rückenkamm aus © Die-nATurknipser

Die Gelbbauchunke erobert sich ihren Lebensraum zurück

Walgau | Es ist soweit: Die Gelbbauchunke ist wieder in die Sponda-Weiher im Frastanzer Ried zurückgekehrt. Seit 2022 wurden für die sechs nachgewiesenen Amphibienarten in den Sponda-Weihern sukzessive Lebensraum verbessernde Maßnahmen umgesetzt, die nun auch kleine Laichbecken für die Gelbbauchunke umfassen. Um die ehemals „große bis sehr große Population“ der europaweit streng geschützten Art war es in den letzten beiden Jahrzehnten ruhig geworden. Gemeinsam mit den Moordetektiven der Mittelschule und mit Unterstützung der Marktgemeinde Frastanz konnten zwei Teichbecken als Laichgewässer für die Gelbbauchunke eingebaut werden. Binnen drei Wochen konnten die ersten Unken am „Pool“ gesichtet und von den Schülerinnen und Schülern der Mittelschule bestaunt werden. Eine erfolgreiche Reproduktion der Art über Frühling und Sommer unterstreicht die Notwendigkeit von fischfreien Laichgewässern für die Unke.

Die Sponda-Weiher im Frastanzer Ried bieten sechs von zehn heimischen Amphibienarten einen Lebensraum @ Gerlinde Wiederin

„Hands-on“ hieß es für die Moordetektive der NMS Frastanz bei der Anlage von Laichgewässern für die Gelbbauchunke im Frastanzer Ried @ Gerlinde Wiederin

Viel Begeisterung und Interesse für unsere Amphibien brachten die Schülerinnen und Schüler der NMS Frastanz im Freifach „Moordetektive“ mit @ Gerlinde Wiederin

Im Frastanzer Ried wurden zwei Teichbecken zusätzlich zu den zwei großen Sponda-Weihern als Laichgewässer für die Gelbbauchunke eingebaut © RM ESG

Sekundärer Lebensraum für die Gelbbauchunke

Bregenzerwald / Rheintal / Bodensee | Gelbbauchunken sind ursprünglich Bewohner von natürlichen Flussauen, in welchen die Dynamik des Flusssystems die Entstehung von temporären Gewässern fördert. Heutzutage weichen die Unken auf unterschiedliche, meist vegetationsarme Kleingewässer aus, welche oft durch Menschenhand geschaffen wurden. So befindet sich auf der alten Wälderbahntrasse zwischen Bregenz und Bozenau ein durchaus bedeutendes Vorkommen der Gelbbauchunke. In Tümpeln, welche teilweise direkt auf der Trasse oder auch in den Entwässerungsgräben der Trasse entstehen, finden sich jedes Frühjahr dutzende Gelbbauchunken zur Fortpflanzung ein. Neben Erhebungen wurden 2024 mehrere verlandete Biotope freigeräumt, sodass sie für die Gelbbauchunken wieder nutzbar sind.

Gelbbauchunkentümpel auf der alten Wälderbahntrasse in der Bregenzerachschlucht © RM ESG

In Bangs-Matschels werden Fahrspuren auf Bewirtschaftungswegen von unserer heimischen Unke besiedelt. Unbefestigte Wege werden in unserer Landschaft immer seltener. In der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs werden diese daher schon als gefährdet eingestuft. Um das Angebot an geeigneten Gewässern zu erhöhen, wurden in den letzten Jahren zusätzlich Biotopkomplexe angelegt, welche auch erfolgreich von der Gelbbauchunke besiedelt werden. Bei den Erhebungen 2024 in Bangs-Matschels konnten an einem Tag 33 adulte Gelbbauchunken und Jungtiere sowie etliche Laichballen und Kaulquappen nachgewiesen werden.

Das Rheindelta beherbergt ein bedeutendes Gelbbauchunken-Vorkommen. Mit der Anlage und Pflege von Kleingewässern werden auch hier Lebensräume für die Gelbbauchunke geschaffen. 2024 wurden in Zusammenarbeit mit dem Motorboot-Segelsportverein Schwedenschanze mehrere Tümpel gepflegt und reaktiviert.

Solche temporär Wasser führende Tümpel in Fahrspuren werden von der Gelbbauchunke gerne als Fortpflanzungsbiotop angenommen © RM ESG

Die Eier werden in der Regel in kleinen Laichklumpen (meist 10-20 Eier) an Grashalmen oder ähnlichen Strukturen befestigt © RM ESG

Amphibien sind eine heutzutage stark bedrohte Tiergruppe. Durch Monitoring und Umsetzung von Lebensraum verbessernden Maßnahmen kann dem Rückgang der Amphibien entgegengesteuert werden. Ziel des Regionsmanagements ist es, einen positiven Populationstrend in den Europaschutzgebieten durch die umgesetzten Maßnahmen in den kommenden Jahren zu erreichen.

Text: Romana Steinparzer, Thomas Kühmayer
Veröffentlichung: 5. März 2025

Jedes Moor ist einzigartig! So ist auch jedes Moor-Restaurierungsprojekt eine besondere Herausforderung, weshalb ein begleitendes hydrologisches Monitoring wichtig für die Erfolgskontrolle von Wiedervernässungen ist.

Fohramoos im Jahr 2021 © UMG Umweltbüro Grabher

Entwässerung von Mooren

Eines haben alle Moore gemeinsam: Sie speichern große Mengen an Wasser und sind daher in der Regel sehr nass. Um Moore in früheren Zeiten für den Menschen nutzbar zu machen, wurden sie durch das Ziehen von Entwässerungsgräben trockengelegt. Solche Trockenlegungen haben jedoch zur Folge, dass der Moorlebensraum stark beeinträchtigt oder gar unwiederbringlich zerstört wird. Zudem geht mit der Entwässerung eine plötzliche Sauerstoffzufuhr einher, die mikrobielle Abbauprozesse im Moorboden einleitet. Durch diese Abbauprozesse werden riesige Mengen an CO2 freigesetzt, welche damit vom Boden in die Atmosphäre gelangen und als Treibhausgase zur Beschleunigung der globalen Erwärmung beitragen.

Moor-Restaurierungen

Durch den Einbau von Spundwänden werden die Entwässerungsgräben geschlossen und der ursprüngliche Wasserhaushalt des Moors bestmöglich wiederhergestellt. Durch den dadurch erzielten Wasserstau können die mikrobiellen Abbauprozesse im Moorkörper wieder gestoppt werden, und nur dann kann das Moor seine wertvolle Funktion als Kohlenstoffsenke und Lebensraum für spezialisierte Moor-Arten wieder weitestgehend erfüllen.

Für den Einbau der Spundwände ist maschineller Einsatz notwendig. Um den Moorkörper zu schonen, wurden die Restaurierungsmaßnahmen deshalb im Winter bei gefrorenem Boden durchgeführt © RM ESG

Durch den Einbau von Spundwänden wird in den Entwässerungsgräben der nötige Wasserrückstau für die Wiedervernässung des Moors erzielt © RM ESG

Grabenschließungen und Monitoring im Europaschutzgebiet Fohramoos

Im Jahr 2020 wurde im Europaschutzgebiet „Fohramoos“ am Bödele eines der ersten Moor-Restaurierungsprojekte des Landes umgesetzt. Seither befinden sich im Fohramoos autonome Pegel-Datenlogger, die stündlich den gegenwärtigen Wasserstand im Moor aufzeichnen. Die Daten der Logger werden zweimal jährlich von der Regionsmanagerin ausgelesen und verarbeitet. Vier Jahre nach der Moor-Restaurierung dürfen anhand der bisherigen Daten des hydrologischen Monitorings bereits erste Schlüsse über die Entwicklungen des Wasserstands und damit den potenziellen Erfolg des Projektes gezogen werden!

