Mehrerauer Seeufer - Bregenzerachmündung

Streuwiesen, Auwälder und die Mündung der Bregenzerach bilden eine ausgesprochen vielfältige Naturlandschaft in unmittelbarer Nähe zum dicht besiedelten Rheintal.

Muendungsdelta der Bregenzer Ache © Friedrich Böhringer

Wenn im Frühjahr in den Bergen der Schnee schmilzt, beginnt das Wasser des Bodensees anzusteigen. Jedes Jahr aufs Neue überschwemmt der See während der Sommermonate mehr oder weniger große Uferbereiche. Für die seltenen Pflanzen ist dies kein Nachteil – ganz im Gegenteil: Sie sind darauf angewiesen, weil sich dadurch keine Landpflanzen ansiedeln können. Allerdings dürfen die Überschwemmungen auch nicht so lange dauern, dass Wasserpflanzen wachsen könnten. Etwa drei bis vier Monate sind ideal.

Die Mündungslandschaft an der Bregenzerach verändert sich fortwährend. Der Fluss schwemmt große Mengen an Schwebstoffen und Kies in den See. Nachdem seit 1989 kein Kies mehr gebaggert wird, entstehen neue Landflächen, die sich allmählich immer weiter seewärts schieben. Jedes Hochwasser verwandelt diese Landschaft, der Fluss schafft ständig neue Lebensräume. Liegen die jungen Landflächen mehrere Monate trocken, entwickeln sich rasch Auwälder mit Weiden, Erlen und Pappeln. Der Entwicklungsgeschichte der Mündungslandschaft entsprechend können hier daher alle Stadien eines Auwalds beobachtet werden – von Weidenkeimlingen bis zu großen Bäumen. Eine für mitteleuropäische Verhältnisse nahezu einzigartige Situation!

Blaue Blüten im Kies
Die speziellen Verhältnisse im Europaschutzgebiet Mehrerauer Seeufer – Bregenzerachmündung erhalten den Lebensraum für das Bodensee-Vergissmeinnicht und die Strandschmiele – zwei der seltensten Pflanzen Vorarlbergs, die weltweit nur in der Bodenseeregion vorkommen. Es ist jedes Jahr aufs Neue ein außergewöhnliches Naturschauspiel, wenn im April die blauen Blütenteppiche des Bodensee-Vergissmeinnichts die flachen Kiesufer überziehen. Obwohl nur wenige Zentimeter groß, ist das seltene Bodensee-Vergissmeinnicht eine der spektakulärsten Erscheinungen des
Schutzgebietes.

Neben besonderen Seltenheiten, wie dem Bodensee-Vergissmeinnicht, leben hier noch zahlreiche weitere Pflanzen und Tiere, die zwar weitaus weniger berühmt, aber in vielen anderen Regionen bereits verschwunden sind und daher besonderen Schutz bedürfen.

Fakten

Fläche: 120 ha
Höhe: 400 m. ü. A.
Lage: am Bodensee in Bregenz und Hard
Natura 2000-Managementregion: Bodensee-Leiblachtal

Schutzgüter und weitere bemerkenswerte Arten

Die Schutzgüter des Gebietes sind besonders typische und seltene bzw. gefährdete Lebensräume und Arten, für deren Erhalt das Europaschutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurde. Einige dieser Schutzgüter wollen wir Ihnen vorstellen:

Biber (Castor fiber)

Nachdem Biber über 350 Jahre in Vorarlberg ausgestorben waren, sind die Vegetarier seit 2006 auch bei uns wieder heimisch. Die überwiegend nachtaktiven Nager sind hervorragende Schwimmer und gewandte Taucher. Im Sommer wenig auffällig, hinterlassen Biber in der kalten Jahreszeit deutliche Spuren, da sie Bäume fällen, um an die Rinde zu gelangen.

Bitterling (Rhodeus amarus)

Vorkommen dieses kleinen Karpfenfisches sind untrennbar an Muscheln gebunden. Mit seiner Legeröhre legt das Weibchen seine Eier in Teich- oder Malermuscheln ab, in denen die Jungfische geschützt heranwachsen. Bitterlinge finden daher mit etwa 100 Eiern das Auslangen, während andere Fische oft zehntausende Eier produzieren müssen.

Hinweise für Gebietsbesuchende

Lärm und Abfälle

Vermeiden Sie Lärm, der Tiere beunruhigt, und lassen Sie keine Abfälle im Gebiet zurück.

Keine Blumen pflücken

Damit sich alle Gebietsbesucher­Innen an der außergewöhnlichen Blütenpracht erfreuen können, bitte keine Blumen pflücken oder Pflanzenteile entnehmen.

Leinenpflicht für Hunde

Hunde müssen ausnahmslos an die Leine. Frei laufende Hunde beunruhigen Vögel und andere Wildtiere.

Betretungsverbote beachten

Schilfflächen dürfen ganzjährig nicht betreten werden.

Kein Feuer entfachen

Feuer dürfen nur an ausgewiesenen Feuerstellen entfacht werden.

Lagerplätze benützen

Campieren und lagern ist nur auf ausgewiesenen Bereichen erlaubt.

Kontakt

Regionsmanagement Europaschutzgebiete
Mag. Walter Niederer
Im Böschen 25 · 6971 Hard
Tel. +43 (0) 5578 74478 · office@rheindelta.org