Im Rahmen des hydrologischen Monitorings zur Erfolgskontrolle werden die Pegeldaten regelmäßig vor Ort ausgelesen und gesichert © RM ESG

Erste Ergebnisse des hydrologischen Monitorings

Anhand der Entwicklungen des Wasserstands im Moor kann beurteilt werden, ob mit den Grabenschließungen die nötige Stauwirkung und damit eine erfolgreiche Wiedervernässung erzielt wurde. Allerdings sind Schwankungen des Wasserstands im Jahresverlauf oder auch zwischen den Jahren aufgrund des bedeutenden Einflusses von Niederschlagsereignissen ganz natürlich. Daher ist es für die Erfolgskontrolle wichtig, den langjährigen Trend zu beobachten und zu bewerten.
Der Entwicklungstrend der Messwerte im Fohramoos zeigt eine deutliche Erhöhung des Wasserstands seit den Grabenschließungen auf (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Flurabstand (= Abstand des Wasserstands von der Geländeoberfläche) vom März 2020 bis September 2024 an einem Messpunkt im Fohramoos. Die blaue Linie repräsentiert den Entwicklungstrend. Die rot-strichlierte Linie markiert den Zeitpunkt der Grabenschließungen Anfang Dezember 2020. Die grauen Punktdaten stellen die Rohdaten dar.

Diese positiven Ergebnisse lassen auf eine gelungene Moor-Restaurierung schließen. So wird auch die Funktionalität des Moors als besonderer Lebensraum sowie als wichtige Kohlenstoffsenke über die Jahre weiterhin zunehmen.

Luftbildaufnahme nach erfolgreichem Einbau der Spundwände in einem Schlitzgrabensystem im südlichen Teil des Moores © UMG Umweltbüro Grabher

Europaschutzgebiet Fohramoos

Fläche: 55 ha
Höhe: 1.135 bis 1.170 m. ü. A.
Lage: Bödele oberhalb des Rheintals in den Gemeinden Dornbirn und Schwarzenberg

Weitere Infos: Europaschutzgebiet Fohramoos

Text: Miriam Simma
Veröffentlichung: 5. März 2025

Von 12. bis 20. Oktober 2024 fanden die internationalen Bartgeier-Beobachtungstage in sieben teilnehmenden europäischen Ländern statt. Auch Vorarlberg war an der Schwerpunktzählung am 12. Oktober mit 11 Personen an 8 unterschiedlichen Beobachtungsstandorten vertreten. Dabei konnten zwei Bartgeier nachgewiesen werden.

Geier in Sicht!

Nach 2022 beteiligte sich das Bundesland Vorarlberg auch 2024 wieder am internationalen Bartgeier-Zähltag. Koordiniert wurde die Zählung vom Regionsmanagement Europaschutzgebiete in Kooperation mit BirdLife Vorarlberg und der Vorarlberger Jägerschaft. Zwischen Warth am Arlberg und Gargellen im Montafon hielten 11 Personen an 8 unterschiedlichen Standorten Ausschau nach dem beeindruckenden Greifvogel. Tatsächlich konnten in der vorgegebenen Zählzeit zwei Sichtungen gemeldet werden: ein adulter Geier im Brandnertal und ein (sub-)adulter Geier am Schlappiner Joch an der Landesgrenze zur Schweiz. Hierbei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um durchziehende bzw. in der nahen Schweiz ansässige Individuen.

Ein adulter Bartgeier wurde im Brandnertal gesichtet © Stefanie Peiker

Ein Geier räumt auf

Der Bartgeier steht ganz am Ende der Nahrungskette, denn er ernährt sich ausschließlich von Aas, genauer gesagt von Knochen, die rund 85-90 % seines Speiseplans ausmachen. Kleinere Knochen werden im Ganzen verschluckt, größere aus großer Höhe auf Felsen, so genannte „Knochenschmieden“, fallengelassen und dadurch zerkleinert. Dieses Verhalten brachte dem Bartgeier den Beinamen „Knochenbrecher“ ein. Tatsächlich trägt er maßgeblich dazu bei, dass Kadaver in der Natur möglichst vollständig und rasch „verwertet“ werden.

Anders als bei anderen Geiern ist der Bartgeier am Hals nicht „nackt“ sondern besitzt ein rotbraunes Gefieder. Die auffallende Färbung kommt durch das Baden in eisenoxidhaltigen Suhlen zustande © die-nATurknipser.at

Wie steht es um den Bartgeier im Alpenraum?

Vor 200 Jahren war der Bartgeier im Alpenraum noch weit verbreitet. Fälschlicherweise wurde ihm nachgesagt, Lämmer und sogar kleine Kinder zu rauben. Aus diesem Grund wurde er intensiv verfolgt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts der letzte Bartgeier in den Alpen erschossen wurde.
Mit der ersten Auswilderung eines Bartgeiers im Nationalpark Hohen Tauern im Jahr 1986 begann die Wiederansiedlung in den Alpen. Mittlerweile leben geschätzt rund 60 Bartgeier-Paare im Alpenraum. In Österreich haben sich bislang 12 Bartgeier-Paare etabliert – sechs in der Region Hohe Tauern und sechs in Nordtirol, darunter auch im Lechtal, unweit von Vorarlberg (Quelle: Nationalpark Hohe Tauern, 2024).
Auch wenn die Bestandstrends wieder nach oben zeigen, sind die Bedrohungen für den Bartgeier vielfältig:  Rückgang des Nahrungsangebots, Vergiftungen, Kollisionen mit Leitungen sowie Störungen am Brutplatz zählen zu den größten Herausforderungen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung.

Bartgeier in Vorarlberg

In Vorarlberg selbst konnte bislang keine erfolgreiche Brut nachgewiesen werden. Dennoch sind Sichtungen durchziehender Bartgeier keine Seltenheit, so zum Beispiel im Lechquellengebirge und der Silvretta. Es ist somit wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Vorarlberg die ersten Brutversuche erfolgen. Bis dahin gilt: Augen offenhalten!

Text: Christian Kuehs
Veröffentlichung: 5. März 2025

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union

Seit dem Jahr 2019 beobachtet das Regionsmanagement Europaschutzgebiete im Europaschutzgebiet Gadental die Entwicklung der wohl prachtvollsten heimischen Orchidee – des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus). Die Pflanzenbestände werden dokumentiert, um bei etwaigen negativen Entwicklungen geeignete Managementmaßnahmen zum Schutz des Bestandes abzuleiten.

Frauenschuh im Gadental © RM Europaschutzgebiete

Der Frauenschuh zählt im Naturwaldreservat und Natura 2000-Gebiet Gadental neben Grünem Koboldmoos, Alpensalamander, Kreuzotter, Schwarz- und Dreizehenspecht, Birk- und Alpenschneehuhn sowie Steinadler zu den wertgebenden Arten, denen besonderer Schutz gebührt. Mit seiner auffallenden Blüte zieht der Frauenschuh jährlich viele Besucherinnen und Besucher in das Schutzgebiet, findet er doch im Unterwuchs von lichten Spirkenwäldern und Latschenkrummholz optimale Voraussetzungen für eine ungestörte Entwicklung vor.

Frauenschuh unter Beobachtung

Auch zwischen Latschen ist der Frauenschuh zu finden © RM Europaschutzgebiete

Die wohl prachtvollste heimische Orchidee, der Frauenschuh © RM Europaschutzgebiete

In einem eigens entwickelten Monitoring werden Größe und Struktur der Population des Frauenschuhs erhoben und blühende sowie nicht-blühende Sprosse gezählt. Die erhobenen Daten lassen auch im Jahr 2023 auf einen sehr guten Zustand des Frauenschuh-Bestandes mit mehreren hundert Exemplaren schließen. Zwei von drei Sprossen trugen in diesem Jahr Blüten, was auf eine gute Altersstruktur und Fruchtbarkeit der Pflanzen schließen lässt.

Die regelmäßige Beobachtung der Entwicklung der Frauenschuh-Population und die Möglichkeit, potentielle negative Veränderungen des Lebensraumes dadurch frühzeitig zu erkennen, ist sehr wichtig, da die beeindruckende Orchidee eine lange Entwicklungszeit aufweist. So können von der Keimung bis zur ersten Blüte bis zu zehn Jahre vergehen. Auch der Erhalt offener und sonnenexponierter Stellen innerhalb des Waldlebensraums und Latschenkrummholzes ist bedeutend, da hier die für die Bestäubung des Frauenschuhs zuständigen Sandbienen (Gattung Andrena) ihren Lebensraum und ihre Nisträume vorfinden.

Neben dem Gadental wird das Frauenschuh-Monitoring auch in den Europaschutzgebieten Bregenzerachschlucht und Bangs-Matschels durchgeführt. Viele weitere Monitoring-Projekte für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten werden jährlich vom Regionsmanagement in den Europaschutzgebieten Vorarlbergs koordiniert und umgesetzt. Unter anderem stehen die Bestände von Amphibien, Haselmaus, Steinkrebs, Weißstorch, Neuntöter, Schneehuhn aber auch Alpen-Mannstreu, Zwergrohrkolben und vielen mehr unter Beobachtung. Insgesamt wurden im Jahr 2023 über 20 Monitoringprojekte zu unterschiedlichen Arten und Lebensraumtypen in den Europaschutzgebieten durchgeführt.

Europaschutzgebiet Gadental

Fläche: 1.550 ha
Höhe: 970 m bis 2.500 m. ü. A.
Lage: Seitental des Großen Walsertals im Gemeindegebiet von Sonntag, Kernzone des Bio­sphärenparks Großes Walsertal

Weitere Infos: Europaschutzgebiet Gadental

Über die Verbreitung der Haselmaus in Vorarlberg ist nur wenig bekannt. Seit 2022 wird in Vorarlbergs Europaschutzgebieten nach Hinweisen des nachtaktiven Nagers gesucht – und das mit Erfolg!

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) © Rolf Eberhardt

Eine Maus, die keine ist

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ist in der Europäischen Union eine seltene und schützenswerte Art und findet sich darum auf der Liste der „streng zu schützenden Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse“ (Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie).

Die Haselmaus ist streng genommen keine Maus, sondern gehört wie der Siebenschläfer zur Familie der Bilche. Sie wird maximal 90 mm lang und hat ein Gewicht von 15-40 g. Ihre Fellfarbe variiert von gelbbraun bis rotbraun, wobei der Bauch etwas heller ist. Der Schwanz der Haselmaus ist dicht behaart. Das ist neben der Größe das Unterscheidungsmerkmal zur Zwergmaus, mit der sie auf Grund der Fellfarbe leicht verwechselt werden kann.
Haselmäuse bewohnen Laub- und Mischwälder mit gut entwickelter Strauchschicht und dicht verwachsenen Waldrändern. Auch junge Sukzessionsstadien auf sonnig-lichten Schlagfluren und Windwurfflächen werden gerne besiedelt. Sobald der Wald jedoch von einem geschlossenen Kronendach dominiert wird, wandern Haselmäuse an den Waldrand oder verlassen das Waldstück. Auch in der Nähe von Gewässern sowie in Au- und Bruchwäldern kann die Haselmaus häufig angetroffen werden.

Nisthilfe für die Haselmaus in einem potenziellen Habitat © RM Europaschutzgebiete

Typische Fraßspuren der Haselmaus an Haselnüssen © RM Europaschutzgebiete

Die Haselmaus in Vorarlberg

Das breite Lebensraumspektrum bedingt, dass die Haselmaus nahezu in allen Regionen in Vorarlberg zu finden ist. Dennoch ist nur wenig über die Verbreitung dieser unauffällig lebenden Art in Vorarlberg bekannt. Im Jahr 2017 wurde nach ersten Freilanduntersuchungen in Vorarlberg der aktuelle Wissensstand in der Arbeit von KLARICA et al (2017) zusammengefasst. Die Arbeit ist in inatura – Forschung online erschienen.  Nachweise sind vom Bodenseeraum über den hinteren Bregenzerwald bis ins Klostertal bekannt.

Ein erfolgreicher Nachweis in einer Nisthilfe © RM Europaschutzgebiete

Seit 2022 hat es sich das Regionsmanagement Europaschutzgebiete zur Aufgabe gemacht, die Natura 2000-Gebiete in Hinblick auf das Vorkommen der Haselmaus genauer zu untersuchen. Als Standardmethode zur Erbringung von Nachweisen haben sich Niströhren etabliert, welche von der Haselmaus für die Anlage von Tagesnestern genutzt werden. Der Nachweis der Haselmaus erfolgt dann entweder über eine direkte Sichtung, typische Nagespuren an Nussschalen oder den charakteristischen Nestbau in der Niströhre. Die Niströhren werden im zeitigen Frühjahr in potenziell geeigneten Lebensräumen aufgehängt und regelmäßig kontrolliert. Und tatsächlich konnten 2022 und 2023 in 6 Europaschutzgebieten vom Bodensee bis zum Klostertal Haselmausvorkommen durch angenommene Niströhren nachgewiesen werden.

Der bisherige Erfolg der Nachsuche soll auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Ziel ist es, alle geeigneten Europaschutzgebiete zumindest einmal zu beproben. Darüber hinaus sind Hinweise aus der Bevölkerung wichtig, um Wissenslücken in weniger untersuchten Gebieten – z. B. auch in Siedlungsnähe – sukzessive schließen zu können.

Nest der Haselmaus in der Nisthilfe © RM Europaschutzgebiete

Bei der linken Haselnuss war offensichtlich eine Haselmaus am Werk © RM Europaschutzgebiete

Nachweise der Haselmaus in den Europaschutzgebieten 2022 und 2023 

Ist das eine Haselmaus?
Hinweise, Beobachtungen oder Zufallsfunde der Haselmaus können an die inatura Erlebnis Naturschau oder mit Hilfe der App observation.org gemeldet werden.

Weitere Informationen zur Haselmaus und anderen Kleinsäugern in Österreich finden sich unter www.kleinsaeuger.at

Umfangreiche Forschungen der letzten Jahre im Naturwaldreservat Rohrach legen bemerkenswerte Ergebnisse offen und bestätigen den Wert des Schutzgebietes. Der folgende Bericht publiziert erste Ergebnisse und lässt hinter die Forschungskulissen blicken.

Totholz im Rohrach © RM Europaschutzgebiete

Das Naturschutzgebiet Rohrach in den Gemeindegebieten von Hohenweiler und Möggers ist seit 1992 ein Naturwaldreservat. Im Schutzgebiet sind Nutzungen ausgeschlossen und einer natürlichen Waldentwicklung und Dynamik wird auf 50 ha uneingeschränkt Raum gegeben. Ergänzend ist seit 1995 das Gebiet auch ein Europaschutzgebiet und damit Teil des Natura 2000-Netzwerks. Unmittelbar an der Staatsgrenze schließt ein deutsches Natura 2000-Gebiet mit 170 ha an, welches den Wert für eine staatenübergreifende Biotopvernetzung nochmals steigert. Die Ausweisung zum Naturwaldreservat 1992 zielt auf eine ungestörte Waldentwicklung für wissenschaftliche Beobachtungszwecke ab. Eine umfassende und tiefgehende Ersterhebung, geleitet von Prof. Georg Grabherr, lieferte bereits in den 90er Jahren wichtige Einblicke zur Waldstruktur bzw. ausgesuchten Arten.[1] Damit besteht die Grundlage, die Entwicklung ehemals bewirtschafteter Wälder hin zu Naturwäldern wissenschaftlich beobachten und dokumentieren zu können.

Eine ökologische Schatztruhe

Deutsche Forstkollegen von der Schutzgebietsbetreuung © RM Europaschutzgebiete

Das Untersuchungsgebiet - das Naturwaldreservat Rohrach © RM Europaschutzgebiete

Kartierungen auf deutscher Seite beginnend ab 2017 ergänzen die Forschungsdaten und haben bedeutende Ergebnisse mit sich gebracht. Neben seltenen Pilzen und sogenannten „Urwaldreliktarten“ – also vom Aussterben bedrohte, ursprünglich urwaldbesiedelnde Insektenarten, die auf Totholz und die strukturellen Charakteristika von Naturwäldern angewiesen sind – konnten die deutschen Kolleginnen und Kollegen mit Superlativen aufwarten. Mit den insgesamt 113 Arten – darunter zwei überaus seltene Urwaldreliktarten sowie eine für die Wissenschaft neue Art aus der Familie der Rindenkäfer [2] – wurde die Erwartungshaltung an den Naturwald weit übertroffen. Auch für sehr seltene Pilze zeichnet sich das Gebiet aus.
Die Rohrachschlucht ist treffend als ein „Allgäuer Schatzkästchen für Europas Naturerbe“ bezeichnet worden.[3] Dies wiederum hat die Verantwortlichen auf österreichischer Seite veranlasst, zum 30-jährigen Jubiläum des Naturwaldreservates eine tiefgehende Folgeuntersuchung zu beauftragen. In der Hoffnung aus dem „Schatzkästchen“ eine grenzüberschreitende „Schatztruhe“ zu öffnen, ist mit Hilfe des Waldfonds der Republik Österreich eine neuerliche waldökologische Bestandsdokumentation in Angriff genommen worden. Die Waldstrukturerhebung ergänzen noch weitere Untersuchungen zu Vögel, Pilze, Flechten und Käfer. Insgesamt umfasst das Projekt ein Volumen von ca. 150.000 €.

Alt tritt auf Neu

Die Ersterhebung aus dem Jahr 1999 basiert auf einer genau dargelegten Methodik, um späteren Folgeuntersuchungen als Vergleichsmaßstab zu dienen. Damals sind mit dem Landesvermessungsamt und der Forstbehörde zur Markierung der 46 Inventurpunkte sowie den vier Dauerversuchsflächen Eichenpflöcke eingeschlagen worden und Waldstrukturdaten zu Baumarten, Baumhöhen, Totholzanteil, Vegetationstypen und Waldgesellschaften aufgenommen worden. Dreißig Jahre nach Unterschutzstellung folgt die Wiederholungsaufnahme im Wesentlichen der gleichen Methodik mittels Inventurpunkten, Transekten und Dauerversuchsflächen durch die Kärntner Expertinnen und Experten der Firma E.C.O. – Institut für Ökologie.

Feldaufnahmen © Florian Raidt

Vegetationsaufnahme Dauerversuchsfläche © E.C.O Klagenfurt

Totholzaufnahme © E.C.O Klagenfurt

Die neuen Aufnahmen wurden jedoch an die heutigen Möglichkeiten angepasst. Durch die rasante Weiterentwicklung von Vermessungsmethoden kann in der Waldstrukturerhebung an den technologischen Fortschritt der Digitalisierung angesetzt werden. Die Basisdaten werden nunmehr auch durch eine hochqualitative Erfassung des Waldes mittels Fernerkundung ergänzt. Wo früher Theodolit, Maßband und Kompass zum Einsatz kamen, unterstützen heute Drohnen, GPS und Tablets die Kartiertrupps. Für die Befliegung mit einer Spezialdrohne samt entsprechenden Sensoren zeichnete sich die Firma Alto Drones aus Südtirol verantwortlich. Laservermessung per Drohne, gepaart mit terrestrischen Laserscans liefern ein präzises 3d-Modell vom Rohrach.

Drohne mit Scanner © Alto Drones

Drohnenbefliegung, Routenplanung © E.C.O Klagenfurt

Terrestrisches Laserscanning © RM Europaschutzgebiete

Drohnenbefliegung, Punktewolke © E.C.O Klagenfurt

Die Befliegung mit einer Spezialdrohne samt entsprechenden Sensoren hat die Firma Alto Drones aus Südtirol durchgeführt. Laservermessung per Drohne, gepaart mit terrestrischen Laserscans liefern ein präzises 3d-Modell vom Rohrach. Die klassischen Felddaten können mit dem digitalen Abbild des Rohrachs verglichen, und Modelle für zukünftige Erhebungsmethoden damit entsprechend erprobt und kalibriert werden. Die Datenaufbereitung, Modellberechnungen und Analysen der Fernerkundung wurden von der Technischen Universität Wien – Department für Geodäsie und Geoinformation bearbeitet.
Die gesamten Ergebnisse werden demnächst in einem umfassenden Bericht veröffentlicht, vorab kann aber bereits verraten werden: im Naturwaldreservat Rohrach lassen sich sowohl in der Struktur des Waldes als auch in den Waldgesellschaften bedeutende Entwicklungen erkennen. Das Gebiet hat sich in Bezug auf Waldzusammensetzung, Totholz, Dynamik etc. deutlich in Richtung eines Naturwaldes entwickelt.

Herausfordernde Geländearbeiten

Landesrat Zadra mit alter Vermarkung und den Gebietsbetreuern © Florian Raidt

Vermessungspunkt im Rohrach © Florian Raidt

Ohne klassische Feldarbeit kommt die Wissenschaft trotz aller Technologien zum Glück noch nicht aus und so muss neben der umfassenden Computerarbeit das Datenmaterial immer noch vor Ort gewonnen werden. Die Stichprobenpunkte sowie Dauerversuchsflächen wurden im Jahr 2022 unter Zuhilfenahme von digitalen Gelände- und GPS-Daten neuerlich aufgesucht und mit Stahlrohr-Vermessungsmarken gekennzeichnet. Die Arbeiten in dem steilen Terrain bei schlechtem Wetter waren äußerst herausfordernd und teilweise auch gefährlich. Einige Bereiche konnten nur mit Seilsicherung oder gar nicht mehr begangen werden.
Im Jahr 2023 folgten dann die Erhebung durch weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der deutsche Ornithologe Daniel Honold ist ein Experte für die lokalen Vogelvorkommen im Allgäu und Vorarlberg. Neben den zu erwartenden Waldvogelarten waren auch bemerkenswerte Arten dabei und die Sichtung eines Uhus zu Beginn im Frühjahr ließ die Vorfreude auf eine spannende Kartierungsperiode noch steigen. Neben der eigentlichen Artenliste wird aktuell der Vergleich mit den Ersterhebungsdaten von Georg Willi Einblicke in die Entwicklung des Rohrach bringen.

Bachquerung bei Hochwasser © E.C.O. Klagenfurt

Begehung einer Rutschfläche © E.C.O Klagenfurt

Materialtechnisch und logistisch herausfordernder wurde es mit den Kolleginnen und Kollegen vom Ökoteam aus Graz, die sich auf die Suche nach xylobionten Käfern machten. Dies sind holzbewohnende und insbesondere totholzbesiedelnde Käfer. –  Für deren Nachweis braucht es sogenannte Flugfensterfallen. Um diese im Gebiet in ausreichender Höhe zu installieren, wurden die Zugseile mittels Pfeil und Bogen in die Astbereiche der Bäume geschossen. Über Handsammlung, Klopfschirm und Leuchtzelte wurden zudem möglichst viele Insekten für das Labor in Proberöhrchen gesammelt. Zur Freude aller zeigten bereits die ersten Sichtungen einzelne sehr seltene bzw. gefährdete Käferarten und auch Urwaldreliktarten. Die finale Artenliste wird die bemerkenswerten deutschen Funde nochmals bestätigen und ergänzen.

Installation der Fensterfallen mit Pfeil und Bogen © RM Europaschutzgebiete

Nachtleuchten für Insektenkartierung © Ökoteam Graz

Proben xylobionte Insekten © Ökoteam Graz

Ganz ohne Material aber dafür sehr bedächtig suchend, mit dem Blick auf ein ganz eigenes Reich von Lebewesen, machten sich die Pilzkundler vom FH Johanneum Graz in die Tobel des Rohrachs auf. Auch wenn nicht Eingeweihten die Pilzkunde mit tausenden von Arten ein Mysterium bleiben wird, die Begeisterung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über einen Fund äußerst seltener oder für Vorarlberg noch nicht nachgewiesener Arten ist auch für Laien mehr als „ansteckend“. Die gerade aktuell publizierte Rote Liste der Pilze Vorarlbergs kann durch mehrere neue Funde aus dem Rohrach ergänzt werden. Hinzu kommen noch weitere gefährdete oder seltene Pilzarten, die im Rohrach einen Lebensraum finden.

Mit Dr. Veronika Pfefferkorn-Dellali als Flechtenexpertin aus Salzburg nahm auch noch eine Forscherin teil, die bereits bei der Grundlagenerhebung in den 90er Jahren mitgewirkt hatte. Sie wurde vom in Fachkreisen weltweit geschätzten Prof. Roman Türk begleitet. Flechten gelten als hervorragende Indikatoren für Umwelteinflüsse, insbesondere Luftschadstoffe. Erschreckenderweise fanden sich im Rohrach nur mehr sehr wenige Flechtenarten. Die Untersuchungsmethodik wurde daher über das Rohrach hinaus ausgeweitet und wird noch 2024 weiterverfolgt, um eine genauere Ursachenbestimmung liefern zu können. Es zeigt sich aber, dass die Forschung im Rohrach noch lange nicht abgeschlossen ist und eigentlich erst richtig beginnt. Auch bei der Fernerkundungsmethodik ergaben sich neue Forschungsfragen, die über eine Diplomarbeit an der TU Wien weiterverfolgt werden sollen und somit auch jungen Forscherinnen und Forschern den Weg in die Tobel des nördlichen Vorarlbergs eröffnen.

Kartiertrupps im Feld © RM Europaschutzgebiete

Was für ein Name für einen Pilz: Rosavioletter Klumpfuß (Cortinarius sodagnitus) © Friebes

Naturwaldforschung im Fokus

Untersuchungen zu naturnahen Wäldern und deren Biodiversität sind derzeit stark nachgefragt. Es stellen sich vermehrt Fragen zu Klimawandelanpassungsstrategien sowie Waldzustandsaspekten auf wissenschaftlicher und politischer Ebene. Eine zentrale Frage ist dabei die mögliche Steigerung der Kohlenstoffspeicherung in Wäldern, die sich von Wirtschaftswäldern zu Naturwäldern entwickeln, und wie sich diese Entwicklung auch auf andere Ökosystemleistungen auswirkt. Hinsichtlich der aktuellen Herausforderung des Klimawandels stellt das bedeutende Kohlenstoffspeicherpotenzial von Wäldern eine wichtige Stellgröße für das Erreichen der Pariser Klimaziele dar. Das Thema der „Proforestation“ also der Steigerung von Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität in bestehenden Wirtschaftswäldern gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und findet sich in unzähligen nationalen und internationalen Strategien.

Mit typischen Tannenwäldern der submontanen Stufe stellt das Rohrach österreichweit eine Besonderheit dar und bietet für das niederschlagsreiche Alpenvorland eine Referenzfläche. Das Land Vorarlberg kann hier in Zusammenarbeit mit Bayern einen erheblichen Beitrag in der Naturwaldforschung leisten. Da die Außernutzungsstellung schon 30 Jahre zurückliegt, hat das Rohrach einen bedeutenden Vorsprung gegenüber allen neu einzurichtenden Referenzflächen.

[1] Grabherr, G. et al. (1999): Ein Wald im Aufbruch – Das Naturwaldreservat Rohrach, Hrsg. Bristol Stiftung.
[2] Schmidl, J. & Bußler, H. (2018): Totholzkäfer-Kartierung Tobelwälder Schwaben. – Entomologisches Fachgutachten im Auftrag der Reg. v. Schwaben (unveröffentlicht).
[3] Mittermeier, B. (2020): Das FFH-Gebiet Rohrachschlucht – ein Allgäuer Schatzkästchen für Europas Naturerbe.  ANLiegen Natur 42(2): 33–40, Laufen.

Europaschutzgebiet Rohrach

Fläche: 50 ha
Höhe: 540 bis 720 m. ü. A.
Lage: in den Gemeindegebieten von Hohenweiler und Möggers im nördl. Leiblachtal an der Grenze zu Deutschland

Weitere Infos: Europaschutzgebiet Rohrach

Mit Unterstützung des Waldfonds Österreich

TU Wien © TU Wien
Der Naturschutzverein Verwall – Klostertaler Bergwälder betreut seit 2020 die Amphibienzugstelle in Zelfen, Tschagguns im Montafon. Alljährlich werden dank der Unterstützung motivierter Helferinnen und Helfer mehr als 100 Amphibien sicher über die Straße zu ihrem Laichgewässer gebracht. Ein neu angelegter Teich soll dabei helfen, die „Verkehrsopfer“ zu reduzieren.

Grasfrosch mit Laichballen in Zelfen © Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder

Die jährliche Wanderung der Amphibien

Wenn die Temperaturen nach den Wintermonaten langsam wieder wärmer werden, machen sich in ganz Vorarlberg tausende von Amphibien auf den Weg von ihren Land-Winterquartieren  zu den noch verbliebenen Laichgewässern. Dabei nehmen Grasfrosch, Erdkröte, Bergmolch und Co weite Distanzen und auch Gefahren in Kauf. Allzu oft werden sie auf ihren nächtlichen Wanderungen Opfer des Straßenverkehrs – ein herber und unnötiger Verlust, wenn man die weltweit negative Entwicklung der Amphibienbestände aufgrund von Lebensraumverlust und anderen Faktoren betrachtet. Abhilfe schaffen so genannte Amphibienschutzzäune, mit deren Hilfe Frösche, Kröten und Molche vor Querung einer unsicheren Straße aufgefangen werden können. Noch besser, jedoch nicht überall umsetzbar, ist die Errichtung von Amphibientunneln oder Ersatzlaichgewässern. Letztere werden so angelegt, dass die Amphibien direkt und ohne Querung einer Straße von ihren Überwinterungsquartieren zum Laichgewässer gelangen.

Seit 2020 betreut der Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder mit Sitz in Schruns die Amphibienzugstelle in Zelfen, Tschagguns. Gemeinsam mit freiwilligen Helferinnen und Helfern werden hier zwischen Februar und April Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche bei ihrer Wanderung unterstützt. Ein im Jahr 2021 errichtetes Ersatzlaichgewässer soll die Zahl an querenden Amphibien im Bereich der Zelfenstraßen reduzieren.

Die Amphibienzugstelle in Zelfen, Tschagguns

Golfplatzteich in Zelfen © Naturschutzverein Verwall

Das Ziel der jährlichen Amphibienwanderung – der Golfplatzteich in Zelfen. In den 2000er Jahren wurde im Bereich des Golfplatz Zelfen von den Golfplatzbetreibern ein Teich angelegt. Der Teich ist nicht nur schön anzusehen, sondern wirkt auch als „Magnet“ für zahlreiche Amphibien im unmittelbaren Umkreis. Denn kurz nach dessen Fertigstellung wanderten auch schon die ersten Grasfrösche von den Ill-Auen zum Teich, um sich hier fortzupflanzen.

Erdkröte auf ihrer nächtlichen Wanderung auf der Straße © Naturschutzverein Verwall

Das Problem dabei: auch vom gegenüberliegenden Hangwaldbereich machen sich jährlich unzählige Amphibien auf den Weg zum Golfplatzteich und landen dabei auf der Zelfenstraße, die besonders im Feierabendverkehr in den Abendstunden stärker befahren wird. Und das ist genau die Zeit, in der sich Grasfrosch & Co bei Regen auf den Weg machen, um das Laichgewässer noch vor dem Morgengrauen zu erreichen.

Amphibienschutzzaun in Zelfen © Naturschutzverein Verwall

Im Jahr 2022 standen erstmals ausreichend Helferinnen und Helfer zur Verfügung, um eine regelmäßige Betreuung eines Amphibienschutzzaunes zu gewährleisten. In den Jahren davor wurden an geeigneten (Regen-)Tagen die Amphibien noch ohne Zaununterstützung eingesammelt und über die Straße getragen. Mit Hilfe des Amphibienschutzzaunes kann diese Arbeit nun effizienter und mit weniger Verkehrsopfern seitens der Amphibien bewerkstelligt werden. Voraussetzung hierfür ist die tägliche Kontrolle des Zauns am Morgen und bei Regen auch am Abend. Die Wanderzeit der Amphibien kann sich dabei über 2-3 Wochen hinziehen oder aber auch nach wenigen Tagen schnell vorbei sein.

Amphibien werden beim Zaun eingesammelt und zum Teich gebracht © Naturschutzverein Verwall

Einmal vom Amphibienzaun eingesammelt, werden die Amphibien zu den Laichgewässern gebracht. Amphibien zieht es in der Regel zwar immer wieder zu ihren angestammten Laichgewässern, es werden aber auch neue Laichgewässer angenommen, sofern die Standortbedingungen passen. Bei manchen Arten werden Ersatzlaichgewässer schneller (Grasfrosch) angenommen, bei anderen (Erdkröte) kann dies länger dauern. Im Jahr 2022 wurden 114 Grasfrösche, 44 Erdkröten und 27 Bergmolche sicher zu ihren Laichgewässern „begleitet“.

Neues Ersatzlaichgewässer - jetzt fehlt nur noch das Regenwasser © Naturschutzverein Verwall

Ein Amphibientunnel, der ein sicheres Überqueren der Straße auch ohne Zaun und Betreuungsaufwand gewährleistet, ist kostenintensiv und kann nicht überall umgesetzt werden. Eine andere Möglichkeit, die Anzahl an Verkehrsopfern zu reduzieren ist die Anlage eines Ersatzlaichgewässers auf der Straßenseite, von der die Amphibien losstarten. Im Auftrag des Landes Vorarlberg koordinierte der Naturschutzverein den Bau eines Ersatzlaichgewässers in Zelfen im Jahr 2021.

Mit Regenwasser gefülltes Ersatzlaichgewässer © Naturschutzverein Verwall

Bereits im ersten Frühjahr nach dem Bau des Ersatzlaichgewässers war dieses schon mit Wasser gefüllt und die ersten Grasfrösche, Erdkröte, Bergmolche und sogar eine junge Ringelnatter tummelten sich im Teich. Zwar wird der Teich den Golfplatzteich auf der anderen Seite der Straße nie zur Gänze ersetzen, aber immerhin wird der Teich zukünftig zumindest von einem Teil der Amphibien als Fortpflanzungsstätte genutzt. Die Entwicklung des Teichs und die Wanderung der „Frösche“ wird auch in den nächsten Jahren genau dokumentiert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer der letzten Jahre – ohne euch wäre diese „Rettungsaktion“ nicht möglich!

Was ist los im Amphibienteich

Eine junge Ringelnatter lässt sich blicken © Naturschutzverein Verwall

Typischer Laichballen des Grasfrosch © Naturschutzverein Verwall

Auch ein Bergmolch begutachtet den neuen Teich © Naturschutzverein Verwall

Geht gar nicht - Fische (noch dazu eingesetzte Goldfische) in einem Amphibienteich haben es auf Froschlaich und Kaulquappen abgesehen - hier im Golfplatzteich. © Naturschutzverein Verwall

Du hast Lust mitzumachen?

Wenn du uns bei der Betreuung des Amphibienschutzzaunes (ab Ende Februar bis März) unterstützen möchtest, melde dich bei:

 

Mag. Christian Kuehs
Geschäftsführer Naturschutzverein Verwall-Klostertaler Bergwälder
Montafonerstr. 21, 6780 Schruns
+ 43 664 / 1982 543
verwall@natura2000.or.at

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union

Monitoring-Projekt bestätigt Vorkommen von Luchs und Europäischer Wildkatze in Vorarlberg

Der männliche Luchs B717CH tappt im Rätikon in eine Fotofalle © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Die Luchsin HEIA ist eines von zwei bekannten Luchsweibchen, das in Vorarlberg Jungtiere großzieht © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Das 2022 geborene Jungtier B1025CH konnte im Rahmen des Luchs-Monitorings im Rätikon nachgewiesen werden © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Mittels Lockstock und Fotofallen können Wildkatzen nachgewiesen werden © Daniel Leissing, Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft

Dornbirn (VLK) – Der europäische Luchs wie auch die europäische Wildkatze galten in Vorarlberg als ausgestorben. Ein Monitoring-Projekt im Auftrag des Landes Vorarlberg konnte nun den Nachweis erbringen, dass die beiden höchst seltenen und streng geschützten Arten wieder durch Vorarlbergs Wäldern streifen. Das Monitoring-Projekt dauerte zwei Jahre und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Jägerschaft durchgeführt. Das Ergebnis wurde am Dienstag (16. Jänner) in der inatura in Dornbirn präsentiert.

„Die Rückkehr zweier streng geschützter und vorübergehend als ausgestorben geltender Arten ist ein großer Erfolg für den Artenschutz“, sagt Landesrat Daniel Zadra: „Die Rückkehr der äußerst seltenen und scheuen Waldbewohner Luchs und Wildkatze ist eine große Bereicherung der heimischen Fauna und im Fall der Wildkatze auch eine naturkundliche Sensation. “

„Das Vorkommen von Luchs und Wildkatze in unseren Wäldern wäre ohne den sorgsamen forstlichen Umgang mit unseren Wäldern und ohne eine verantwortungsvolle Jagdwirtschaft nicht möglich“, betont Landesrat Christian Gantner: „Daher gilt insbesondere den JägerInnen ein großer Dank. Die nun vorliegenden Forschungsergebnisse des aktiven Monitorings bestätigen die bisherigen, überwiegend aus der Jägerschaft gemeldeten Hinweise über Luchsvorkommen in Vorarlberg.“

Seit einigen Jahren gab es Hinweise auf das Auftreten des Luchses in Vorarlberg sowie seit 2018 den Hinweis auf Wildkatzen im Dornbirner Berggebiet. Während der Luchs im 19. Jahrhundert ausgerottet worden war, gab es für die Wildkatze nur prähistorische Nachweise für Vorkommen auf Vorarlberger Gebiet. Eine tatsächliche natürliche Rückkehr nach Vorarlberg ist daher vor allem im Falle der Wildkatze eine naturkundliche Sensation.

Das Monitoring im Auftrag des Landes Vorarlberg (Naturschutz und Jagd) erfolgte durch Horst Leitners Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit den Zuständigen in den potentiell betroffenen Jagdrevieren. Mittels Fotofallen und Lockstöcken (Holzpflock mit natürlichem, für Katzen attraktivem Duftstoff) wurden über zwei Jahre Nachweise gesammelt und ausgewertet. Während Luchse mittels Fotos erfasst und über ihr Fellmuster individuell identifiziert werden können, werden Wildkatzen nachgewiesen, indem Haare gewonnen und über eine genetische Analyse bestimmt werden. Diese genetische Analyse ist zur eindeutigen Bestimmung notwendig, da die europäische Wildkatze und Hauskatzen optisch nicht immer sicher zu unterscheiden sind.

Extrem scheuer und seltener Waldbewohner zurückgekehrt

Die Europäische Wildkatze zählt zu den seltensten und unbekanntesten heimischen Säugetierarten. Der Wissensstand über die Wildkatze in Österreich ist dürftig. Dies liegt zum einen an ihrer verborgenen Lebensweise, zum anderen an ihrem unauffälligen Aussehen. Für Ungeübte ist die Wildkatze leicht mit einer Hauskatze zu verwechseln. Der Nachweis der Wildkatze ist dementsprechend schwierig.

Im Frühjahr 2022 konnte durch Haarprobe und anschließende Genanalyse schließlich zum ersten Mal eine Wildkatze in Vorarlberg nachgewiesen werden. Insgesamt konnten in den vergangenen beiden Jahren drei verschiedene Wildkatzen bestätigt werden. Dies sind die ersten gesicherten, genetischen Nachweise freilebender Wildkatzen in Vorarlberg. Seither herrscht Gewissheit, dass die europäische Wildkatze wieder in Vorarlberg lebt.

Luchs etabliert sich

Die größere der beiden heimischen wilden Katzenarten, der Luchs, ist mit seinen Pinselohren, dem auffälligen Backenbart und dem gefleckten Fell eindeutig zu erkennen. An Heimlichkeit steht er jedoch der Wildkatze um nichts nach.
Das Luchs-Monitoring zeigt, dass sich der Luchs langsam wieder in Vorarlberg etabliert. Der Hauptbereich der derzeitigen Luchsverbreitung liegt im Rätikon und zieht sich bis ins Montafon. Zudem gibt es im Mellental regelmäßig Luchsnachweise. Auch aus dem Klostertal, das nicht im Monitoring-Gebiet des Projekts liegt, werden Nachweise gemeldet. Im vorangegangenen Luchsjahr 2022–2023 wurden in den Monitoring-Gebieten insgesamt sieben verschiedene selbstständige Luchse nachgewiesen. Auch zwei Jungtiere von zwei verschiedenen Müttern konnten festgestellt werden.

Die Vorarlberger Luchse entstammen der Luchspopulation aus der Nordostschweiz, wo ab dem Jahr 2001 Luchse wiederangesiedelt wurden. In Vorarlberg befindet sich der östliche Ausbreitungsrand dieser Population. Der Bestand ist daher von großer Bedeutung für die weitere Verbreitung und die zukünftige Vernetzung des Luchses mit anderen Teilpopulationen, z. B. mit den Luchsen in der Grenzregion zwischen Italien, Slowenien und Österreich.

Storchenberingung © RM Europaschutzgebiete

Storchenberingung © RM Europaschutzgebiete

Besenderung Weißstorch © RM Europaschutzgebiete

Zugroute der besenderten Störche

Bodensee I Das jährliche Storch-Monitoring am Bodensee und im Rheintal liefert spannende Einblicke in das Zugverhalten der Störche.

Nach dem Aussterben des Weißstorchs in Vorarlberg im 19. Jahrhundert wurden mit diversen Wiederansiedlungsprojekten ab den 1980er Jahren wieder erfolgreiche Bruten in Vorarlberg dokumentiert. Seither hat sich der Bestand ständig erhöht. Dies ist nicht nur den zur Verfügung gestellten Brutmöglichkeiten geschuldet, sondern hat auch damit zu tun, dass durch die Änderung der Bewirtschaftungsweise im Rheintal regelmäßig kurz geschnittene Wiesen für die Nahrungssuche vorhanden sind. Und auch der Klimawandel spielt eine Rolle, führen doch die geringeren Niederschläge im Frühjahr zu immer mehr erfolgreichen Bruten.

Der Storch, als klassischer Zugvogel, eignet sich hervorragend für Forschungsfragen über das Zugverhalten unserer heimischen Vögel. Seit über 10 Jahren werden junge Weißstörche in Vorarlberg in ihren Horsten im Frühsommer beringt. Da sich aus den Ringmeldungen immer wieder interessante Daten ergeben, werden seit 2016 einige Jungstörche zusätzlich mit einem Sender versehen. Die Beringungen erfolgen in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Vogelwarte in Wien, die Besenderung mit dem Max-Plank-Institut und deren Außenstelle der Vogelwarte in Radolfszell. Im vergangenen Jahr konnten so 77 Jungstörche beringt und 8 Weißstörche mit Sendern ausgestattet werden.

Im Jahr 2022 brüteten 88 Storchenpaare in Vorarlberg. Insgesamt wurden 186 Jungtiere flügge, was einem Bruterfolg von 2,11 Jungtieren pro Paar entspricht. Der gute Bruterfolg war eindeutig auf die trockenen Monate April bis Juni zurückzuführen. Im Winter 2021 / 2022 wurden bei koordinierten Winterbestandszählungen gemeinsam mit der Schweiz und Liechtenstein 145 Tiere in der Fußacher Bucht gezählt.

Dass immer mehr Weißstörche den Winter in Vorarlberg verbringen, ist auf mildere Winter und die bessere Verfügbarkeit von Futter zurückzuführen.

Die Rückmeldungen von Ringbeobachtungen und die Satellitendaten über die Flugrouten durch die Sender lieferten spannende Ergebnisse zum Zugverhalten der Störche. So gehören „unsere“ Störche zu den klassischen Westziehern. Das bedeutet, dass sie auf ihrer Zugroute in den Süden entlang der Alpen nach Westen fliegen und dann über Spanien und Gibraltar nach Afrika gelangen. Die weitesten Zugstrecken führen sie dabei bis nach Mali und in den Senegal. Einzelne Störche zeigen jedoch ein vollkommen anderes und zuweilen weniger erfolgreiches Zugverhalten. So verirrte sich der Storch „Alwin“ auf Sizilien, von wo er mehrere erfolglose Überflugversuche über das Mittelmeer nach Tunesien unternahm.

Eine weitere interessante Erkenntnis aus den Senderdaten ist die Tatsache, dass ältere Störche vermehrt den Winter bevorzugt in Vorarlberg verbringen, Jungstörche jedoch ausnahmslos nach Süden ziehen. Ob sich dieser Trend verstärkt oder bei zunehmenden Temperaturen das Zugverhalten ganz eingestellt wird, werden die Ergebnisse der nächsten Jahre zeigen.

Wildökologen vom Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft gelang es erstmals die Europäische Wildkatze in Vorarlberg genetisch nachzuweisen.

Wildkatze im Ebnitertal © Daniel Leissing

Absammeln der Haarprobe am Lockstock © Daniel Leissing

Wildkatzen-Lockstock mit Haaren © Daniel Leissing

Ein Luchs tappt in die Fotofalle © Daniel Leissing

Luchs © Daniel Leissing

Bregenz (VLK) – Im Rahmen eines vom Land Vorarlberg beauftragten Monitoring-Projekts konnte das Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit Naturschutz und Jägerschaft im Ebnitertal bei Dornbirn und im Frödischtal eine Wildkatze fotografieren. Nach der Analyse einer Haarprobe herrscht Gewissheit: Die Katze, die durch das Dornbirner Berggebiet streift, ist eine Europäische Wildkatze. Dies ist der erste genetische Nachweis einer freilebenden Wildkatze in Vorarlberg. Diese Art galt bisher als ausgestorben oder verschollen. Auch der Luchs etabliert sich in Vorarlberg.

 „Die erfolgreiche Rückkehr zweier streng geschützter und vorübergehend als ausgestorben geltender Arten ist ein riesiger Erfolg für den Artenschutz“, freut sich Landesrat Daniel Zadra: „Sie sind eine Bereicherung für die natürliche Tierwelt in unserem Land.“ Vorarlbergs Alpen sind ein wichtiger Lebens- und Arbeitsraum, betont Landesrat Christian Gantner: „Um unserer Alpwirtschaft positive Zukunftsperspektiven zu geben, braucht es ein partnerschaftliches Miteinander und sichere Rahmenbedingungen.“

   Weitere Aufnahmen der Wildkatze gelangten Jagdschutzorgan Erich Knappitsch im Ebnitertal. Er hatte seit 2018 mehrfach eine verdächtige Katze mit seiner Wildkamera festgehalten und damit das Wildkatzen-Projekt ins Rollen gebracht. Im Frühjahr 2022 konnte schließlich zum ersten Mal eine Haarprobe einer Katze gewonnen und diese vom Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik genetisch analysiert werden. Seither herrscht Gewissheit: Die Katze, die durch das Dornbirner Berggebiet streift, ist eine Europäische Wildkatze. Genauer gesagt ist es ein Wildkatzenweibchen, das offiziell bestätigt wurde. Daniel Leissing vom Büro für Wildökologie erklärt begeistert: „Dies ist der erste genetische Nachweis einer freilebenden Wildkatze in Vorarlberg. Offiziell gilt die Art bei uns als ausgestorben oder verschollen.“

Rückkehr auf leisen Pfoten

   Die Europäische Wildkatze zählt zu den seltensten und unbekanntesten heimischen Säugetierarten. Der Wissensstand über die Wildkatze in Österreich ist dürftig. Dies liegt zum einen an ihrer verborgenen Lebensweise, zum anderen an ihrem unauffälligen Aussehen. Für Ungeübte ist die Wildkatze leicht mit einer Hauskatze zu verwechseln. Der Nachweis der Wildkatze ist dementsprechend schwierig.

   Um die heimliche Katze aufzuspüren, arbeiten WildökologInnen mit Wildkameras und Lockstöcken. Ein Lockstock ist ein rauer Holzpflock, der im Waldboden eingeschlagen und mit Baldrian-Tinktur präpariert wird. Während Baldrian auf Menschen beruhigend wirkt, ist er für Katzen das reinste Aphrodisiakum. Eine Wildkatze, die von einem solchen Lockstock angezogen wird, reibt sich an diesem und setzt ihre eigene Duftmarke ab. Dabei bleiben Fellhaare am Stock zurück, die genetisch analysiert werden können. Dies ist notwendig, um eine Wildkatze eindeutig von einer Hauskatze zu unterscheiden. Aufgrund der oftmals ähnlichen Fellzeichnung und vergleichbarer Körpergröße genügt dafür nicht immer ein Foto.

Der Luchs etabliert sich

   An seinen Pinselohren, dem auffälligen Backenbart und dem gefleckten Fell ist der Luchs als großer Verwandter der Wildkatze bedeutend einfacher zu erkennen. An Heimlichkeit steht er jedoch der Wildkatze um nichts nach. Auch auf ihn haben es die WildökologInnen beim Aufstellen der Wildkameras abgesehen. Im Zuge des Luchs-Monitorings entstanden im Rätikon, Montafon und Mellental seit vergangenem Herbst insgesamt 53 Fotos von Luchsen. Bei den fotografierten Luchsen handelt es sich um sechs verschiedene Individuen, die hier ihre Kreise ziehen. Wie viele Luchse insgesamt durch Vorarlberg streifen, ist noch unklar.

Personen, die über Nachweise von Luchs oder Wildkatze verfügen, werden gebeten diese an hubert.schatz@vorarlberg.at bzw. an www.wildkatze-in-oesterreich.at zu senden.

 

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